Die Tiefsee ist der größte und bedeutendste Lebensraum, den wir haben. Und gleichzeitig ist er eben überhaupt noch nicht erforscht. [...] Wir wissen eigentlich gar nichts über unsere Tiefsee, fangen gleichzeitig schon an darüber nachzudenken, wie wir da unten Rohstoffe abbauen können. Das heißt, wir gefährden Ökosysteme, bevor wir sie überhaupt kennen.
Das Geheimnis der Titanic fasziniert Tiefseearchäologe Florian Huber
Der Untergang der Titanic dauerte keine drei Stunden. Nach mehr als 73 Jahren wurde ihr Wrack 3800 Meter unter dem Meeresspiegel entdeckt. Erst seit Kurzem ist bekannt, dass die Entdeckung Teil einer geheimen Mission der US-Marine war.
Obwohl die Aufgaben von Tiefseearchäologe Florian Huber sich "nur" bis in Tiefen von 1000 Metern bewegen, wäre er bei einem Tauchgang zur Titanic sofort dabei.
Würde mir einer anbieten, auf den Mond zu fliegen oder in die Tiefsee zu gehen, dann wäre ich immer in der Tiefsee, weil ich da Tiere und Lebewesen und Schiffswracks finden kann.
Schiffswracks: Wo liegen die berühmtesten Schatzschiffe der Welt?
Die UNESCO vermutet in unseren Weltmeeren rund drei Millionen Schiffswracks. Welche Geschichten erzählen die Wracks über die Menschen an Bord und über ihre Zeit?
Jedes Schiff erzählt seine eigene Geschichte, denn es wurde irgendwann mal gebaut, jemand hatte eine Intention, es zu bauen. Weil er neue Kontinente entdecken wollte, weil er Ladung von A nach B transportieren wollte, weil die Menschen einfach neugierig waren und ihre Grenzen verlassen wollten.
Tiefseearchäologie: Detektivarbeit im Dunkel der Tiefe
Warum sind die Wracks zu blühenden Oasen des Lebens geworden? Expeditionen und Ausgrabungen führten Forian Huber in mehr als 100 Länder der Erde. In SWR1 Leute berichtet er von spektakulären Schiffswracks und verrät, wer die Mona Lisa der Tiefsee ist und wo die berühmtesten Schatzschiffe der Welt liegen.
Wir versuchen als Wissenschaftler da unten dann diese Geschichten zu erforschen. Das heißt, wir sind ein Stück weit Unterwasserdetektive, weil wir an einen Tatort kommen, der allerdings halt nicht einen Tag alt ist, sondern 500 oder 5000 Jahre.
Und noch etwas Geschichtsträchtiges ist Florian Huber im Rahmen seiner Arbeit bewusst geworden: Die Neugier, was sich denn unter Wasser so alles verbirgt, hat nicht nur den modernen Menschen inspiriert.
Wir wissen, dass selbst schon die Römer damit experimentiert haben, umgedrehte Fässer zu nehmen und Leute nach unten zu schicken. Angeblich war Alexander der Große auch schon mit so einer Druckkugel unterwegs am Meeresboden.
Faszinierende, blitzend-bunte Unterwasserwelt
Aber nicht nur die Erforschung von Schiffswracks oder das Freilegen von versunkenen Siedlungen fasziniert Florian Huber. Seine Tieftauchgänge waren im wahrsten Sinne auch erleuchtend für ihn.
Unser Planet spricht die Lichtsprache, weil da unten einfach Milliarden von Lebewesen sind. Diese Lebewesen kommunizieren über Lichtsignale. Die finden über Licht ihre Partner, die machen auf sich aufmerksam, die suchen Beute, die versuchen aber auch abzuschrecken, indem sie super krass blitzen und blinken, damit der Fressfeind Angst hat. Man fühlt sich wie in einem Avatar-Film, wenn es überall blitzt und blinkt und du denkst: WOW – Das ist unser Planet!
Science Fiction oder Realität: gibt es eine versteckte Gesellschaft im Meer?
Dass sich allerdings eine hochintelligente Parallelgesellschaft in den Tiefen der Weltmeere verbirgt – so wie es Science-Ficton Filme oder Frank Schätzing in seinem Buch "Der Schwarm" beschreiben – kann Florian Huber sich nicht vorstellen.
Es wird mit Sicherheit noch Tiere und Tierarten geben, die wir nicht kennen. Und da werden sicherlich auch intelligente dabei sein. Nur: Ob es eine Zivilisation ist, die da unten mit kleinen U-Booten 'rumfährt und uns beobachtet, das würde ich jetzt eher ausschließen.