Pompeji: Momentaufnahme einer Katastrophe
Gesellschaft in Pompeji: Sklaverei, Luxus und Gewalt
Archäologie lässt Vergangenheit lebendig werden
Das kann uns Pompeji heute lehren
Gabriel Zuchtriegel: Aus Oberschwaben nach Italien
Pompeji: Momentaufnahme einer Katastrophe
Die Katastrophe am 24. August 79 nach Christus trifft die Menschen im antiken Pompeji unvorbereitet. Stundenlang spuckt der Vesuv kleine Steinchen aus, die Lapidi. Diese heißen, kleinen Lavasteinchen bedecken die Stadt unter einer bis zu drei Meter hohen Schicht. Gleichzeitig gibt es Erdbeben, viele Menschen sterben. Kaum hat der Lapidi-Regen aufgehört, rollt eine tödliche Lawine aus heißer Asche und Staub (pyroklastischer Strom) vom Vulkan heran, die alles restliche Leben auslöscht.
Die Asche umschließt Menschen, Tiere, Möbel und Häuser und wird im Laufe der Zeit zu hartem Boden. Die organischen Materialien zersetzen sich und hinterlassen Hohlräume, die von Archäologen mit Gips ausgegossen werden können. Dadurch entstehen Standbilder des Momentes, in dem der Tod die Menschen und Tiere in Pompeji aus dem Leben gerissen hat.
Wir leben heute und denken. Das ist alles normal, so verhält man sich eben und so ist die Gesellschaft. Aber dann guckt man zurück [...] und sieht: Es geht alles irgendwie ganz anders.
Für Gabriel Zuchtriegel ist das einzigartig: Besucher:innen der Ausgrabungsstätte können heute den Menschen von damals ins Gesicht schauen, sehen die verlassenen Holzpritschen der Sklaven genau so, wie sie damals an dem Tag liegen gelassen worden sind mit der zerknüllten Bettdecke. Es sind Details, die in keiner schriftlichen Quelle festgehalten wurden und Wissenschaftler:innen sowie Interessierten bis heute einmalige Einblicke bieten in das Leben des antiken Pompeji.
Gesellschaft in Pompeji: Sklaverei, Luxus und Gewalt
Zuchtriegel ist der Meinung, dass es in der Gesellschaft von Pompeji brodelte: Circa ein Drittel der Bevölkerung waren vermutlich Sklav:innen. Ganz unten in der Rangordnung standen versklavte Arbeiter:innen, die eingesperrt, in Ketten gelegt oder mit Brandzeichen gekennzeichnet wurden. Andere Sklav:innen liefen hingegen frei herum und waren äußerlich nicht von normalen Bürger:innen zu unterscheiden.
Weiter oben in der Rangordnung gab es eine Art Mittelschicht, die im Spannungsfeld zwischen Abstiegsangst und Aufstiegswunsch lebte: Leicht konnte es passieren, dass ein freier Bürger seine Familie nicht versorgen konnte und damit schlechter dastand als ein Sklave (der von seinem Herrn Nahrung und Kleidung bekam). Gleichzeitig war Pompeji eine Handelsmacht und bot den Menschen damit Möglichkeiten, sich finanziell zu verbessern.
Ganz oben gab es eine Oberschicht, die die Wahlen unter sich ausmachte, große Anwesen besaß und sich die Zeit mit Luxus und Banketten vertrieb. Die sich gleichzeitig aber innerlich leer fühlte, nach dem Sinn des Lebens fragte und Angst vor einem gewalttätigen Sklavenaufstand hatte.
Archäologie Sensation in Pompeji: Forschende entdecken "Luxus-Spa"
Das ausgegrabene Badehaus ist möglicherweise das größte, das jemals dort gefunden wurde und es ist perfekt erhalten. Die Entdeckung enthüllt, wie luxuriös Römer in Pompeji lebten.
Archäologie lässt Vergangenheit lebendig werden
In dieser Zeit breitete sich eine neue Religion aus: das Christentum. Laut Zuchtriegel gibt es auch in Pompeji Anzeichen dafür, dass die Menschen von den "Spinnern" gehört haben, die Vergebung und Nächstenliebe predigen. Archäologie zeigt seiner Meinung nach, wo die Menschheit herkommt.
Außerdem lässt sich mit Hilfe der Archäologie nachvollziehen, wie die Menschen früher wirklich gelebt haben. Große Bauten wie das Kolosseum wurden "für die Ewigkeit" gebaut, Archäologen graben dagegen auch in den Hinterlassenschaften der Menschen, die nie überdauern sollten.
Das kann uns Pompeji heute lehren
Was hätten die Menschen in Pompeji mit ihren Wünschen, Problemen und Ängsten anders gemacht, wenn sie gewusst hätten, dass sie am 24. August 79 n. Chr. sterben würden? Und ist unsere Situation heute so viel anders als damals? Gabriel Zuchtriegel findet, dass wir am Schicksal von Pompeji lernen können:
Wir wissen nicht, wie viel Zeit wir haben. Geschichte ist in diesem Sinne jetzt! Wir sind Geschichte. Von unserem Tun hängt sehr viel ab.
Für Zuchtriegel kann der Blick auf Pompejis plötzliches Ende befreiend sein und uns zu der Erkenntnis führen: Wir leben genau jetzt!