Krise beim Stuttgarter Autobauer

Porsche fliegt aus dem Dax - was das konkret bedeutet

Der Stuttgarter Autobauer hat zuletzt starke Gewinneinbrüche verzeichnet, nun muss die Porsche AG den Aktien-Leitindex verlassen. Welche Folgen hat das, auch für Aktionäre?

Teilen

Stand

Von Autor/in Christoph Mautes

Nach knapp drei Jahren muss der Stuttgarter Autobauer Porsche AG den deutschen Leitindex Dax wieder verlassen. Das hat die Deutsche Börse am Mittwochabend mitgeteilt. Die wichtigsten Fragen und Antworten dazu im Überblick.

Wie reagiert Porsche auf den Ausstieg aus dem Dax?

"Der Dax wird um eines der wertvollsten deutschen Unternehmen ärmer", sagte Oliver Blume, der Vorstandsvorsitzende der Porsche AG, am Mittwochmorgen. Blume verteidigte den Kurs des Unternehmens, er strebe zudem eine baldige Rückkehr in den Leitindex an. "Wenn wir die Gesamtmarktkapitalisierung und die Strahlkraft der Marke Porsche betrachten, zählen wir weiterhin zu den großen börsennotierten Unternehmen in Deutschland“, sagte Blume.

Der Porsche-Chef machte vor allem technische Faktoren für den Abstieg in den Index für mittelgroße Unternehmen (MDax) verantwortlich: "Die Deutsche Börse berücksichtigt bei der Zusammensetzung des Dax nach ihrem Regelwerk nur den frei handelbaren Streubesitz - und dieser ist bei der Porsche AG mit gut zwölf Prozent vergleichsweise gering." Im Dax messe man sich also mit Unternehmen, die zwar eine geringere Marktkapitalisierung haben, dafür aber einen deutlich höheren Streubesitz.

Der Sportwagenbauer hat indes schon seit längerem Probleme, zuletzt waren etwa die Gewinne stark eingebrochen und Sparprogramme verkündet worden. Konzernchef Blume selbst steht wegen seiner Doppelrolle als VW-Chef in der Kritik.

"Ich bin aber sicher, dass Anleger den Wert unserer Aktie weiterhin erkennen", sagte Blume weiter. Mit den "ikonischen Produkten und den Ergebnisprogrammen" des Unternehmens werde man künftig auch wieder höhere Porsche-AG-Kurse sehen. "Mit der neuen Ausrichtung von Porsche haben wir die klare Ambition, baldmöglichst in den Dax zurückzukehren", zeigte sich Blume überzeugt.  

Oliver Blume, Vorstandsvorsitzender der Porsche AG - und der Volkswagen AG, bei einem Vortrag vor dem Porsche-Logo.
Oliver Blume, Vorstandsvorsitzender der Porsche AG - und der Volkswagen AG: Seine Doppelfunktion ist umstritten.

Was ist der Grund für die Veränderungen im Dax?

Die Zusammensetzung des Dax wird alle drei Monate überprüft und angepasst. Das wichtigste Kriterium ist dabei der Börsenwert eines Unternehmens - und der ist bei Porsche deutlich gesunken. Die Aktie war ohnehin seit gut zwei Jahren im Sinkflug, seit Anfang diesen Jahres ging es dann nach einem Gewinneinbruch nochmal deutlich nach unten. Damit reicht es vorerst nicht mehr für einen Platz unter den Top 40, Porsche steigt in den MDax ab.

Das muss aber kein Abschied für immer sein: Beiersdorf zum Beispiel ist in den letzten vier Jahren zweimal aus dem Dax abgestiegen und dann wieder aufgestiegen. Im Moment fehlen für Porsche allerdings die positiven Signale, viele Zeichen stehen auf Krise.

Was bedeutet der Dax-Abstieg für die Porsche-Aktie und für Aktionäre?

Die Änderungen im Dax treten am 22. September in Kraft - danach wird sich zeigen, wie es mit der Porsche-Aktie weitergeht. Zumindest kurzfristig ist wohl zu erwarten, dass der Aktienkurs weiter nachgeben wird. Denn: Indexfonds, also vor allem ETFs, bilden zum Beispiel den Dax eins zu eins nach. Diese Indexfonds müssen ihre Porsche Aktien und Derivate nun loswerden - und sich stattdessen mit den Aktien der Aufsteiger eindecken. Das sorgt zunächst für Verkaufsdruck, für mehr Angebot als Nachfrage und damit für sinkende Preise.

Niedrige Kurse sind für Investoren ab einem gewissen Punkt allerdings auch wieder ein Grund, einzusteigen und zu kaufen. Insofern relativiert sich die Entwicklung meist nach einer gewissen Zeit wieder. Ein Kurs-Absturz ins Bodenlose ist jedenfalls nicht zu erwarten - es handelt sich nach wie vor um ein profitables Unternehmen. Wie es mit dem Aktienkurs von Porsche mittel- und langfristig weitergeht, steht und fällt mit der Geschäftsentwicklung.

Was sagen die Veränderungen im deutschen Aktienindex aus?

Das Profil des Dax werde sich durch die Anpassungen nicht merklich verändern, heißt es von der Sparkassen-Fondsgesellschaft Deka - dafür seien die Gewichtungen der ausgetauschten Werte zu gering. Auch bleibe der Dax ein schlechter Gradmesser für den Ist-Zustand der deutschen Volkswirtschaft.

Allerdings seien die Veränderungen in der Zusammensetzung des Dax symptomatisch für die strukturellen Veränderungen in der deutschen Volkswirtschaft. Die Automobilindustrie war demnach über viele Jahre hinweg dauerhaft mit mehr als 15 Prozent im wichtigsten deutschen Aktienindex enthalten. Inzwischen sei dieser Industriezweig auf unter 5 Prozent geschrumpft. Getragen wird der Dax laut Deka-Experten inzwischen sowohl von Dienstleistungen im IT-Bereich und bei Finanzen, als auch von Unternehmen, die im Bereich Infrastruktur und Elektrifizierung sowie Verteidigung tätig sind. Damit läuft der Dax den strukturellen Veränderungen der deutschen Volkswirtschaft vorweg.

Wie geht es weiter für das Unternehmen?

Zu welchem Index - also ob Dax oder MDax - ein Unternehmen gehört, hat für dessen Geschäft keine unmittelbaren Folgen. Allerdings bedeutet eine Notierung in der ersten deutschen Börsenliga natürlich Prestige und mehr Sichtbarkeit, insbesondere bei internationalen Investoren. Entsprechend geht ein Abstieg aus dem Dax mit einem Imageverlust einher. Diese Signalwirkung geht an Investoren natürlich nicht vorbei, Porsche verliert damit ein wenig von seiner Strahlkraft.

Anders als die Porsche AG, bleibt die Porsche SE - also die Holding der Familien Porsche und Piëch - weiter im Dax. Die Beteiligungsgesellschaft ist mit 31,9 Prozent der größte Anteilseigner des Autobauers VW - und mit etwa einem Achtel auch an der Porsche AG beteiligt.

Mit welchen Problemen hat Porsche derzeit zu kämpfen?

Völlig unabhängig von der Dax-Zugehörigkeit steht Porsche - wie die gesamte deutsche Autoindustrie - vor großen Herausforderungen. Der Markt in China, der lange viel Wachstum gebracht hat, ist ziemlich zusammengebrochen. Der US-Markt ist durch die Zölle unattraktiver geworden und die E-Autos wollen sich auch zu Hause nicht wirklich verkaufen.

Sparprogramme sollen helfen - bis 2029 will die Porsche-Führung rund 1.900 Stellen in der Region Stuttgart streichen, auch ein weiteres Sparprogramm wurde bereits angekündigt.

Dazu kommt, dass der Porsche-Chef Oliver Blume, der ja gleichzeitig auch noch VW-Chef ist, dem Vernehmen nach sein Amt bei Porsche schon bald niederlegen will. Die Suche nach einem Nachfolger laufe bereits, heißt es aus Unternehmenskreisen. Und der- oder diejenige hat damit erst mal alle Hände voll zu tun. 

Was sagen Fachleute zur Krise bei Porsche - und welche Auswege gibt es?

Nach Einschätzung von Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer sind es mehrere Faktoren, die die Situation bei Porsche "nicht einfach" machen. Kritisch sieht er zum einen die Doppelrolle von Oliver Blume als Porsche- und VW-Chef: Zwei "ganz große Themen" in einer Person zu managen sei sehr schwer, so Dudenhöffer gegenüber dem SWR. Die Tatsache, dass inzwischen auch die VW-Betriebsratchefin ein Ende der Doppelrolle fordere, zeige, "wie dramatisch die Situation" sei.

Dudenhöffer zufolge fehlt Porsche ein Gegenrezept zu den Absatzverlusten in China. Der Taycan werde dort kaum verkauft, weil er im Vergleich zu Modellen von Wettbewerbern zu teuer sei. Andererseits habe sich der Sportwagenhersteller aus seiner Sicht beim Thema E-Mobilität überhoben. Man habe geglaubt, die Elektrochemie und die Batteriezelle "neu erfinden zu können", sagt Dudenhöffer. Auf eigene Batteriezellenproduktion zu setzen, wie etwa mit Cellforce, sei ein "großes Abenteuer" gewesen.

Um aus der Krise zu kommen, müsste der Autobauer sich aus Sicht des Autoexperten öffnen - und "aufhören zu glauben, in Weissach werden die Autos erfunden". Statt sich selbst - wie etwa beim Thema Batteriezellen - etwas "zurechtzustricken", brauche es Kooperationen mit Unternehmen, die in solchen Zukunftsfeldern bereits führend seien. Auch mit Blick auf die Produktionsstrukturen müsse man sich internationalisieren und etwa auf Gemeinschaftswerke setzen.

Stuttgart

Nachfolgersuche soll schon laufen Porsche: Gibt Oliver Blume den Vorstand auf und bleibt nur noch VW-Chef?

Oliver Blume ist seit zehn Jahren Chef von Porsche, seit 2022 auch von VW. Insider berichten, dass er sich bei Porsche zurückziehen will. Ein Nachfolger wird wohl bereits gesucht.

Kirchentellinsfurt

Enttäuschung und Wut bei Mitarbeitenden Cellforce in Kirchentellinsfurt: Porsche will eigene Batteriezellenproduktion streichen

Der Sportwagenbauer Porsche schließt seine Batteriezellfertigung in Kirchentellinsfurt. Bei Cellforce soll es nur noch um Forschung und Entwicklung von Batteriezellen gehen.

Guten Morgen Baden-Württemberg SWR1 Baden-Württemberg

Baden-Württemberg

IG-Metall-Chefin äußer sich Forderung: Mercedes und Porsche-Aktionäre sollen auf Teil der Dividende verzichten

Nach Gewinneinbrüchen muss die Autoindustrie in Deutschland sparen. Die Chefin der IG Metall sieht auch die Aktionäre der Konzerne in der Pflicht - und macht einen Vorschlag.

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Christoph Mautes
Onlinefassung
Hanna Spanhel
Redakteurin Hanna Spanhel

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!