Neue Studie des Fraunhofer Instituts

Parken verteuern, ÖPNV verbessern - so könnten Kommunen Klimaschutz im Verkehr umsetzen

Baden-Württemberg will bis 2040 klimaneutral sein. Wissenschaftler des Fraunhofer Instituts haben untersucht, wie man den "Problemsektor" Verkehr klimafreundlicher gestalten kann.

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Von Autor/in Nick Schader

Der Verkehrssektor ist laut baden-württembergischen Verkehrsministerium der größte Verursacher von Treibhausgasemissionen in Baden-Württemberg. Umso wichtiger ist die Frage: Was können Kommunen tun, um den Klimaschutz im Verkehrssektor zu verbessern? Das haben Wissenschaftler des Fraunhofer Instituts in Karlsruhe untersucht.

Die Untersuchung wurde im Auftrag des Verkehrsministeriums erstellt und liegt dem SWR bereits vorab vor. Die Forschenden haben in mehreren Städten in Baden-Württemberg untersucht, wie viel klimaschädliches CO2 durch bestimmte Verkehrsmaßnahmen eingespart werden könnte. Demnach können beispielsweise höhere Parkpreise, der Ausbau des ÖPNV oder die Förderung von Elektroautos positive Wirkungen haben.

Klimaschutz durch ÖPNV: Schnellbuslinie Freiburg spart CO2 ein

Eines der untersuchten Beispiele: Ende 2022 wurde in Freiburg eine neue Schnellbuslinie eingeführt. Diese verbindet in den Stoßzeiten mehrere Gemeinden aus dem Umland mit der Innenstadt. Durch Befragungen der Fahrgäste haben die Studienmacher herausgefunden, dass rund ein Drittel der Fahrgäste trotz eigenem Auto ganz bewusst auf den Bus umgestiegen sei - dank besserer Taktung und verkürzter Fahrzeit. Im Ergebnis seien dadurch rund 54 Tonnen CO2 eingespart worden. Würde man Elektrobusse statt Dieselbusse einsetzen, wären es sogar dreimal so viel, so die Forschenden.

Teureres Parken für Anwohner in Tübingen

In den vergangenen Jahren haben Kommunen in Baden-Württemberg die Preise für Bewohnerparkausweise zum Teil drastisch erhöht. Am Beispiel Tübingen wurde untersucht, welche Auswirkungen das auf den Verkehr hat. Dort kostet ein Parkausweis im Schnitt rund 126 Euro pro Jahr. Diese Maßnahme habe dazu geführt, dass die Anzahl an Pkw in der Stadt im Laufe mehrerer Jahre um rund 2,6 Prozent gesunken sei. Zusätzlich habe es der Stadt erhebliche Einnahmen gebracht. Man habe in der Stadt eine Verlagerung vom Auto hin zu ÖPNV, Radfahren und Zu-Fuß-Gehen feststellen können, so die Studie. Dadurch seien pro Jahr mehr als 500 Tonnen CO2 eingespart worden.

Kostenlose Parkplätze für E-Autos

In Stuttgart gab es bis Ende 2022 kostenlose Parkplätze für Elektrofahrzeuge. Für die Studie haben die Forschenden des Fraunhofer Instituts daher den Zeitraum von 2018 bis 2022 analysiert. Das kostenlose Parken hat laut Studie eine positive Wirkung auf den Verkauf von E-Autos gehabt. In den untersuchten vier Jahren seien "schätzungsweise bis zu 15.460 rein elektrische Fahrzeuge" und rund 10.000 Plug-In-Hybride anstelle von Diesel- und Benzinautos gekauft worden. Dadurch seien in den untersuchten vier Jahren rund 63.000 Tonnen CO2 in der Stadt Stuttgart eingespart worden.

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Aus Sicht der Stadtverwaltung Stuttgart hatte das kostenlose Parken für Elektroautos positive Effekte: "Das Angebot war aus Sicht des Klimaschutzes erfolgreich und hat zu einer Zunahme an E-Fahrzeugen beigetragen", teilte die Stadt dem SWR auf Anfrage mit. Dennoch habe man es wieder abgeschafft. Autofahrer hätten sich zu oft nicht an die Höchstparkdauer gehalten. Außerdem hätten auch Plug-In-Hybridfahrzeuge dank E-Kennzeichen die Parkplätze genutzt, obwohl man eigentlich nur reine Batteriefahrzeuge habe fördern wollen.  

Klimaneutralität in BW: Ein weiter Weg

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die untersuchten lokalen Maßnahmen im Verkehrssektor einen positiven Klimaeffekt haben können. Durch Parkgebühren könnten darüber hinaus zusätzliche Einnahmen für Kommunen erzielt werden. Die aktuelle Studie ist der Endbericht eines Forschungsprojektes zur Untersuchung der Klimawirkung von verkehrlichen Maßnahmen in Baden-Württemberg.

Das Verkehrsministerium teilte auf Anfrage des SWR mit, dass man das Ziel habe, bis 2030 die Treibhausgasemissionen im Verkehr um 55 Prozent gegenüber 1990 zu verringern. Doch aktuell erreicht das Land laut eigenen Berechnungen diese Ziele nicht. Die CO2-Emissionen im Verkehr lagen demnach 2025 etwa auf dem gleichen Niveau wie 1990. Daher soll laut Ministerium der ÖPNV im Land ausgebaut werden: "Um die Verkehrswendeziele zu erreichen, sollten bis 2030 doppelt so viele Kilometer mit dem ÖPNV zurückgelegt werden wie 2010."

Zum kostenlosen Parken für E-Autos teilte das Ministerium mit: "Eine verpflichtende landesweite Regelung zum kostenlosen Parken für Elektrofahrzeuge befürworten wir nicht. Die Entscheidung sollte auf kommunaler Ebene getroffen werden."

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