Geplante Kürzungen bei der Energieforschung im Entwurf des nächsten Bundeshaushalts sorgen bei Forschungseinrichtungen im Land für Kritik. Für neue Projekte in der Energieforschung sollen im nächsten Bundeshaushalt deutlich weniger Mittel bereitstehen - bundesweit statt rund 575 nur noch 385 Millionen Euro. Ein Drittel weniger Geld für die kommenden drei Jahre, mit denen Forschungsinstitute sicher rechnen können, um mehrjährige Projekte zu starten und zu finanzieren.
Kürzungen könnten Arbeitsplätze kosten
"Das ist tatsächlich eine Katastrophe", so Andreas Bett, Leiter des Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE), zu den geplanten Kürzungen. Der Sparkurs könnte am ISE auch einen Wegfall von Arbeitsplätzen bedeuten. Für Bett kam die Nachricht von den Plänen der Bundesregierung kurz vor der Sommerpause und völlig überraschend.
Wir haben einfach weniger Möglichkeiten, Projekte zu akquirieren und damit neue Ideen umzusetzen. Diese Projekte würden einfach nicht genehmigt werden. Das heißt, man wird keine weitere Innovation vorantreiben können in den verschiedenen Themenfeldern der erneuerbaren Energien.
Er schätzt, dass 100 der 1.300 Mitarbeitenden am ISE ihren Job verlieren könnten. Treffen würde es zuerst junge Forschende mit befristeten Verträgen wie Ulrike Hatt. Sie sieht sich schweren Herzens schon jetzt nach einer neuen Aufgabe um. "Es ist ein absolut sinnvoller Beruf für mich. Ich würde sehr gerne bleiben und habe natürlich die große Hoffnung, dass das auch funktioniert. Aber auf der anderen Seite muss man auch ein bisschen realistisch sein. Ich habe ein Kind. Und da muss man, glaube ich, frühzeitig genug dann vielleicht doch irgendwann den Absprung schaffen."
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Forschung als Chance für deutsche und europäische Industrie
Strom aus Sonne zu gewinnen ist heute eine der günstigsten Arten, Strom zu erzeugen. Und es wird weiter geforscht: Wie können Solarzellen mit weniger Silber ressourcenschonend und kostengünstiger hergestellt werden? Wie lässt sich die Leistung von Modulen steigern? Am ISE entwickeln Forschende konkrete Technologien für die Klimawende.
Wir tun das vor allen Dingen, um eine neue Chance für die deutsche, europäische Industrie bereitzustellen, damit man im Wettbewerb mit China wieder die Füße auf den Boden bekommt.
Die geplanten Einschnitte gefährdeten die Kontinuität der Energieforschung. Sie ist die zentrale Voraussetzung für das Gelingen der Energiewende sowie für die technologische Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands, kritisiert Bett auch als stellvertretender Sprecher des bundesweiten Forschungsverbunds Erneuerbare Energien (FVEEE) die vorgesehenen Kürzungen. Er ist überzeugt, dass hier an der falschen Stelle gespart werden würde.
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Photovoltaik-Forschung seit über 30 Jahren
"Beispielsweise forschen wir seit über 30 Jahren an der Photovoltaik. Die Photovoltaik ist heute kostengünstigste Energie. Wenn wir nicht die langfristige Forschung hätten, könnten wir heute dem Klimawandel gar nicht begegnen", so Bett.
Das CDU-geführte Bundesministerium für Wirtschaft und Energie begründet die Kürzungen auf SWR-Anfrage mit Sparzwängen: "Die Aufstellung des Haushalts 2027 stand unter der besonderen Herausforderung, den Haushalt und die Finanzplanung des Bundes zu konsolidieren. Die Kontinuität des Energieforschungsprogramms wird dabei nicht in Frage gestellt. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie wird die angewandte Energieforschung [...] ausreichend fördern."
Forderung: Bundestag soll Kürzungen zurücknehmen
Doch Andreas Bett bezweifelt, dass das mit deutlich weniger Geld möglich ist. Er finde grundsätzlich in Ordnung, immer wieder zu prüfen, an welchen Stellen man effizienter arbeiten kann. Aber wenn ein Drittel der Förderung plötzlich nicht mehr zur Verfügung steht, "das ist nicht mehr steuerbar und nicht mehr handhabbar", mahnt der ISE-Leiter.
Er fordert, dass die im Entwurf des Bundeshaushalts vorgesehenen Kürzungen zurückgenommen werden - auch um international nicht abgehängt zu werden und wettbewerbsfähig zu bleiben. Der Bundestag entscheidet im November endgültig über den Haushalt.