Mittagszeit im Pfarrhaus in Moosbronn (Kreis Rastatt): Elisabeth Ruck, schulterlange graue Haare, Jeanshose, wirbelt zwischen Backofen und Herd umher. Es gibt Spinat mit Lachs und Reis, dazu eine Karotten-Ingwer-Suppe. Auf leisen Sohlen kommt ihr Chef und Mitbewohner in die Küche, Pfarrer Friedbert Böser. "Ich bin immer bereit zum Essen", freut sich der 1,90-Mann beim Blick in die Töpfe. "Der Pfarrer ist beim Essen unkompliziert, der isst fast alles gern. Nur Zucchini mag er nicht", erzählt Ruck. Als Pfarrhaushälterin ist sie unter anderem fürs Kochen zuständig. Dass der Pfarrer selbst am Herd steht, kommt eher selten vor, er könne nicht kochen. Einen Kochkurs nur für Männer habe er mal besucht, sagt der 67-Jährige: "Der erste Kurs hat geheißen, 'Männer lernen kochen' und der letzte Abend hieß dann, 'Männer können kochen', hat aber nicht gestimmt, ehrlich. Kochen ist was anderes."
Für den Haushalt - also Waschen, Bügeln, Putzen oder die Bewirtung von Gästen, aber auch für kleinere Aufgaben rund um das Pfarrhaus, wie zum Beispiel mal das Aufschließen der Kirche, hat er Elisabeth Ruck an seiner Seite. Seit fast 30 Jahren. "Ein absoluter Glücksfall. Im Loriot'schen Sinne: Ein Leben ohne Haushälterin ist möglich, aber sinnlos", resümiert Pfarrer Böser lachend.
Wir sind Freunde. Wir teilen das Leben, wir teilen auch oft Arbeit. Wir sind eine Wohngemeinschaft, Lebensgemeinschaft. So von allem ein bisschen.
Elisabeth Ruck ist Pfarrhaushälterin in Teilzeit. 22 Stunden pro Woche ist sie bei Böser angestellt. Ein Dienstverhältnis auf Augenhöhe, sagt sie: "Er ist mein Chef. Natürlich ist es am Ende ein Arbeitsverhältnis. Und am Ende hat jeder auch immer die Möglichkeit zu sagen, ich weiß nicht, ob das mit uns zwei so weitergeht."
Die Frau an der Seite des Priesters: Zwischen Geistlichem und Getuschel
Kennengelernt haben sich Pfarrer Böser und Elisabeth Ruck 1998 in Pforzheim. Sie war damals Anfang 30 und arbeitete als Sozialarbeiterin in einem Kindergarten, er frisch gebackener Kaplan, um die 40. Für ihn stand früh fest: Allein im Pfarrhaus wollte er nicht leben. Also bot er Ruck eine Stelle als Haushälterin an – auch wenn ihm dieser Schritt nicht leicht fiel, angesichts der besonderen Konstellation zwischen Zölibat und gemeinschaftlichem Alltag: "So ein komisches Lebensmodell kann ich niemandem anbieten. Auf der einen Seite, dass wir im Grunde eine familiäre Gemeinschaft haben. Auf der anderen Seite natürlich diese Geschichte mit dem Zölibat sehr hoch gehalten wird", erinnert sich Böser. Aber Elisabeth Ruck ließ sich von diesem "komischen Lebensmodell" nicht abschrecken.
An der ersten Stelle stand Ruck damals unter besonderer Beobachtung: "Dann kommt da so eine mit Jeans, Turnschuhen, geht Joggen. Ich war einfach ein anderes Gesicht, ein anderer Typ. Und natürlich haben die Leute das beäugt. Sie haben's mir nicht ständig gesagt, aber natürlich war mir klar, dass das irgendwie auch beäugt wird." Nicht jeder Klatsch und Tratsch dringt zu ihr durch, doch ein paar Sätze blieben haften: "Wer weiß, was aus den beiden noch wird, hieß es am Anfang. Oder: 'Ich sag's ihr mal, dann sagt sie's dem Pfarrer'."
Ich bin aber weder die Botin des Pfarrers noch dessen heimliche Frau.
Mit der Zeit hat sich Elisabeth Ruck ein dickes Fell zugelegt. "Ich habe auch die Fähigkeit wegzuhören." Neben dem Gerede erlebt Elisabeth Ruck aber auch viele positive Momente. Zum Beispiel das Ankommen in Moosbronn vor rund sieben Jahren. Da wurde sie von der Gemeinde nicht nur als Anhängsel des Priesters wahrgenommen, sondern ganz selbstverständlich empfangen worden. Besonders in Erinnerung geblieben: ein Geschenk der Gemeindemitglieder zum Einzug ins frisch sanierte Pfarrhaus: "Sie haben in einen Kuchen einen Schlüssel reingemacht. Und dann haben sie uns den auch gemeinsam überreicht", erinnert sich Ruck. "Also das war auch so eine Freude, dass da noch jemand mitkommt. Es war wirklich nett."
Pfarrhaushälterin und Priester unter einem Dach: Ein Auslaufmodell?
Priester und Haushälterin in einem Pfarrhaus - dieses Lebensmodell stirbt allmählich aus. Es gibt immer weniger Priester und damit auch weniger potenzielle Arbeitgeber. Gleichzeitig sinkt die Zahl der Vollzeit-Pfarrhaushälterinnen. Viele arbeiten heute in Teilzeit, von "Zugehfrauen" ist dann die Rede: Sie kommen für ein paar Stunden in der Woche und gehen dann wieder.
Übrigens: Auch Männer arbeiten in diesem Beruf - im Erzbistum Freiburg sind es aktuell zwei.
2025 hat sich der Bundesverband der Pfarrhaushälterinnen aufgelöst. Ein kleineres, regionales Netzwerk besteht jedoch weiter: die Berufsgemeinschaft der Pfarrhaushälterinnen in Freiburg. Zweimal im Jahr trifft sich dort das Leitungsteam - zum Austausch, für rechtliche Fragen und um gemeinsame Aktivitäten wie Ausflüge zu organisieren.
Priester allein Zuhause - Unterstützung haben sie trotzdem
Besuch bei Bernd Gehrke in der Freiburger Herrenstraße. Er ist Domkapitular, also der Sekretär des Erzbischofs. Er lebt in einem Haus mit elf Zimmern - allein. Das Dachgeschoss, in dem früher eine Pfarrhaushälterin wohnte, nutzt er heute als Kleiderkammer und Gästezimmer. "Es ist manchmal still und natürlich, ich bin oft allein, aber sehe mich da eigentlich sehr gut drauf vorbereitet", erzählt Gehrke. Der 45-Jährige erinnert sich zurück an seine Ausbildung im Priesterseminar: "Es war ganz klar, jeder hat sozusagen sein Zimmer und damit sein Refugium und jeder lebt von sich aus auf die Gemeinschaft zu und nicht umgekehrt." Priester seien ganz bewusst auf sich allein gestellt, und das sollte sich auch in der Lebensform widerspiegeln, meint er.
Nur jemand zu haben, der mich bewahrt, rettet oder schützt vor solchen Momenten des Alleinseins, der Einsamkeit, da wird man der eigenen Berufung nicht gerecht, aber auch diesem Gegenüber nicht gerecht.
Gehrke hat sich ein paar Alltagshelfer zugelegt - unter anderem einen Thermomix ("ein treuer Begleiter"), einen Akkustaubsauger ("ein großer Segen") und einen Airfryer ("man muss mit der Zeit gehen"). Die Hausarbeit, zum Beispiel einen Wäscheberg wegzubügeln, würde ihn erden: "Es erzeugt natürlich auch ein Stück weit eine Nahbarkeit. Also nicht per se, dass man sagen kann, wir Pfarrer sind die Abgehobenen oder Abgesonderten, aber es kann manchmal vielleicht auch heute noch so wirken." Außerdem entstünden auch viele Predigtgedanken beim Saugen oder am Bügelbrett.
Leben im Pfarrhaus in Moosbronn: Wenn Privates und Dienstliches verschmilzt
Zurück in Moosbronn: Elisabeth Ruck kramt einen Brief mit Reiseunterlagen hervor: Vom Nordschwarzwald geht es bald an die Nordsee. Die Pfarrhaushälterin fährt aber nicht allein, Pfarrer Friedbert Böser ist auch mit an Bord - und eine gemeinsame Freundin. "Die Elisabeth und Bettina, der Hund und ich, in dieser Reihenfolge, [...] irgendjemand muss ja den schweren Koffer tragen, da werde ich auch mal gebraucht", ergänzt Pfarrer Böser mit einem Lachen.
Gemeinsam verreisen, gemeinsam den Alltag im Pfarrhaus teilen, gemeinsame Familienfeste feiern - ihr Leben ist eng miteinander verbunden. Und wohin die Reise auch als nächstes geht, für beide ist klar: "Ich hoffe, dass wir zusammen alt werden können. Das ist meine Hoffnung", sagt Böser. Und Elisabeth Ruck entgegnet: "Jetzt kennen wir uns schon so lange, jetzt werden wir wahrscheinlich auch versuchen, miteinander alt zu werden, wenn nicht irgendwas schief geht."