Am 22. Juli hat bei den 80. Bregenzer Festspielen die Oper "La traviata" von Giuseppe Verdi Premiere. Knapp sechs Monate zuvor lüfteten die Festspiele jetzt das Geheimnis um das Bühnenbild. Es wird ein gigantischer zerbrochener Spiegel, 700 Quadratmeter groß, zusammengesetzt aus 86 großen und kleinen Einzelteilen.
"La traviata" zum ersten Mal bei den Bregenzer Festspielen
In den 80 Jahren der Bregenzer Festspiele ist "La traviata" zum ersten Mal zu sehen. Der italienische Regisseur Damiano Michieletto will die 1853 uraufgeführte Oper um die tuberkulosekranke Pariser Kurtisane Violetta in die glamouröse Great-Gatsby-Zeit der 1920er-Jahre verlegen, so die Festspiele. Dazu passe der Riesenspiegel, eine Idee des italienischen Bühnenbildners Paolo Fantin.
Der zerbrochene Spiegel ist eine Metapher für das innere Leben von Violetta. Die harte, oberflächliche Pariser Gesellschaft, wo Schönheit die Devise ist. Wir bekommen eine schöne, spektakuläre, fantastische Bühne, die sehr vielseitig sein kann.
Zerbrochener Riesenspiegel auf der Seebühne wird 25 Meter hoch
Seit Herbst laufen die Arbeiten auf der Seebühne und in der neuen Montagehalle. Jetzt, im Februar, hüllt der Winternebel den Bodensee hinter der Seebühne ein. Über der Bühne ragt eine Konstruktion empor. Sie sieht aus wie ein gigantisches Spinnennetz - aus schwarzen Stahlträgern. Oben, in 25 Metern Höhe, verlegt gerade ein angeseilter Arbeiter Kabel, an der Seite werden Bretter für eine Plattform zugeschnitten.
Die Planungen, wie die Ideen von Regisseur und Bühnenbildner Wirklichkeit werden können, hatten vor drei Jahren begonnen. Allein für den 700 Quadratmeter großen Spiegel habe es Dutzende sogenannter Bauproben gegeben, sagt Ausstattungsleiterin Susanna Boehm. Das sind Tests mit verschiedenen Materialien. Und das aus gutem Grund.
Ein wirklicher Spiegel blendet schon allein vom Sonnenlicht, geschweige denn mit Scheinwerferlicht. Auch Glas, Metall, egal wie stark man es ein bisschen auf blinden Spiegel hin gemacht hätte, funktioniert nicht. Und jetzt ist es so: Hier ist Holz dahinter und darüber ist dann ein Netzstoff gespannt.
Jedes Bühnenbild der Bregenzer Festspiele kostet Millionen
In den kommenden Wochen wird der Riesenspiegel aus großen und kleinen Splittern zusammengesetzt und auf die Konstruktion aus schwarzen Stahlträgern montiert. Beteiligt am Bau des Bühnenbilds sind fast 30 Handwerksbetriebe aus der Bodenseeregion. Jedes Bühnenbild kostet die Bregenzer Festspiele etwa acht Millionen Euro.
Erwartet werden zu den Festspielen im Juli und August rund 220.000 Menschen. Etwa 80 Prozent der Karten für "La traviata" auf der Seebühne sind den Festspielen zufolge bereits gebucht.