Antriebssparte "Division E" wird nicht verkauft

Einigung bei ZF Friedrichshafen: Kein zusätzlicher Stellenabbau

Der Autozulieferer ZF Friedrichshafen will seine Antriebssparte "Division E" nicht verkaufen. Auch soll es keinen zusätzlichen Stellenabbau geben. Sparen muss ZF trotzdem.

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Von Autor/in Martin Hattenberger

Management und Beschäftigte von ZF Friedrichshafen haben sich auf umfassende Sparmaßnahmen geeinigt. Das teilten Vertreter der Geschäftsführung und des Gesamtbetriebsrates am Mittwoch mit. Nach wochenlangen Verhandlungen habe man beschlossen, die Antriebssparte "Division Elektrifizierte Antriebstechnologien" nicht auszugliedern, sondern aus eigener Kraft zu sanieren. Dafür müssen die Beschäftigten aber Opfer bringen. Bis 2027 will ZF Kosten in Höhe von 500 Millionen Euro einsparen.

Stellenabbau bei "Division E"

So wird bei der "Division E" ein Stellenabbau von 7.600 Arbeitsplätzen erwartet. Ein Sprecher von ZF betonte, dass dies kein zusätzlicher Stellenabbau sei zu den bereits angekündigten 14.000 Stellen, die in den nächsten Jahren wegfallen sollen. Betriebsbedingte Kündigungen sollen vermieden werden. Die "Division E" entwickelt und produziert elektrische und hybride Antriebe sowie Verbrenner.

Weniger Arbeitszeit und keine Lohnerhöhung für ZF-Beschäftigte

Eine Lohnerhöhung, die für April nächsten Jahres vorgesehen war, soll auf Oktober 2026 verschoben werden. Außerdem wird für Teile der Belegschaft die wöchentliche Arbeitszeit bis Ende 2027 um in der Regel sieben Prozent reduziert.

Davon betroffen sind laut Unternehmen die Beschäftigten der "Division E" in Deutschland sowie die Standorte Schweinfurt und Friedrichshafen im Betrieb Z (Verwaltung, Forschung und Entwicklung). Für die Mitarbeitenden bedeutet das weniger Gehalt.

Bündnis von Arbeitnehmern und ZF

Die Einigung mit Betriebsrat und Gewerkschaft bezeichnete das Unternehmen als wegweisendes Bündnis. Der neue ZF-Vorstandschef Mathias Miedreich, der am Mittwoch sein Amt antrat, sagte, damit beschreite man in der Industrie neue Wege und erreiche einen Meilenstein für ZF.

Uns ist bewusst, dass der Weg dorthin mit harten Einschnitten für unsere Mitarbeitenden einhergeht.

Die stellvertretende Aufsichtsratvorsitzende und IG Metall BW Bezirksleiterin, Barbara Resch, betonte, mit dem Bündnis sei es gelungen, eine klare Perspektive zu schaffen. "Als Arbeitnehmerseite haben wir Zugeständnisse gemacht, das stimmt. Dafür erwarten wir jetzt, dass ZF als Beschäftigungsmotor und Garant für gute Arbeitsbedingungen zukunftsfest aufgestellt wird."

Der Friedrichshafener Oberbürgermeister Simon Blümcke (parteilos) äußerte sich positiv über die Einigung: "Das Bündnis zur Restrukturierung der "Division E" zielt klar in Richtung Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigungssicherung und ist damit ein gutes Zeichen für die Stadt und den Wirtschaftsstandort.“

Chef der Antriebssparte von ZF übernimmt Vorstandsvorsitz

Mathias Miedreich löst Holger Klein ab. Zuletzt war Miedreich als Chef der Antriebssparte im Vorstand. Nun will er den Gesamtkonzern wieder auf die Erfolgsspur bringen. Das gelinge nur, wenn ZF es schaffe, die Herausforderungen der Industrie zu meistern und die Beschäftigten wieder stolz zu machen auf die Industrie-Ikone ZF, so Miedreich am Dienstag, einen Tag vor seinem Amtsantritt.

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ZF will insgesamt 14.000 Stellen streichen

Miedreich übernimmt den Automobilzulieferer in einer schwierigen Lage. Im ersten Halbjahr hat ZF einen Verlust von 195 Millionen Euro eingefahren. Daher stehen die Zeiten derzeit auf Sparkurs. Bis Ende 2028 will ZF 14.000 Stellen streichen. 5.700 davon sind seit Anfang 2024 schon weggefallen.

Neben bisherigen Angeboten wie Altersteilzeit starte ein Abfindungsprogramm, ergänzt durch Qualifizierungs- und Transfermaßnahmen. "ZF unterstützt Beschäftigte der betroffenen Bereiche bei ihrer beruflichen Neuorientierung", so das Unternehmen.

Autoindustrie in der Krise

Vergangene Woche erst hatte der Branchenprimus Bosch den Abbau von weiteren 13.000 Stellen angekündigt. Wie die anderen großen Zulieferer leidet ZF unter dem schleppenden Verkauf von Elektroautos, schwacher Nachfrage insgesamt und der Unsicherheit durch die höheren US-Importzölle. Der Stiftungskonzern ist außerdem nach großen Übernahmen hoch verschuldet.

Die gesamte Autoindustrie baut schon länger Personal ab. Nach Angaben des Verbandes der Automobilindustrie verlor die Branche in Deutschland seit 2023 knapp 55.000 Arbeitsplätze. Die Beschäftigung sank damit um sieben Prozent auf 718.200 Mitarbeitende. Bei den Zulieferern war der Rückgang mit 11,5 Prozent auf 236.700 Beschäftigte besonders stark.

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Martin Hattenberger
SWR-Redakteur Martin Hattenberger Autor Bild

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