Krise in der Autoindustrie

Sparkurs bei Porsche: Kippt die Jobgarantie des Sportwagenbauers?

Der Sportwagenbauer Porsche steht unter Druck. Jetzt verhandeln Management und Arbeitnehmer über weitere Einschnitte. Dabei steht wohl auch die Jobgarantie zur Debatte.

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Stand

Porsche und der Betriebsrat haben erste Gespräche über eine Verschärfung des Sparkurses bei den Schwaben geführt. Bereits Anfang des Jahres seien von beiden Seiten Sofortmaßnahmen beschlossen worden, um Personalkosten für das laufende Jahr zu senken, teilte eine Unternehmenssprecherin mit. Damals sei schon angekündigt worden, Gespräche über ein Zukunftspaket aufzunehmen. "Mit diesem soll Porsche mittel- und langfristig noch effizienter aufgestellt werden", hieß es. In den Gesprächen gehe es um unterschiedlichste Ansätze und das klare Ziel, Porsche zukunftsfest zu machen.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur (dpa) dürfte neben weiteren Stellenstreichungen auch die Beschäftigungssicherung zur Debatte stehen. Sie gilt bis Ende Juli 2030. Der Betriebsrat würde sie gerne verlängern. Im Management soll es allerdings Überlegungen geben, sie auslaufen zu lassen. Zum Inhalt der Gespräche und zum Zeitplan gab es keine offiziellen Informationen. Die Porsche-Sprecherin sagte lediglich: "Die Gespräche führen wir respektvoll, auf Augenhöhe und vertraulich. Das Ergebnis kommunizieren wir zu gegebener Zeit."

Betriebsbedingte Kündigungen wären wieder möglich

Die Beschäftigungssicherung gilt nach früheren Angaben für ungefähr 23.000 Mitarbeiter im Stammwerk in Stuttgart-Zuffenhausen, im Entwicklungszentrum in Weissach (Kreis Böblingen) sowie an mehreren kleineren Standorten. Liefe die Maßnahme danach aus, wären bei den Schwaben wieder betriebsbedingte Kündigungen möglich. Für das Werk in Leipzig gälte das nicht, dort wird stets gesondert verhandelt.

Vereinbarungen zur Beschäftigungssicherung gelten meist mehrere Jahre lang und schließen betriebsbedingte Kündigungen aus. Sie sind in der deutschen Automobilindustrie seit Jahrzehnten üblich. Bei Porsche war die Regelung zuletzt 2020 verlängert worden. Im Frühjahr hatte der Autobauer bereits den sozialverträglichen Abbau von 1.900 Jobs bis 2029 in der Region Stuttgart angekündigt. Außerdem sollten befristete Stellen nicht verlängert werden.

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Absatzminus in China, Lage in den USA und E-Mobilität

Das Unternehmen, das mehrheitlich zum VW-Konzern gehört, ist bereits länger in schwerem Fahrwasser. Porsche-Chef Oliver Blume führte das vor allem auf eine "Krise der Rahmenbedingungen" zurück. In China sei das Marktsegment für teure Luxusprodukte in kurzer Zeit förmlich zusammengebrochen. Hinzu kämen die Lage in den USA und der schleppende Wandel zur E-Mobilität.

Die Probleme des Autobauers schlugen sich in den jüngsten Verkaufszahlen nieder. Vor allem das deutlich schwächelnde China-Geschäft sorgte für ein Minus. In den ersten neun Monaten des Jahres wurden gut 212.500 Fahrzeuge verkauft - rund sechs Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

Spekulationen über Abgang von Porsche-Chef Oliver Blume

Angesichts der milliardenschweren Belastungen durch den Strategieschwenk, wieder verstärkt Verbrenner zu bauen, geht die Porsche-Führung in diesem Jahr von deutlich weniger Gewinn aus. Die Kosten für den Unternehmensumbau summieren sich auf 3,1 Milliarden Euro, wie Porsche Mitte September mitteilte. In diesem Jahr wurden bereits mehrere Vorstandsposten neu besetzt - auch über einen möglichen Abgang von Porsche-Chef Oliver Blume wird spekuliert.

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SWR

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