Seit April gelten in Teilen der Heidelberger Altstadt strengere Sperrzeiten. Die Kneipen müssen am Wochenende um 1 Uhr nachts schließen. Diesen Samstag aber greift eine Ausnahmeregelung der Stadt, die es den Wirten erlaubt, bis 3 Uhr morgens zu öffnen. Zur zweiten und letzten Schlossbeleuchtung in diesem Jahr werden wieder zahlreiche Besucherinnen und Besucher erwartet. Bei der ersten Ausgabe im Juli kamen laut Heidelberg Marketing mehr als 100.000 Menschen.
Kneipen in der Unteren Straße öffnen ausnahmsweise bis 3 Uhr
Am Samstagabend, gegen 22 Uhr, taucht ein bengalisches Feuer die berühmte Schlossruine in Rot, danach gibt es ein Feuerwerk über dem Neckar. Wer nach der Schlossbeleuchtung noch feiern will, kann das in der Unteren Straße tun. Die Kneipen haben in der Nacht länger als gewöhnlich geöffnet - zum dritten Mal in diesem Sommer.
Sperrzeit beginnt normalerweise um 1 Uhr
Möglich macht das eine Allgemeinverfügung der Stadt, die am 10. Juli in Kraft getreten ist. Diese sieht vor, dass an zehn festgelegten Tagen im Jahr längere Öffnungszeiten möglich sind. Nach der neuen Sperrzeitenverordnung müssen die Kneipen am Wochenende normalerweise schon um 1 Uhr schließen, unter der Woche um 0 Uhr. Das hatte der Verwaltungsgerichtshof in Mannheim nach jahrelangen juristischen Auseinandersetzungen zum Schutz der Anwohner entschieden. Mit der Allgemeinverfügung wolle die Stadt den Gastronomen "entgegenkommen", um die wirtschaftlichen Auswirkungen der Sperrzeiten zumindest "teilweise abzufedern", heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme.
Wirte klagen über Umsatz-Einbußen
Viele Altstadt-Wirte haben infolge der strikten Sperrzeiten mit Umsatzeinbußen zu kämpfen. Michael Market, Betreiber der Heidelberger Kult-Kneipe "Sonderbar", nannte im Gespräch mit dem SWR Zahlen.
Der Umsatz in meiner Kneipe ist um rund 30 Prozent gesunken. Ohne unsere treuen Stammkunden müsste ich den Laden dichtmachen.
Doch einigen Altstadt-Bewohnern gehen die Lockerungen zu weit. Nach Informationen aus dem Rathaus haben 30 Bürgerinnen und Bürger Widerspruch gegen die Allgemeinverfügung der Stadt eingereicht. Diese gelte es nun zu prüfen. Bei der Kommune stößt die Kritik auf Unverständnis. Schließlich habe man Tage ausgewählt, an denen es ohnehin zu "erhöhtem Besucheraufkommen" komme, so die Stadt, etwa bei der Veranstaltung "Heidelberger Herbst", zu Semesterbeginn und an Halloween.
Altstadt-Wirte kommen Anwohnern entgegen
Laut Stadt haben die Wirte Kompromissbereitschaft signalisiert. Um den Anwohnern entgegen zu kommen, wollen sie auf zwei Ausnahmetage bis zum Jahresende zu verzichten. 2027 aber besteht die Stadt auf zehn Ausnahmen. Die genauen Termine sollen im Dezember bekannt gegeben werden.