Proteste im Iran

Mannheimer Deutsch-Iranerin: "Die Hoffnung ist größer als die Angst"

"Diesmal ist es anders, alle haben Hoffnung", sagt Raha Rezaei zu den Protesten in ihrer Heimat. Die 45-jährige Mannheimerin kam als junge Frau aus dem Iran nach Deutschland.

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Stand

Von Autor/in Susanne Beßler

In diesen Tagen kann die Mannheimerin Raha Rezaei nur schwer das Handy aus der Hand legen. Die Deutsch--Iranerin schaut ständig in den sozialen Medien, ob Nachrichten aus ihrer Heimat kommen, verfolgt die Meldungen der internationalen Presse. Die Proteste im Iran halten an, doch die Infos von dort sind dürftig, weil das Internet im Land abgeschaltet wurde. Raha Rezaei hat deshalb fast keinen Kontakt zu ihren Verwandten dort und macht sich Sorgen. Aber sie hat auch große Hoffnung.

Raha Rezaei stammt aus dem Iran und lebt in Mannheim.
Raha Rezaei stammt aus dem Iran und lebt in Mannheim.

Die Menschen im Iran haben nichts mehr zu verlieren. Deshalb haben sie keine Angst mehr auf die Straße zu gehen. Jetzt wird sich etwas ändern.

Die Naturwissenschaftlerin kam vor 25 Jahren mit einem Studenten-Visum nach Deutschland. Heute arbeitet sie für ein internationales Unternehmen. Ihr Mann ist Deutscher. Er und ihre beiden Kinder unterstützen sie sehr in diesen aufregenden Tagen. Mit ihrem Mann war sie am vergangenen Wochenende auf einer Demo in Frankfurt, wo Menschen aus dem Iran auf die Straße gingen, um auf die Proteste in ihrer Heimat aufmerksam zu machen. Nur langsam formiere sich hier in Deutschland eine Bewegung in der iranischen Community, sagt sie. Doch es sei wichtig, dass man auch in Deutschland nun die Menschen im Iran nicht vergessen würde. Inzwischen gibt es auch Demonstrationen in Baden-Württemberg.

Demonstranten mit Flaggen in Ulm
In Ulm gingen aufgrund der aktuellen Proteste im Iran auch schon Demonstranten für den Regime-Wechsel auf die Straße.

Hoffnung auf US-Präsident Trump und auf Prinz Reza Pahlavi

Erleichtert ist Raha Rezaei, dass aufgrund des internationalen Drucks, insbesondere von US-Präsident Donald Trump, die angekündigten Hinrichtungen von verhafteten Protestierenden ausgesetzt wurden. Für sie bedeutet das, dass die internationale Gemeinschaft Anteil am Schicksal der Iranerinnen und Iraner nimmt. Ihre Hoffnungen liegen nun auf Donald Trump, der ihrer Meinung nach der einzige sei, der das Mullah-Regime wirksam unter Druck setzen könne.

Außerdem hofft sie auf Kronprinz Reza Pahlavi, den Sohn des Schahs, der 1979 vom Mullah Regime gestürzt wurde und mit seiner Familie ins Exil ging. "Ich sehe die damalige Regierung des Schahs natürlich nicht nur positiv. Doch Tatsache ist, dass es den Menschen im Iran damals besser ging, als es ihnen heute geht oder in den letzten Jahrzehnten ging." Reza Pahlavi, der Sohn des Schahs und Kronprinz im Exil, hat sich bereits angeboten, bei der Formierung einer Übergangsregierung zu helfen, sollte es tatsächlich einen Regime-Change geben.

Reza Pahlavi ist der einzige, dem die Iraner glauben, dass er nichts mit den Mullahs zu tun hat.

Spärliche Infos von der Familie

Raha Rezaei hat Onkel, Tanten, Cousinen und Freunde im Iran. Gelegentlich bekommt sie Nachrichten von ihnen über einen Starlink-Account, den sie dort für eine Kontaktperson finanziert. Denn nach wie vor sind das Internet und die sozialen Medien im Iran abgeschaltet. Auch die Starlink Verbindung wird durch das Regime ständig gestört. Außerdem ist es für ihre Freunde und Verwandten nicht ganz ungefährlich darüber Informationen zu senden.

Die Eltern von Raha Rezaei leben auch in Deutschland. Mit ihnen spricht sie jetzt täglich. Auch sie haben große Hoffnung, dass ihre Heimat Iran vielleicht bald ein freies Land sein könnte. Im Internet hat sich die Mannheimerin jetzt eine persische Flagge bestellt, die mit dem Löwen, um hier in Mannheim Sichtbarkeit für die Situation in ihrem Heimatland zu erzeugen.

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Susanne Beßler
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