Auch wenn die CDU stark dasteht, Manuel Hagel arbeitet daran, seine persönlichen Umfragewerte zu steigern. Da war der Wahlkampfauftakt am Freitagabend mit Markus Söder (CSU) in Nagold (Kreis Calw) Chance und Risiko zugleich: Färben Glanz und Beliebtheit des bayerischen Ministerpräsidenten auf Hagel ab? Oder sieht der 37-jährige Ehinger am Ende blass aus neben dem Medienprofi aus München?
Beim Auftakt der neuen Reihe "Bühne frei", in der Hagel bis zur Landtagswahl verschiedene Personen trifft, verrät Söder auch, in welcher Rolle er sich im baden-württembergischen Wahlkampf sieht. Aber der Reihe nach.
Söder dominiert die Bühne
Schon beim Einzug der Protagonisten wird klar, dass der Gast aus Bayern viele Menschen angelockt hat. Zu lauten Electro-Beats arbeiten sich Hagel und Söder durch die rund 1.200 Menschen in der Nagolder Stadthalle nach vorne zur Bühne.
Den ersten Lacher des Abends hat Manuel Hagel auf seiner Seite, als er Söder fragt: "Wo kommst du gerade her und was gab's zum Essen?" Schließlich ist der Ministerpräsident bekannt dafür, unter dem Hashtag "Söder isst" häufig Bilder von seinem Essen auf Instagram zu posten. Die Antwort: Blutwurst. Womit Söder und Hagel beim ersten Thema wären. Der Bayer höre immer wieder, er solle vegan essen, "Salatblätter kauen". Sein Problem sei aber: Er habe Hunger und möge Hausmannskost. Ein Leben ohne Würste sei möglich, aber sinnlos. Jeder Satz ein Lacher.
"Aber du isst ja nicht viel, oder?", meint Söder dann zum schmaleren Hagel. "Doch, aber bei mir gibt's nicht nur ‚Hagel isst‘ sondern auch ‚Hagel joggt‘", entgegnet der Spitzenkandidat begleitet von Gelächter. Aber das letzte Wort hat der Gast aus Bayern: "In deinem Alter bin ich auch noch sinnlos durch die Gegend gerannt." Söder setzt immer noch einen drauf.
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Wirtschaftsförderung und Landesuniversität
Zwanzig Minuten lang ist der Abend mehr Comedy als politisches Gespräch. Dann kommen aber auch die Inhalte, mit denen Manuel Hagel im März die Landtagswahl gewinnen will. Dass eine Putzfrau, die fast 50 Jahre gearbeitet habe, nur rund 1.400 Euro Rente bekomme, ein ukrainischer Flüchtling aber leistungslos 1.100 Euro - das sei ungerecht und müsse sich ändern, so Hagel.
Wirtschaftlich punkten will Hagel mit Unternehmensförderungen, besonders in den Bereichen Raumfahrt, KI und Innovation. Deutschland müsse Schritt halten mit Wettbewerbern aus China oder den USA. "Ich habe keine Lust, dass meine Kinder Chinesisch lernen müssen, damit sie noch KI programmieren können," so Hagel. Er will deswegen in Baden-Württemberg eine neue Landesuniversität gründen mit dem Schwerpunkt Künstliche Intelligenz und Digitalisierung.
Klare Kante zur AfD
Es dauert knapp eine Stunde, bis die AfD Erwähnung findet. Sie sei die größte demokratische Herausforderung für die Union, sagt Söder. Mit den Politikern der AfD geht Hagel maximal hart ins Gericht: "Wer für China spioniert und sich von Russland bezahlen lässt, ist kein deutscher Patriot, sondern ein Verräter an deutschen Interessen." Am Tag nach der Söder-Hagel-Show erneuert die CDU BW ihren Beschluss zur Unvereinbarkeit mit der AfD.
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Wie steht es um die Brandmauer - vier Monate vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg? Die Landes-CDU hat eine Zusammenarbeit mit der AfD nun erneut ausgeschlossen.
Rund 230 CDU-Politikerinnen und Politiker stimmen bei einer Mandatsträgerkonferenz in Stuttgart einstimmig für ein Papier, mit dem sich die Christdemokraten mit Blick auf die Landtagswahl von der AfD abgrenzen. Für die CDU arbeitet die AfD gezielt daran, das Land und die Menschen zu spalten. Sie mache den Menschen Angst, beschwöre Chaos und sähe Hass, Neid und Missgunst. Deshalb sei die AfD mit der CDU unvereinbar, heißt es in dem verabschiedeten Papier.
Brücken statt Brandmauer zu AfD-Wählern
Was die Wähler der AfD angeht, will Hagel aber nichts von einer Brandmauer wissen. Zu denen brauche es eine "goldene Brücke", so der Kandidat am Freitag in Nagold. Und wie die inhaltlich aussehen könnte, malt Hagel beim Thema Migration aus. Der Kurs von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) sei absolut richtig.
Zuletzt gab es CDU-intern Diskussionen über Aussagen von Bundesaußenminister Johann Wadephul, der in den Trümmern der syrischen Stadt Damaskus bezweifelte, dass dort derzeit menschenwürdiges Leben möglich sei. In Nagold äußert Manuel Hagel Verständnis dafür, dass die Bilder vor Ort den Außenminister nicht unberührt ließen. "Der Christ in mir sieht auch die Not und will helfen," so Hagel - und weiter: "Aber der Konservative in mir sieht und weiß, dass die Mittel begrenzt sind." Im Kontext der Stadtbild-Debatte will Hagel in Deutschland den "Zustand von vor 2015" wieder herstellen.
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Haustürwahlkampf als Erfolgsrezept?
Außerdem will die CDU die Anhänger der AfD mit Haustürwahlkampf erreichen, im persönlichen Gespräch überzeugen. "Wir gehen dorthin, wo die AfD den Menschen einredet, sie werden nicht mehr gesehen, sie haben keine Bedeutung mehr. Wir werben und wir ringen um jeden einzelnen Menschen in Baden-Württemberg," sagt Manuel Hagel. Der Weg zum Wahlsieg führt nach den Plänen der CDU also einerseits über das direkte Gespräch mit den Wählern - und andererseits über unterhaltsame Bühnenformate wie "Bühne frei" in Nagold.
"Söder hilft" statt "Söder isst"?
Rund 75 Minuten dauert das teils sehr launige Gespräch zwischen dem Ministerpräsidenten und dem Kandidaten. Beide präsentieren dabei Witz und politische Entschlossenheit, was im Publikum viel Anklang findet. Beim Plausch über Essen und Sport verrät Söder zudem, dass er viel schwimme - und Hagel? "Ich hab Seepferdchen". Väterlich schmunzelnd entgegnet Söder: "Ich hab den Rettungsschwimmer. Deswegen bin ich heute ja auch da, um dir zu helfen."