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Rechtsextremer Terror: Ausstellung zeigt Anschläge auf Menschen und die Demokratie

Was passiert, wenn Rechtsextreme Angst und Schrecken verbreiten wollen? Was sind ihre Mittel, um Andersdenkende einzuschüchtern oder gar zu töten? Eine neue Ausstellung in Stuttgart zeigt die Geschichte des Rechtsterrorismus von Weimar bis heute.

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Von Autor/in Markus Pfalzgraf

Demokratieverachtung und Menschenhass bilden die Basis für rechten Terror. Dieser ging auch an Baden-Württemberg nicht vorbei - auch in der jüngeren Vergangenheit. Ein Streifenwagen auf einem großen Platz in Heilbronn, die Türen geöffnet, daneben eine bedeckte Leiche. Diese Bilder von 2007 sind ins kollektive Gedächtnis von Baden-Württemberg eingebrannt. Ebenso das Porträtfoto zum Gedenken an Michèle Kiesewetter, der ermordeten Polizistin. Es zeigt sie vorsichtig lächelnd in Uniform. Die Namen der Opfer der Terrorzelle, die sich "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) nannte, sind auch knapp zwanzig Jahre später noch vielen in Erinnerung.

Eine neue Ausstellung des Hauses der Geschichte Baden-Württemberg im Stuttgarter Gedenk- und Lernort Hotel Silber zeigt aber auch die weniger bekannten Fälle. Da wäre beispielsweise die Sinti-Familie, deren Haus in Magolsheim bei Münsingen auf der Schwäbischen Alb im Jahr 1957 völlig zerstört wurde, am Tag bevor sie dort einziehen wollte. Der Familie war es gelungen, ein Haus zu kaufen, um endlich nach Jahren aus Notunterkünften herauszukommen. Doch dies wollte man in Magolsheim verhindern, wie der Bürgermeister in Fernsehaufnahmen aus der Zeit freimütig bekennt.

Rechter Terror prägte auch Baden-Württemberg

Schließlich kam es zum Akt der Gewalt: Eine ganze Nacht lang wüteten mehr als 50 Dorfbewohner auch mit Traktoren, bis nur noch Trümmer blieben. Nur der Staatsanwalt, der daraufhin Ermittlungen aufnahm, wies auf die Parallelen zur Verfolgung durch die Nationalsozialisten hin. Da war deren Schreckensherrschaft und der Krieg gerade erst wenige Jahre vorbei.

Noch weiter zurück geht die Ausstellung "Rechtsextremer Terror" am Anfang ihrer Schau: 1921 wurde der ehemalige Reichsminister Matthias Erzberger im Nordschwarzwald bei einem Spaziergang erschossen. Die Täter gehörten einer rechtsterroristischen Vereinigung von Marinesoldaten an. Der Zentrumspolitiker Erzberger hatte sich mit seinem Schwenk hin zu einer Friedenspolitik Feinde gemacht.

Der Fall zeigt eindrücklich, wie Demokratieverachtung und Hass gegenüber Andersdenkenden ein gesellschaftliches Klima schaffen, in dem sich rechtsextremer Terror entwickelt. Im Fall der Weimarer Republik und der anschließenden Nazi-Herrschaft gelang es schließlich den Feinden der Demokratie, die erste deutsche Demokratie zu zerstören. Diejenigen, die gerade noch Umsturz und Verfolgung von Minderheiten planten, waren nun an der Macht: "Rechtsextremer Terror gegen die Demokratie wurde zu Staatsterror, zum Staatsziel," erläutert Christopher Dowe, Leiter des Ausstellungsteams.

Auch in der Nachkriegszeit gab es abscheuliche Morde wie etwa in Konstanz an dem 17-jährigen Martin Katschker. 1970 gab es Popfestivals in der Stadt am Bodensee, die viele Hippies anzogen, woran sich manche störten. Die rechtsextreme NPD hatte begonnen Fuß zu fassen, und befeuerte Hass auf die Gäste auch aufgrund ihres Äußeren. Es gab Aufrufe zur Selbstjustiz, und in diesem feindlichen Klima wurde Katschker getötet.

"Baseballschlägerjahre" waren auch in BW präsent

Die 1990er Jahre stehen für Pogrome und Anschläge gegen Unterkünfte von Geflüchteten und anderen ausländisch wahrgenommenen Menschen. Diese Taten, die viele mit Orten wie Rostock oder Mölln verbinden, gab es auch in Baden-Württemberg, beispielsweise in Mannheim. Dort griffen 1992 im Stadtteil Schönau hunderte Menschen über Tage hinweg eine Unterkunft für Geflüchtete an.

Auch auf dem Land waren die "Baseballschlägerjahre" in Baden-Württemberg präsent. Nicht nur die Gewalt, sondern auch die Gegenbewegung findet ihren Platz in der Rückschau: In einigen Städten gab es Proteste gegen die rechtsextremistischen Taten, wie etwa Lichterketten oder Mahnwachen.

Rechte Gewalt nimmt wieder zu

In jüngster Zeit nehmen die Vorfälle wieder zu. In der Ausstellung wird beispielsweise auch queerfeindliche Gewalt im Netz und auf der Straße aufgegriffen. Und eine Landkarte zeigt, dass es in ganz Baden-Württemberg seit 2015 mindestens zwölf Anschläge auf Geflüchteten-Unterkünfte beziehungsweise deren Bewohnende gegeben hat.

"Wir zeigen Fälle, die häufig nicht wahrgenommen wurden oder nur sehr am Rande. Die wollen wir ins Zentrum der Wahrnehmung stellen," sagt Cornelia Hecht-Zeiler. Der Direktorin des Hauses der Geschichte Baden-Württemberg ist wichtig, dass es zwar "um einzelne Fälle geht, dass einzelne Personen oder Gruppen angegriffen werden, im Kern aber wir als Gesellschaft angegriffen werden, die Demokratie."

Das Haus der Geschichte habe schließlich auch Demokratiebildung in seinem Auftrag. Für Hecht-Zeiler bergen die dokumentierten Terrorakte auch Lehren für heute und morgen: "Wir können nur dagegen aufstehen, wenn wir es kennen, wenn wir es wissen. Und deswegen ist es schon auch ganz klar eine Mahnung."

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Autor/in
Markus Pfalzgraf
SWR-Reporter Markus Pfalzgraf, Redaktion Religion, Migration und Gesellschaft

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