Rund drei Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland zeigen laut aktueller OECD-Daten ein riskantes Mediennutzungsverhalten. Kinder surfen immer früher im Internet. Schon 15-Jährige verbringen im Schnitt mehr als sieben Stunden am Tag vor dem Bildschirm. Damit das bei Kindern und Jugendlichen nicht in eine Onlinesucht führt, hat die Lörracher Schöpflin-Stiftung eine neue Präventionsapp entwickelt. Die freii-App gegen Onlinesucht können Schülerinnen und Schüler ab sofort kostenlos herunterladen. Eine bundesweite Studie mit fast 3.000 Teilnehmenden an 39 Schulen hat gezeigt: Die App bringt tatsächlich etwas.
Studie: App führt zu weniger Handykonsum
Fast jede oder jeder zweite Teilnehmende fühlte sich laut einer Studie von der delphi GmbH nach dem Test der App motiviert, weniger Zeit am Handy zu verbringen. Ein Drittel traute sich nach dem Präventionsprogramm zu, Freunde darauf anzusprechen, wenn sie zu sehr auf das Handy fixiert waren. Die Studie wurde von Februar bis Juli 2025 im Auftrag der Schöpflin Stiftung durchgeführt und vom Bundesministerium für Gesundheit gefördert.
Die Schöpflin Stiftung will mit der freii-App und begleitenden Schülerworkshops nun in den nächsten drei Jahren in ganz Deutschland rund 16.500 Schulklassen mit 400.000 Schülerinnen und Schüler erreichen.
Schüler lernen mit der freii-App, wie Onlinesucht entsteht
Die App ist für Schülerinnen und Schüler im Alter von elf bis fünfzehn Jahren gemacht und spielerisch aufgebaut: An 21 aufeinanderfolgenden Tagen müssen die Jugendlichen in und außerhalb der freii-App Aufgaben lösen.
Mit Selbsttests und Quizaufgaben lernen sie zu erkennen, was süchtig macht, und wie erste Warnzeichen einer riskanten Mediennutzung aussehen. Die Jugendlichen bekommen auch Tipps, wie sie ihre Freizeit offline und ohne Handy verbringen können.
In Familien gibt es Konflikte um Handynutzung.
Wieviel Zeit Kinder und Jugendliche am Handy verbringen sollen, darüber wird in Familien viel gestritten. Das weiß Peter Eichin, der Geschäftsführer des Suchtpräventionszentrums "Villa Schöpflin" in Lörrach, aus Beratungsgesprächen.
Gespräch Welche Gefahren bergen Smartphones für Kinder?
Smartphones sind an Schulen oft verboten, doch viele Kinder unter 12 haben eines. Medienpädagog*innen warnen: Unter 14-Jährige können die Risiken sozialer Medien noch nicht einschätzen.
Tipps zur Medienerziehung auch für Lehrer und Eltern
Das Lörracher Suchtpräventionszentrum "Villa Schöpflin", das für seine Arbeit vielfach ausgezeichnet worden ist, hat zu der App ein Begleitprogramm zur Medienerziehung für Eltern und Lehrer entwickelt. Für die Erwachsenen gibt es Erklärvideos des bekannten Fernsehmoderators Eckart von Hirschhausen, der früher mal Arzt in der Kinder- und Jugendpsychiatrie gewesen ist.
Gesunde Familien brauchen handyfreie Lebenszeit.
Zusätzlich zu der App-Version, die die Schulen nutzen können, gibt es noch eine weitere Version der freii-App, die jeder herunterladen kann. Beide Apps werden von der Schöpflin-Stiftung und ihrer Partnerin, der Beisheim Stiftung, ausgerollt. An "freii" waren unter anderem die Universitätsmedizin Mainz, der Fachverband für Medienabhängigkeit e.V. und Experten der Suchthilfe beteiligt. Lehrer und andere Fachkräfte können sich beim Suchtpräventionszentrum "Villa Schöpflin" dafür qualifizieren, "freii"-Programm an Schulen umzusetzen. Die "Villa Schöpflin" bietet dazu auch Workshops an den Schulen an.