Nach einer tödlichen Explosion in Albstadt, die vermutlich durch Gas ausgelöst wurde, sind die Sensibilisierung für Gasgeruch und die Sorge vor Gaslecks bei vielen Menschen gestiegen. Das bestätigt Sven Röger, Leiter des Amts für Bevölkerungsschutz und Kreisbrandmeister im Zollernalbkreis. Er sagte dem SWR: "Wir hatten im Januar jetzt schon so viele Einsätze und Meldungen, wie wir sonst im ganzen ersten Quartal erhalten".
Das Gros der Meldungen kommt aus Privathaushalten, sagt Röger. Die meisten der Anrufe seien zwar begründet - meistens würde man glücklicherweise aber keine erhöhte Gaskonzentration feststellen.
Die hohe Sensibilisierung sei berechtigt, findet der Experte, die Explosion in Albstadt sei ein tragisches Ereignis gewesen. Ob man bei der Feuerwehr oder bei der Störhotline des jeweiligen Versorgers anrufe, sei zweitrangig. Hauptsache, jeder Gasgeruch werde umgehend gemeldet.
Einsatz bei Gasmeldung
Wie läuft ein Einsatz bei Gasalarm ab? Je nachdem, ob das Gas bereits ausströmt, oder eine Meldung über Gasgeruch vorliegt, macht sich die Feuerwehr mit einem größeren oder einem kleineren Einsatztrupp auf den Weg. Einen Erkundungseinsatz gibt es bei Gasgeruch. Dann wird zunächst gemessen, ob und wie hoch die Konzentration des Gases ist.
Stadtwerke und Feuerwehr arbeiten zusammen
Bei Gasgeruch oder -austritt werden immer auch die Stadtwerke alarmiert. Mike Gast ist Netzmeister und Servicetechniker bei den Stadtwerken Sigmaringen. Wenn er Rufbereitschaft für Gas und Wasser hat, ist er 24/7 erreichbar und immer mit seinem Einsatzfahrzeug unterwegs. Zu seinem wichtigsten Werkzeug gehören ein Gasmessgerät und eine explosionsgeschützte Taschenlampe, die keine Funken verursacht.
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Das Gasmessgerät hat sensible Sensoren verbaut, sagt Gast. Er hält zur Demonstration ein Feuerzeug unter den Sensor - das Gerät gibt sofort schrille Töne von sich und blinkt. Umso höher die Konzentration des Gases, umso höher der Ton des Messgeräts. Das Gerät zeigt ihm an, ob er sich dem Gashahn nähern kann, um die Gaszufuhr abzustellen. Ist die Konzentration zu hoch, geht die Feuerwehr voran. Anonsten macht sich Mike Gast auf den Weg in den Heizkeller, tastet sich langsam und vorsichtig voran.
Zuerst: Gashahn abdrehen
Im Heizkeller lokalisiert Mike Gast die Gefahrenstelle, das Messgerät zeigt ihm an, wo das Gas potenziell ausströhmt. Er dreht den Gashahn ab und öffnet die Fenster. Das ist der erste Schritt, sagt er: verhindern, dass weiteres Gas austritt.
Ist die Gasleitung geschlossen, repariert ein Installateur das Leck. Schwachstellen können etwa Verschraubungen am Gaszähler sein, sagt er. Außerdem könne es eine Beschädigung an der Leitung außerhalb des Gebäudes geben. Mike Gast ist aber auch für den Ernstfall ausgerüstet. "Wenn Not am Mann wäre, hätten wir immer das passende Material da", sagt er. Am besten sei es, wenn man das Leck so weit repariere, dass die Heizung vorerst weiter betrieben werden kann.
Gas-Notfälle sind selten
Gas-Notfälle gibt es laut dem Fachmann sehr selten. Dennoch: Wie verhält man sich bei Gasgeruch? Zunächst rät der Experte dazu, die Fenster zu öffnen, das Gebäude zu verlassen und keine elektrischen Geräte zu bedienen. Man solle keine Lichtschalter einschalten und die Nachbarn warnen - dabei aber nicht klingeln. Denn auch die Klingel ist elektrisch, so Gast. Den Anruf bei den Stadtwerken oder der Feuerwehr sollte man eigentlich auch erst machen, wenn man das Gebäude verlassen hat, sagt Gast. Denn auch ein Smartphone könne Funken verursachen.
Gasheizung: Einmal im Jahr warten lassen
Was man präventiv tun kann? Grundsätzlich sollte man einmal im Jahr seine Gasheizung von einem Installateur überprüfen lassen, sagt Gast. Alle zwölf Jahre gebe es zudem eine sogenannte "Gebrauchsfähigkeitsprüfung". Bei dieser wird kontrolliert, ob die Gasleitungen dicht sind. Viele Hauseigentümer wüssten nicht, dass diese Prüfung verpflichtend ist, sagt Mike Gast.
"Wenn man sich an die Wartungen hält, passiert in der Regel nichts", so der Fachmann. Letztlich helfe auch der "klare Menschenverstand". Und: Die Stadtwerke bauen Sicherheitsapparate ein, sagtt Gast. Dass alle gleichzeitig ausfallen, sei sehr unwahrscheinlich.