Die Landeserstaufnahmeeinrichtung (LEA) für Geflüchtete Ellwangen im Ostalbkreis feiert ihr zehnjähriges Bestehen - und ist doch fast schon wieder Geschichte. Ende dieses Jahres schließt die Landesregierung die LEA.
Bei den Ellwangern war sie umstritten - und unterm Strich doch ein Erfolgsmodell. Für rund 65.000 Menschen, die aus ihren Heimatländern nach Deutschland geflüchtet sind, war sie die erste Wohnstätte.
Die LEA Ellwangen heute: Ein menschenleeres Gelände
Wer heute die Eingangsschranken passiert und an den Querstraßen mit den Hallen und Baracken vorbeigeht, trifft kaum eine Menschenseele. Am Tag der Jubiläumsveranstaltung wohnen genau 56 Geflüchtete in der LEA Ellwangen, sagt der Leiter der Einrichtung, Berthold Weiß.
Zu Beginn des LEA-Betriebs im Herbst 2015 zeigte sich ein anderes Bild: Rund 5.000 Menschen zwängten sich in den ehemaligen Kasernengebäuden zusammen, die für gerade mal 500 Personen geplant waren. Es war die Zeit der großen Flüchtlingswelle. Die Zeit von Bundeskanzlerin Angela Merkels Appell "Wir schaffen das!"
Die Ellwanger haben es damals geschafft. Sie spendeten Kleidung und füllten die Kleiderkammer der LEA bis zur Oberkante. Sie kümmerten sich um die Bewohnerinnen und Bewohner: Gaben Sprachunterricht, boten Spielnachmittage für die Kinder an und halfen beim Ausfüllen von Anträgen.
LEA Ellwangen: Razzien und Demos in der Anfangszeit
Doch die zehn Jahre Ellwanger LEA sind keine Friede-Freude-Eierkuchen-Geschichte. Schon in den ersten Wochen nach Eröffnung sind Ladendiebstähle ein Thema. Manche Geschäfte in Ellwangen werden zeitweilig von Security-Kräften bewacht. Immer wieder muss die Polizei in die LEA anrücken, hauptsächlich wegen Auseinandersetzungen zwischen Bewohnern.
Bundesweit in die Schlagzeilen schafft es eine Razzia. Im Mai 2018 drang die Polizei eines Nachts ins Zimmer eines LEA-Bewohners ein, um ihn abzuschieben. Das schlug Wellen: Der Kameruner Alassa Mfouapon leistete Widerstand und klagte in der Folge vor Gericht, weil die Beamten sein Zimmer ohne seine Zustimmung betreten hatten. Er bekam zwar teilweise Recht, wurde aber dennoch zu 300 Euro Strafe wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte verurteilt.
Ebenfalls für Schlagzeilen sorgte im Jahr 2018 eine AfD-Demonstration, um die geplante - und letztlich auch umgesetzte - Verlängerung der Laufzeit der LEA zu verhindern. Die Antifa organisierte eine Gegendemonstration.
LEA fördert die Integration von Geflüchteten
Unterm Strich ist die LEA Ellwangen aber eine zehnjährige Erfolgsgeschichte. Viele ihrer ehemaligen Bewohnerinnen und Bewohner haben inzwischen Arbeit gefunden und sich eine Existenz aufgebaut. Samuel al Mardini zum Beispiel: Der Syrer war mit seiner Frau und zwei Kindern 2016 aus Damaskus geflüchtet. Der Gastronom und studierte Jurist hatte dort ein Café.
Jetzt betreibt Samuel al-Mardini wieder ein Lokal: Das Restaurant "Mosaik" in der Turn- und Festhalle in Westhausen im Ostalbkreis. Er will die syrische Küche auf der Ostalb populär machen, vor allem orientalische Vorspeisen. In seiner Freizeit engagiert er sich in der LEA als Sozialbetreuer.
LEA Ellwangen wird Ende des Jahres geschlossen
Nach einer fünfjährigen Verlängerung wird die LEA Ellwangen jetzt zum Jahresende geschlossen. Ihre Nachfolgerin wird voraussichtlich in Stuttgart-Weilimdorf entstehen.
Was mit dem LEA-Gelände in Ellwangen passiert, ist noch fraglich. Pläne der Stadt zum Bau von Wohnungen sind schon weit fortgeschritten. Laut Stadtverwaltung werden sie dringend benötigt. Und bis vor kurzem schien das in trockenen Tüchern zu sein.
Doch nun hat der Bund, dem das Gelände gehört, möglicherweise andere Vorstellungen: Im Zuge der geplanten Verstärkung der Bundeswehr verkauft er das Gelände vielleicht gar nicht.
Liegenschaften der Bundeswehr Bundeswehrgelände in Ulm und Ellwangen - Doch kein Wohnraum?
In Ellwangen und Ulm sollte Wohnraum auf Bundeswehrgelände entstehen. Jetzt wollen die Streitkräfte das Land zurück. Dabei sind die Bebauungspläne teils schon auf der Zielgeraden.
Gespräche zwischen Stadt und Bund laufen derzeit. Der Ellwanger Oberbürgermeister Michael Dambacher (CDU) will dem Verteidigungsministerium eine andere Fläche schmackhaft machen. Sodass einerseits vielleicht irgendwann wieder Soldaten in Ellwangen leben, worüber sich der örtliche Handel freuen würde. Und andererseits der geplante Stadtteil Ellwangen-Süd auf dem ehemaligen LEA-Gelände doch noch entstehen könnte.