Manche finden sie süß - andere halten Waschbären für eine Plage. Man liest von Schäden, Krankheiten und Gefahren für die Tierwelt - doch ist der Waschbär wirklich so schlimm? Stadtjäger Christian Schwenk und Naturschutzreferentin Lilith Stelzner raten im SWR-Gespräch zu Contenance und Aufklärung im Umgang mit den Tieren.
- Übertragen Waschbären Krankheiten?
- Welche Maßnahmen kann gegen Waschbären treffen?
- Darf man Waschbären selbst fangen und aussetzen?
- Wann werden Waschbären getötet?
- Wie kann ein friedliches Zusammenleben mit dem Waschbär aussehen?
Übertragen Waschbären Krankheiten?
Der Spulwurm wird oft mit dem Waschbären in Verbindung gebracht. Laut Christian Schwenk muss man als Mensch davor wenig Angst haben. Als amtlich anerkannter Stadtjäger ist er für Wildtiere im Kreis Esslingen, Stuttgart und Umgebung zuständig und berät Bürgerinnen und Bürger sowie Kommunen und Firmen bei Mensch-Wildtier-Konflikten.
Laut Schwenk sind nicht alle Waschbären mit dem Spulwurm infiziert. Im Raum Stuttgart seien es ungefähr 20 Prozent. Zudem könne man die Parasiten nur oral aufnehmen, der Spulwurm würde sich aber im Kot des Waschbären befinden. "Da wünsche ich guten Appetit", so Schwenk.
Die Spulwürmer befinden sich im Kot des Waschbären. Man muss den Kot schon oral aufnehmen, um sich anzustecken. Da wünsche ich guten Appetit.
Wenn man die Hinterlassenschaften des Waschbären aus dem Garten entfernen möchte, reiche ein Plastikhandschuh, den man über den Kot stülpt und in der Restmülltonne entsorgt. Die Rasenflächen im Nachhinein mit einem Bunsenbrenner oder Chemikalien zu bearbeiten, ist laut Schwenk unnötig.
Die Staupe - auch als Hundeseuche bekannt - sei höchstens für Haustiere gefährlich, die in den direkten Kontakt mit Waschbären kommen, oder sich über infiziertes Wasser anstecken. Doch auch hier rät Schwenk zur Ruhe: Wenn das Tier geimpft sei, müsse man sich keine Sorgen machen.
Was tun, wenn ein Waschbär im Garten ist?
Damit sich ein Waschbär wohlfühlt, braucht er laut Schwenk nur drei Sachen: "Fressen, Rückzugsort, Sexualpartner." Gerade gegen die ersten beiden Punkte, könne man in Kommunen gegensteuern. Entsprechend wichtig sei es, die Leute aufzuklären, über Nacht kein Futter draußen stehen zu lassen.
Lilith Stelzner, Naturschutzreferentin des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) Baden-Württemberg sieht das ähnlich: Manchen Menschen sei gar nicht bewusst, dass ein Waschbär in der Umgebung aktiv sei und was ihn anlocke. "Ich denke da an den offenen Kompost im Garten", so die Expertin. "Man muss schauen, dass man ihnen keine Nahrung anbietet. Waschbären sind sehr geschickt und können auch Schränke oder Nistkästen von Vögeln öffnen."
Nach Sauftour abgestürzt Waschbär bricht in Schnapsladen ein, betrinkt sich und liegt ohnmächtig neben dem Klo
Bei Menschen lacht keiner, wenn sie sowas machen. Über diesen betrunkenen Waschbären aber lachten selbst die Tierschützer Tränen.
Stelzner und Schwenk empfehlen: Über Nacht kein Katzen- oder Vogelfutter im Garten stehen lassen, denn Waschbären sind vor allem bei Dämmerung und Dunkelheit aktiv. Zugänge zum Haus - wie Kellerfenster oder Katzenklappen - verschließen. Abfälle unzugänglich aufbewahren. Im Einzelfall könnten Ultraschallgeräte Waschbären vertreiben, da laut Schwenk vor allem Jungtiere ein empflindliches Gehör haben. Das funktioniere aber mal besser und mal schlechter. Alternative Lösungen wie Lavendelöl helfen laut Experte nicht.
So berichtete der SWR im Februar über die Arbeit von Stadtjäger Christian Schwenk:
Darf man Waschbären selbst fangen und aussetzen?
Sollten Prävention und Folgemaßnahmen nichts gebracht haben, rät Stadtjäger Schwenk dringend davon ab, selbst Fallen aufzustellen. Er höre das Argument oft, dass diese im Internet frei verkäuflich und damit legal seien - in der Praxis sehe das aber anders aus.
Einen Waschbär lebend zu fangen und an einem anderen Ort auszusetzen, sei illegal. "Das ist Tierquälerei", so Schwenk. Wenn man ein Tier in fremdem Territorium aussetze, wisse dieses nicht, wo es Nahrung oder Rückzugsräume findet. Auch die dort ansässigen Waschbären würden den Neuankömmling nicht höflich zu Tisch bitten. "Da heißt es ganz einfach Du oder Ich", erklärt der Experte. "Umgesiedelte Wildtiere haben eine sehr geringe Überlebenschance. Der vermeintlich gute Gedanke schlägt in der Natur ins Gegenteil um." Schwenk empfiehlt, eine Fachperson hinzuzuziehen. Denn bei Verstößen gegen den Tierschutz könne es empfindliche Geldbußen im vierstelligen Bereich geben.
Wann werden Waschbären getötet?
Wenn der Stadtjäger gerufen wird und Fallen aufstellt, ist die letzte Instanz eine letale Entnahme. Also die Tötung. Die Lebendfalle wird laut Christian Schwenk verwendet, um zu vermeiden, dass sich Hauskatzen oder Igel darin verfangen. Zudem müsse geprüft werden, ob es sich beim gefangenen Waschbären um eine säugende Mutter handelt. Elterntiere dürfen laut Jagdgesetz während der Setz- und Brutzeit nicht entnommen werden - für alle anderen Exemplare wurde die Schonzeit Anfang 2026 abgeschafft.
Gerade wenn ein Waschbär gelernt habe, sich Zugang zu Häusern zu verschaffen und dort zurechtzufinden, sei eine Entnahme unausweichlich, so Schwenk. "Dieses Wissen verbreitet sich in der Population, weil Waschbären sehr soziale Wesen sind und sich untereinander austauschen."
BUND-Expertin Stelzner ergänzt, dass auch in der freien Natur beobachtet werden müsse, wie sich ein Waschbär auf die heimische Tierwelt auswirke. "Wenn man eine bedrohte Art in einem Gebiet hat und man deren Vorkommen aufs Spiel setzt, wenn man den Waschbär machen lässt, dann ist dort eine Bejagung gerechtfertigt." Der Schutz heimischer Tierarten muss laut Stelzner im Fokus bleiben.
Aufklärung statt Abschuss von Waschbären
Expertin und Experte sind sich einig: Den Waschbär wird man in Baden-Württemberg nicht mehr los. Zu groß ist die Population bereits - zu schnell wächst sie wieder nach. "Eine flächendeckende Bejagung ist Zeit- und Geldverschwendung", so Stelzner.
Eine flächendeckende Bejagung ist einfach Zeit- und Geldverschwendung, weil man den Waschbär nicht mehr aufhalten kann.
Stadtjäger Schwenk erklärt das an einem Zahlenbeispiel: "Wenn ich in einem Gebiet mit 10.000 Waschbären tausend Tiere entnehme, dann wird die Population genau diese 10.000 wieder auffüllen." Das liege daran, dass der Siedlungsraum eben genau die Vorräte und Rückzugsorte für 10.000 Waschbären biete.
"Wenn ich aber die Bürgerinnen und Bürger mit Appellen und Informationen erreiche und die an dem Thema Rückzugsort und Fressen arbeitet, dann trägt dieses Habitat und der Siedlungsraum vielleicht nicht mehr 10.000 Waschbären, weil die nicht genügend zu fressen finden." Dann reduziere sich die Zahl der Waschbären von selbst.