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Gewalt gegen Frauen: Frauenhäuser in RLP ständig belegt

Eine Datenanalyse zeigt: Ein Großteil der Einrichtungen kann nur selten freie Plätze anbieten. Neue Plätze werden bereits geschaffen, aber der Bedarf ist weit größer.

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Von Autor/in Rebecca Habtemariam, Gina La Mela, SWR Data Lab

Allein in Rheinland-Pfalz wurden im Jahr 2024 rund 13.500 Fälle von häuslicher Gewalt angezeigt. Seit Jahren bewegen sich die Zahlen auf ähnlich hohem Niveau. Der Großteil der Opfer sind Frauen. Für viele sind Frauenhäuser der Weg aus der Gewalt.

Dort einen Platz zu bekommen ist allerdings nicht ganz einfach. Die Frauenhäuser sind stark ausgelastet, freie Plätze gibt es selten. Das zeigen Daten, die Datenjournalistinnen des Bayerischen Rundfunks (BR) von Juli bis Dezember 2025 bundesweit erhoben haben: Fast alle 19 Frauenhäuser in Rheinland-Pfalz haben in mehr als der Hälfte des Analysezeitraums keinen freien Platz angezeigt, drei davon sogar nicht einmal.

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Frauenhäuser können freie Plätze online angeben

Ob ein Frauenhaus noch Betten zur Verfügung hat, können Frauen über die Plattform frauenhaus-suche.de einsehen. Die bundesweite Online-Suche wird von der Zentralen Informationsstelle Autonomer Frauenhäuser (ZIF) betrieben. Teilnehmende Einrichtungen können dort angeben, ob sie freie Plätze haben, derzeit keine Aufnahme möglich ist oder ob sie dazu keine Angabe machen.

Freie Plätze deuten nicht zwangsläufig auf geringe Nachfrage hin

In Landau, Ludwigshafen und Mainz wurde innerhalb der untersuchten sechs Monate kein einziger freier Tag angezeigt. Auch in den Frauenhäusern in Bad Kreuznach, Ahrweiler oder dem Donnersbergkreis waren die Betten nahezu durchgängig belegt.

Das Frauenhaus in Mayen-Koblenz hatte im Analysezeitraum am häufigsten freie Plätze auf der Webseite angezeigt. Aber: Längere Zeiträume mit freien Plätzen in einem Frauenhaus haben nicht zwingend etwas mit einer geringen Nachfrage zu tun. Wenn beispielsweise ein Einzelbett freigeworden ist, kann eine Frau mit mehreren Kindern diesen Platz nicht in Anspruch nehmen. Auch Probleme mit der Finanzierung oder eine schwankende Anzahl an Mitarbeitern sind Gründe, weshalb Plätze nicht sofort nachbesetzt werden und daher erstmal frei bleiben.

Ludwigshafen / Worms

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Nächstes Frauenhaus nicht immer die beste Wahl

In welches Frauenhaus eine Frau zieht, ist nicht nur von ihrem Wohnort abhängig: "Im Erstkontakt wird erstmal eine Risikoabschätzung vorgenommen. Wenn die Frau beispielsweise aus der Eifel kommt, wäre ein Frauenhaus dort nicht immer sinnvoll", sagt Karin Faber. Sie koordiniert die Konferenz der Frauenhäuser in Rheinland-Pfalz. "Manchmal besteht die Gefahr, dass eine Frau dem Täter beispielsweise beim Einkaufen begegnen könnte. Dann suchen wir einen Platz in einem der Ballungsgebiete." Auch die Infrastruktur einer Region spielt eine Rolle - Frauen mit Kindern benötigen Kita- oder Schulplätze, manche einen Deutschkurs.

Angespannter Wohnungsmarkt verlängert Frauenhausaufenthalt

Wenn Frauen einen Platz bekommen haben, sich während ihres Aufenthaltes stabilisieren konnten und in einen neuen Lebensabschnitt starten wollen, stehen sie vor dem nächsten Problem: "Es gibt keinen bezahlbaren Wohnraum. Dadurch verlängert sich der Aufenthalt in den Frauenhäusern. Diese Plätze stehen dann Frauen, die sich gerade in einer akuten Krisensituation befinden, nicht zur Verfügung", erklärt Expertin Karin Faber.

Politik kümmert sich, aber es gibt noch viel zu tun

Die Landesregierung hat in den vergangenen Jahren Geld in den Ausbau von Frauenhausplätzen investiert: Während es 2018 nur 108 sogenannte Familienplätze gab, sind es aktuell 142. Ein Familienplatz gilt rechnerisch für eine Frau mit 1,5 Kindern. Ende des Jahres soll zudem ein neues Frauenhaus in Neuwied eröffnet werden.

Von der Empfehlung des Europarats ist dies aber noch weit entfernt: Die Istanbul-Konvention empfiehlt einen Familienplatz im Frauenhaus pro 10.000 Einwohner. Sie verpflichtet Unterzeichnerstaaten wie Deutschland seit 2018, Gewalt gegen Frauen und Mädchen zu bekämpfen. Laut Empfehlung der Konvention sollte es für die rund 4,13 Millionen Einwohner in Rheinland-Pfalz 413 Familienplätze geben (Stand 2024). Das sind etwa 270 Plätze mehr, als aktuell zur Verfügung stehen.

Verbesserungen durch Gewalthilfegesetz

Fachexperten wie Karin Faber hoffen auf die baldige Umsetzung des Gewalthilfegesetzes, das im Februar 2025 vom Bund verabschiedet wurde. Demnach soll die Finanzierung künftig einheitlich geregelt sein. Die wohl größte Veränderung: Laut dem Gesetz hat ab 2032 jede Frau einen Rechtsanspruch auf Schutz und Beratung.

Doch bis dahin sei noch einiges zu tun, mahnt Faber. Die Länder müssten einen Plan aufstellen, wie sie die im Gesetz verankerte Hilfe bedarfsgerecht zur Verfügung stellen. "Außerdem ist es zwingend notwendig, dass man sich über bestimmte Themen über Landesgrenzen hinweg verständigt, damit es nicht mehr so ein Flickenteppich ist, wie jetzt", sagt die Expertin.

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Rebecca Habtemariam
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Gina La Mela
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