Es ist ein besonderer Ort. Das Bistum Speyer bezeichnet Maria Rosenberg in Waldfischbach-Burgalben gar als einen der "bedeutsamsten Orte im Bistum". Bis ins 12. Jahrhundert reichen nach Angaben der katholischen Kirche die Wurzeln zurück. Das Problem allerdings: die Gebäude sind in die Jahre gekommen.
Neben einer Kapelle und einer Wallfahrtskirche befindet sich auf dem Gelände ein größerer Gebäudekomplex. Der ältere Bereich ist über 100 Jahre alt. "Zwei Tagungshäuser wurden in den 70er und 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts errichtet", teilt das Bistum Speyer mit.
Wallfahrtsort müsste umfangreich saniert werden
Wie soll es mit all den Gebäuden weitergehen? Eine Frage, mit der sich die katholische Kirche befasst. Seit einiger Zeit arbeite man bereits daran, wie man die Gebäude weiterentwickeln kann. Dafür sei es unumgänglich, die Häuser "baulich" neu zu konzipieren. Wie das im Detail aussieht, teilt das Bistum Speyer jetzt mit.
Teil der Gebäude wird abgerissen
Insgesamt drei Gebäude werden voraussichtlich Mitte nächsten Jahres abgerissen, darunter auch das Gästehaus. Dadurch können Gäste, die zum Beispiel für Tagungen anreisen, nicht mehr auf dem Gelände übernachten. Laut dem Bistum Speyer sollen aber gelegentlich noch Tagesveranstaltungen stattfinden, um Maria Rosenberg als geistliches Zentrum zu erhalten. Der Abriss der Gebäude sei finanziell jedoch notwendig. Denn: Das Bistum kann sich eine Sanierung der Gebäude schlicht nicht leisten.
Wie es final mit dem Tagungsbereich weitergeht, ist noch nicht klar. Eine Sprecherin teilte dem SWR mit, dass ein Teil des Geländes für "wirtschaftliche Zwecke" künftig genutzt werden könnte. Der Tagungsbereich, wie er bisher war, soll aber so nicht wiederkommen, hieß es seitens des Bistums.
20 Mitarbeiter des Wallfahrtsortes von der Schließung betroffen
Aktuell sind 20 Mitarbeiter für den Ablauf im Tagungsbereich tätig. Die Jobs von zehn Mitarbeitern seien bereits sicher, die könnten in andere Bereiche wechseln. Bei den übrigen zehn Beschäftigten sei die Kirche bereits auf der Suche nach einer Lösung, wie es auch nach der Schließung mit den Menschen weitergehen könnte. Ziel des Bistums sei es, das gesamte Personal zu halten. Wie es final mit dem Tagungsbereich weitergeht, ist noch nicht klar. Eine Sprecherin teilte dem SWR mit, dass ein Teil des Geländes für "wirtschaftliche Zwecke" künftig genutzt werden könnte.
Als Bürgermeister sorge ich mich um die 20 Arbeitsplätze.
Felix Leidecker ist Bürgermeister in der Verbandsgemeinde Waldfischbach-Burgalben. Er selbst ist laut eigener Aussage eng mit dem Wallfahrtsort Maria Rosenberg verbunden und sorgt sich, was mit den betroffenen Arbeitsplätzen passiert. Er hofft, dass auch künftig Leben auf Maria Rosenberg herrscht und die Menschen auch weiterhin eine Anlaufstelle haben.
Auch die Landrätin der Südwestpfalz, Susanne Ganster (CDU), zeigt sich auf SWR-Anfrage besorgt. Es sei wichtig, dass Maria Rosenberg als Wallfahrtsort erhalten bleibe und zukunftsfest gemacht werde. Sie und Felix Leidecker bieten dem Bistum Speyer ihre Unterstützung bei dem Prozess der Neustrukturierung an.
In Maria Rosenberg müssen Wasserleitungen erneuert werden
Neben des Abrisses stehen zahlreiche Sanierungen an: "Ein wichtiger Schritt wird die Erneuerung der zentralen Frischwasser- wie auch der Stromversorgung sein, um auch künftig einen sicheren Betrieb zu gewährleisten", berichtet das Bistum. Wallfahrten mit Gottesdiensten und "seelsorgerische Präsenz" sollen auch während der Umbauphase aufrechterhalten werden.
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Doch wie geht es dann weiter? Das soll in den kommenden Wochen geklärt werden. Bischof Karl-Heinz Wiesemann teilt mit, dass ein inhaltliches und wirtschaftlich tragfähiges Konzept erarbeitet werden soll. Das sei mit Blick rückläufiger finanzieller und personeller Ressourcen im Bistum und den großen Sanierungsstau der Gebäude notwendig.
Bistum Speyer sucht nach Lösungen für Maria Rosenberg
"Der dafür notwendige Beratungs- und Entscheidungsprozess wird in den kommenden Wochen in der Diözesanversammlung, im Priesterrat und in den diözesanen Vermögensgremien stattfinden", wird Wiesemann in einer Mitteilung des Bistums zitiert. "Ich bin zuversichtlich, dass es uns gemeinsam gelingt, eine gute und tragfähige Lösung für den Segensort Maria Rosenberg zu finden", so der Bischof weiter. Die nächste Diözeanversammlung des Bistums Speyer findet am Freitag in Limburgerhof statt. Hier sollen erste konkrete Entschlüsse gefasst werden.
Auch Volker Sehy, der Direktor von Maria Rosenberg, betont: "An der Sanierung führt kein Weg vorbei." Weniger erfreut zeigt er sich aber über die Entscheidung, den Tagungsbetrieb zu schließen: "Das schmerzt mich sehr und sicher auch unsere vielen treuen Gäste. Zugleich bin ich froh, dass der Rosenberg nicht nur Wallfahrtsstätte bleiben soll, sondern auch geistliches Zentrum des Bistums – wenn auch unter veränderten Bedingungen."
Kritische Stimmen aus den Reihen der Kirche
Ein ganz anderes und viel düstereres Bild zeichnet eine Mitarbeiterin der Kirche, die unerkannt bleiben möchte. Aus ihrer Sicht sei die Schließung des Tageshauses nur der erste Schritt um die Gebäude abreißen zu können. In Wahrheit, so sagt sie, soll Maria Rosenberg von einer lebendigen Bildungs-, Tagungs- und Begegnungsstätte zu einer reinen Wallfahrtskirche mit Gnadenkapelle zurückgestuft werden. Die katholische Kirche hat sich bisher nicht offiziell zu den Kosten geäußert. Die kirchliche Mitarbeiterin spricht von rund 15 Millionen Euro. Fünf Millionen seien schon für die Abrissarbeiten kalkuliert. Am Ende bliebe lediglich das Stifterhaus und die Arkade erhalten. Die Sanierung der Strom- und Wasserleitung seien für die Öffentlichkeit vorgeschobene Gründe.
Chöre und Gruppen nutzen Tagungshaus in Südwestpfalz
Das Tagungshaus wird nach Angaben der Internetseite von Maria Rosenberg von Gruppen, aber auch Chören und Musikensembles für Proben genutzt. Platz gebe es dort für Gruppen bis zu 200 Personen. Das Bistum erklärt auf Nachfrage, dass die Auslastung des Tagungshauses mit rund 10.000 Übernachtungen im vergangenen Jahr sehr niedrig gewesen sei und somit unrentabel. In der Südwestpfalz hatte die katholische Kirche bereits 2021 eine Bildungs- und Freizeitstätte aufgegeben: die Heilsbach bei Schönau. Sie wird heute als Hotel von einer gemeinnützigen GmbH betrieben.