Wenn Winzer Kristof Puder über seine Weinberge schaut, sieht er nicht mehr nur Reben. In seinen Gedanken mischen sich unter das vertraute Grün der Trauben bald die silbrig-schimmernden Blätter von Olivenbäumen. Rund 900 davon aus Spanien sollen im Sommer bei ihm in Niefernheim ankommen, darunter sechs verschiedene Sorten, um auszuprobieren, was in den Weinbergen des Zellertals (Donnersbergkreis) möglich ist. "Der Plan ist, erstmal neben den Weinbergen zu pflanzen" sagt er. "Auf etwa einem halben Hektar."
Für den Pfälzer Winzer ist das aber keine ästhetische Entscheidung, sondern eine strategische Antwort auf eine Branche, die in der Krise steckt. "Die Fassweinpreise sind seit 15 Jahren konstant schlecht, aber das Lohngefüge hat sich fast verdoppelt." Seinem Weingut gehe es nicht schlecht, aber ein zweites Standbein sei immer gut. Deshalb versuche er es nun mit Olivenöl und das direkt nach ökologischen Standards, weil er den ganzen Betrieb ohnehin gerade auf Bio-Anbau umstellt.
Wein-Krise: Darum steigt ein Winzer aus der Pfalz aus dem Markt für Fasswein aus
Dass sich das Weingut für Olivenbäume entschieden hat, hat dabei einen ganz einfachen strategischen Grund: Die Traubenvollernter, die oft nur 20 -30 Tage im Jahr im Einsatz sind, lassen sich auch zur Olivenernte nutzen. Andere Kulturen wie Mandeln oder Pistazien schieden aus, weil deren hartes Holz die teuren Maschinen beschädigen würde. Deshalb entstand die Idee für diesen Versuch im Gespräch mit einem Servicemitarbeiter für Erntemaschinen.
Um bereits viel Wissen über den Olivenanbau zu sammeln, ist Puder sogar im Dezember nach Portugal geflogen. Dort hat er gelernt: Damit die Erntemaschine später gut arbeiten kann, müssen die Bäume von Anfang an gerade wachsen. Darauf will er direkt achten, wenn die Bäume ab Sommer im Zellertal angepflanzt werden.
Oliven-Anbau in der Pfalz: Wenn es für die Wein-Rebe zu heiß wird
Aber nicht nur der finanzielle Druck in der Branche, auch der Klimawandel zwingt zum Umdenken. Als Winzer erlebt Puder den Klimawandel direkt. "Vor 20 Jahren haben wir Anfang Oktober erst mit der Weinernte angefangen", sagt er. "Heute sind wir um diese Zeit schon fast fertig." Alles verschiebt sich nach vorne. Zwar speichern die schweren Böden im Zellertal gut das Wasser, doch trotzdem wird es immer wärmer und damit trockener.
Die Olive kommt mit der Trockenheit gut klar. Bei ihnen ist eher die Frage, wie sie den Frost im deutschen Winter vertragen. Und ob der mineralische Boden am Donnersberg etwas am Geschmack der Oliven am Ende verändert. Darauf will Puder in den kommenden drei Jahren ein Auge werfen. Denn erst dann rechnet er mit der ersten Ernte.
Impulsgeber: Folgen bald weitere Winzer in Rheinland-Pfalz dem Beispiel?
Im Austausch mit anderen Winzern sorge das Projekt für Gesprächsstoff. Während viele Winzer noch an alten Mustern festhielten, würden andere das Experiment im Zellertal mit Neugier beobachten. Kristof Puder versteht sich als Impulsgeber. "Ich könnte mir vorstellen, dass das auch für viele Kollegen hier aus dem Zellertal eine Option ist, wenn dann mal der Anfang da ist", sagt er.
Und sollten die Olivenbäume gut im Zellertal wachsen und Kristof Puder mit der Idee Olivenöl im Donnersbergkreis herzustellen Erfolg haben, ließe sich auch das Olivenölfest "Oliandi" wiederbeleben, das viele Jahre im Zellertal stattgefunden hat und Corona zum Opfer fiel. "Das wurde ich schon gefragt", so der Winzer.