Proteste gegen islamisches Regime

Iraner aus Kaiserslautern: "Ich weiss nicht, wie es meiner Familie geht"

Seit Wochen protestieren die Menschen im Iran gegen das islamische Regime und für die Freiheit. Doch das Regime reagiert mit Härte und tötet Demonstranten. Wie es einem Iraner aus der Region Kaiserslautern geht, erzählt er im Gespräch mit dem SWR.

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Ich sitze mit Siavash Teherani in seinem Büro in der Nähe von Kaiserslautern. Der 76-Jährige kommt aus dem Iran und heißt eigentlich anders. Aber aus Angst um seine Familie, die noch im Iran lebt, möchte er seinen richtigen Namen nicht öffentlich lesen. Denn Teherani hofft, dass das islamische Regime in seinem Heimatland bald fällt. Und diese Hoffnung öffentlich zu äußern, könne gefährlich werden, erzählt er.

Leichen werden im Iran nur gegen tausende Dollar herausgegeben

Für das Regime töten unter anderem Mitglieder der Islamischen Revolutionsgarde, sagt Teherani. Diese Männer seien skrupellos. Beispielsweise hätten sie Menschen in einem Basar eingeschlossen und den Basar in Brand gesetzt. Die Menschen, die durch den einzigen verbliebenen Ausgang geflohen sind, seien erschossen worden. Zudem würden die Gardisten Leichen an die Familien nur gegen die Zahlung von mehreren tausend Dollar herausgeben – Summen, die sich die Menschen im Iran nicht leisten können.

Ich weiss nicht, ob einer aus meiner Familie ums Leben gekommen ist.

Von seiner eigenen großen Familie hat Teherani jetzt schon länger nichts mehr gehört, denn das Internet ist im Iran abgeschaltet. Und das Telefon hat auch nicht richtig funktioniert, erzählt Teherani. "Ich habe jeden Tag versucht, anzurufen, leider ohne Erfolg. Ich habe keine Ahnung, ob einer von denen ums Leben gekommen ist oder nicht." Daher ist Teherani in großer Sorge.

Iraner lebt und arbeitet seit Jahrzehnten in Deutschland

Siavash Teherani ist bereits in den 1970er Jahren nach Deutschland gekommen. Also in der Zeit als im Iran noch der autoritäre Schah Pahlavi regiert hat – eine Zeit, in der das Land westlich orientiert war. Dann kam die Revolution und das islamische Regime an die Macht. Teherani studierte währenddessen in Deutschland, begann später zu arbeiten. Seit vielen Jahren ist er selbstständig.

Tausende Menschen im Iran getötet

Was derzeit im Iran passiert sei unmenschlich und fürchterlich, sagt Teherani. Er informiert sich derzeit unter anderem über iranische Sender, die aus dem Ausland senden. Dort hat er auch erfahren, dass viele tausend Menschen getötet wurden. Inzwischen nennt die britische Sunday Times Zahlen. Zwischen 16.500 und 18.000 Menschen soll das Regime getötet haben. "Das ist sehr, sehr schlimm", sagt Teherani. "90 Prozent der Getöteten sind unter 30 Jahre."

Die Menschen wollen dieses barbarische Regime loswerden.

Die Menschen im Iran seien bereit zu kämpfen, sagt Siavash Teherani. Aber ohne Hilfe aus dem Ausland ginge es nicht. Daher hofft er, dass Gelder der iranischen Machthaber im Ausland eingefroren und die Mitglieder der Islamischen Revolutionsgarde als Terroristen eingestuft werden. Und: mehr Aufmerksamkeit für die Situation der Menschen im Iran. "Denn die Menschen wollen dieses barbarische Regime loswerden."

Teherani klärt über Situation in seinem Heimatland auf

Er tue als Einzelperson das, was er machen kann: Aufklärung seines Umfelds. "Ich habe unter anderem Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) kontaktiert. Damit viele Leute sich für die Menschen im Iran einsetzen." Außerdem würde er sich wünschen, dass zum Beispiel auch der FCK vor einem Heimspiel eine Schweigeminute abhält. Für die drei iranischen Fußballer, die bei den Protesten erschossen wurden. "Wenn man stillsteht, denkt man nach. Und in dem Moment, wo man nachdenkt, kommt die Frage, was ist denn passiert?"

Vielleicht, so hofft Teherani, kann man die Öffentlichkeit auch so aufklären. Und dann wird es den Iranern gelingen, sich von dem Regime zu befreien und irgendwann wieder in Freiheit zu leben.

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SWR

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