"Wir stellen das über die letzten Jahre extrem fest", berichtet Andreas Peters, Präsident der Arbeitsgemeinschaft Trierer Karneval. "Wir haben ganz viele Jugendliche, die mit wenig oder ohne Alkohol schön feiern können." Ins selbe Horn stößt auch Michael Bonewitz, der Sprecher des Mainzer Carneval-Vereins (MCV): "Gefühlt ist es so, dass weniger getrunken wird." Er könne es zwar nicht mit Zahlen belegen, habe aber den Eindruck, dass alkoholfreier Karneval im Trend liegt.
Wir haben ganz viele Jugendliche, die mit wenig oder ohne Alkohol schön feiern können.
Alkoholfrei liegt bei Karneval und Fastnacht im Trend
Bei der Straßenfastnacht in Mainz werde von Jahr zu Jahr mehr alkoholfreies Bier gekauft. Ralf Kraft, der für den MCV die Stände betreibt, wird dieses Jahr erstmals auch alkoholfreien Gin und alkoholfreien Sekt anbieten. "Ich kann mir vorstellen, dass es da einen enormen Trend gibt", so Kraft. Was ebenfalls häufig bestellt werde: "die dünne Weinschorle". Die schmecke ein bisschen nach Wein, sei aber nicht stark.
Alkohol weiterhin "nicht zu verachtender Faktor"
Auch für Andreas Münch, den Präsidenten der Arbeitsgemeinschaft Koblenzer Karneval, sei der Trend hin zu weniger Alkohol spürbar. Dennoch bezeichnet er Alkohol als nicht zu verachtenden Faktor. Es gebe auch weiterhin Menschen, die Karneval und Fastnacht damit verbinden würden, übermäßig zu trinken.
Mit einer Flasche Bier auf der Bühne sollte keine Normalität sein
"Wir haben in den letzten Jahren viel Aufklärung betrieben", erklärt Klaus-Ludwig Fess, Präsident des Bundes Deutscher Karneval (BDK). Dazu gehöre unter anderem, dass die Leute nicht mit einer Flasche Bier auf der Bühne stünden. "Sonst hat man gleich den Eindruck: Das ist etwas Normales", so Fess. Bei der BDK-Jugend beobachte er, dass Alkohol nur eine "dritte oder vierte Rolle" spiele.
Polizei findet weiterhin viel unerlaubten Alkohol bei Jugendlichen
Trotz des Trends zu mehr alkoholfreien Getränken bei Karneval und Fastnacht gibt es jedoch weiterhin viele Jugendliche, die in der fünften Jahreszeiten viel trinken. Im vergangenen Jahr hatten in Mainz an Rosenmontag 600 Jugendliche unerlaubt insgesamt 77 Liter Alkohol dabei, wie die Polizei bestätigt.
Proxy-Wein aus Kräutertee Winzer aus Ilbesheim: "Wir wollten nie einen Riesling kopieren"
Während des Dry January verzichten viele auf Alkohol und greifen zu alkoholfreien Alternativen. Ein Winzer aus Ilbesheim hat einen Proxy-Wein aus Tee hergestellt. Aber: schmeckt das?
Alkohol-Eskalation wie 2012 in Trier heutzutage unwahrscheinlich
Dass eine Karnevalsveranstaltung nochmals so eskaliert, wie 2012 in Trier, hält deren Oberkarnevalist Andreas Peters jedoch für unwahrscheinlich. Damals hatte es an Weiberfastnacht dutzende betrunkene Jugendliche gegeben, die kollabierten und randalierten. 60 Menschen mussten vom Notarzt behandelt werden. "Dieses Vorglühen mit hochprozentigem Alkohol - das gibt es so nicht mehr", so Peters.
Vereine setzen auf immer mehr Aufklärung zum Thema Alkohol
Doch nicht nur der Konsum geht zurück, auch die Sensibilität und Aufklärung wachsen: Der Jugendschutz spielt beispielsweise bei Umzügen eine größere Rolle als früher. Im Kreis Bernkastel-Wittlich haben sich viele Karnevalsvereine der Aktion "Jugendschutz im Karneval" angeschlossen. In einer Selbstverpflichtung erklären die Vereine dabei, dass bei den Veranstaltungen an Karneval und Fastnacht kein Alkohol an Menschen unter 16 Jahren abgegeben wird.
Suchtexperten bestätigen Trend zu weniger Alkohol
Den Trend zu weniger Alkohol bestätigt auch die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen. Zuletzt lag der durchschnittliche Pro-Kopf-Alkoholkonsum 2023 bei 10,2 Liter Reinalkohol. Das war der niedrigste Wert seit 2012. Die Suchtexperten sprechen von einem kontinuierlich abnehmenden Trend, im Gegensatz zu früheren Jahrzehnten. Vor allem bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen sei ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen.