Der Schulsegen an der Karolina-Burger-Realschule plus in Ludwigshafen hängt mächtig schief. Teile des Lehrerkollegiums und der Schulleiter können offenbar nicht miteinander. Und auch zwischen dem Schulleiter und seinem Leitungs-Team scheint es heftige Kontroversen zu geben.
Drei Dienstaufsichtsbeschwerden gegen Schulleiter
Dass es heftig knirscht im Schulgetriebe, das zeigen drei Dienstaufsichtsbeschwerden gegen den Schulleiter. Nach SWR-Informationen kommen die vom Personalrat, dem Schulleitungsteam sowie von einer Lehrkraft.
ADD sagt nichts zu "internen Vorgängen"
Auf SWR-Anfrage haben ADD und Bildungsministerium in einer gemeinsamen Antwort lediglich bestätigt, dass es die drei Beschwerden gibt. Man äußere sich aber nicht "zu internen Vorgängen", hieß es.
Landesweit gab es im vergangenen Jahr insgesamt 130 bis 140 solcher Beschwerden bei der ADD. Die ADD ist nach eigenen Angaben für 1.658 Schulen im Land zuständig.
GEW: Beschwerden "mit Sorgfalt" bewerten
Die GEW-Landesvorsitzende Christiane Herz sagte dem SWR, die Dienstaufsichtsbeschwerden müssten "mit aller Sorgfalt bearbeitet und bewertet werden." Und eventuell müssten auch Konsequenzen gezogen werden.
Der Schulleiter selbst hat bislang nicht auf eine Anfrage des SWR reagiert.
40 Schüler und Lehrer verletzt Karolina-Burger-Realschule Ludwigshafen: Strafe für Schüler nach Reizgas-Attacken
Die Karolina-Burger-Realschule in Ludwigshafen hat drei Schüler bis auf weiteres vom Unterricht ausgeschlossen. Sie sollen Reizgas in der Schule versprüht haben.
Drei Reizgas-Attacken an Ludwigshafener Realschule
Fest steht: Seit Ende Januar sind Polizeistreifen immer wieder in und rund um die Schule präventiv im Einsatz. Und seitdem ist es in Sachen Feueralarme und Polizeieinsätze offenbar ruhiger geworden. Vorher hatten Unbekannte immer wieder den Feueralarm ausgelöst und damit für Unruhe gesorgt.
Ende Januar war an drei Tagen in Folge Reizgas an der Schule versprüht worden. Die mutmaßlichen Täter waren laut Polizei 14 und 15 Jahre alt. Auch ein 13-jähriger stand unter Verdacht. Durch ihre Reizgas-Attacken waren an der Burger-Schule in Ludwigshafen 41 Lehrer und Schüler verletzt worden.
Verdacht der gefährlichen Körperverletzung Drei Einsätze in Folge an Karolina-Burger-Schule in Ludwigshafen: Zwei Jugendliche gefasst
Nach dem dritten Reizgas-Vorfall an der Karolina-Burger-Realschule plus in Ludwigshafen innerhalb von drei Tagen hat die Polizei am Mittwoch zwei Tatverdächtige ausgemacht.
Jugendamt eingeschaltet
Nach Angaben einer Polizeisprecherin sind die Ermittlungen der Polizei abgeschlossen. Jetzt entscheide die Staatsanwaltschaft in Frankenthal, wie es weitergeht. Fest stehe, so die Polizeisprecherin, dass in allen drei Fällen das Jugendamt eingeschaltet wurde. Und: Dem 13-jährigen droht kein Strafverfahren, weil er strafunmündig ist.
Die Kosten für diese Polizeieinsätze trägt der Steuerzahler. Sie werden nicht den Verursachern in Rechnung gestellt, teilte die Landesregierung auf Anfrage der CDU-Landtagsfraktion mit. Insgesamt waren Kosten von 892 Euro entstanden.
Elternbeirat: "Normale Schule mit schlechtem Ruf"
"Es ist jetzt eine normale Schule, die mit ihrem schlechten Ruf zu kämpfen hat", sagt Carsten Stobbe, Mitglied im Landeselternbeirat dem SWR angesichts des Rückgangs der Vorfälle. Er selbst hat keine Kinder an der Schule steht aber mit dem Elternbeirat der Karolina-Burger-Schule in Kontakt.
Nach dem Amokalarm Ende Oktober hatte das Lehrer-Kollegium der Schulaufsichtsbehörde ADD schwere Vorwürfe gemacht. Tenor: Trotz eindringlicher Hilferufe der Lehrkräfte, sei nichts passiert, um das Klima der Angst und der Gewalt an der Schule zu verändern.
SWR-Youtube Doku befasst sich mit Gewalt an Brennpunktschulen im Land Ludwigshafen: Lehrer der Karolina-Burger-Realschule wollen mehr Polizeipräsenz an Schulen
Sie haben im November Alarm geschlagen: Die Lehrkräfte der Karolina-Burger-Realschule Plus in Ludwigshafen. An ihrer Schule herrsche ein Klima der Angst und Gewalt sei an der Tagesordnung. Mehr Polizeipräsenz an der Schule finden die Lehrkräfte richtig und gut.
Erst als ein Brandbrief an die Behörde öffentlich wurde, kam das Thema mit Wucht in die Öffentlichkeit. Aber ist seitdem genug passiert, um die offenbar von Gewalt geprägte Atmosphäre an der Brennpunktschule zu verbessern?
Schulleitung und Lehrkräfte offenbar gespalten
Da gehen die Meinungen der Lehrkräfte und der Schulaufsichtsbehörde ADD ziemlich auseinander. Die ADD schickt dem SWR per Mail eine lange Liste mit Angeboten, die der Schulleitung und der Schule gemacht worden seien, um die Lage zu beruhigen.
Ein Auszug der Angebote: Unter anderem Coaching für den Schulleiter und das Schulleitungsteam, pädagogische Begleitung durch zwei externe Mitarbeiter, ein Präventionsprogramm in Zusammenarbeit mit der Polizei und das Angebot, dass ein pensionierter Polizist Lehrerinnen und Lehrer in einzelnen Fällen berät.
Offenbar noch immer sehr große Klassen
Offenbar scheinen aber nicht alle Lehrkräfte davon überzeugt zu sein, dass sich wirklich etwas an der Schule tut und verbessert. Eine Lehrkraft der Schule, die ihren Namen nicht nennen will, kritisiert unter anderem, dass die Klassen seit dem zweiten Halbjahr übervoll seien "zum Teil größer als 30 Kinder".
Ein überarbeiteter Maßnahmenkatalog für Regeln in der Schule sei "trotz mehrfacher Forderung des Kollegiums" noch nicht einmal angefangen worden, kritisiert die Lehrkraft in einem Schreiben an den SWR.
Christiane Herz, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sagte dem SWR: "Wir können nicht bewerten, welche Maßnahmen in welchem Umfang getroffen wurden und wie hilfreich sie sind." Die Lehrerinnen und Lehrer der Schule berichteten der GEW, dass sie sich von der Schulaufsicht und dem Bildungsministerium nicht ausreichend unterstützt fühlten.
Mehr Sicherheit an Schulen Polizei auf dem Schulgelände, Vertrauensstelle für Lehrkräfte
Die Landesregierung will mehr für die Sicherheit an Schulen tun. Mehr Polizei vor Ort und eine Vertrauensstelle für psychologische Beratung von Lehrkräften sollen dafür sorgen.
Carsten Stobbe vom Landeselternbeirates wünscht sich, dass an der "Karolina" jetzt wieder etwas Ruhe einkehrt. "Es laufen verschiedene Programme - der Samen ist gesät, jetzt muss jeder seinen Job machen", sagt Stobbe dem SWR. Seine Einschätzung als Elternvertreter: "Es ist noch nicht genügend passiert, aber es tut sich was."