Mehr Aufträge für Wehrtechnik

Rüstungsboom hilft Eifeler Firma durch die Krise

Die Bundesregierung investiert massiv in die Verteidigung des Landes. Davon profitieren nicht nur Rüstungskonzerne, sondern auch Mittelständler wie die Firma SD-Blech in Zemmer.

Teilen

Stand

Von Autor/in Christian Altmayer

In der Halle der Firma SD-Blech in Zemmer sprühen die Funken. In allen Kabinen wird Metall zusammengeschweißt. Über zu wenige Aufträge kann sich Henning Schlöder, einer der drei Geschäftsführer, nicht beklagen.

Das hat mit speziellen Kunden zu tun. Denn neben Bauteilen für Öfen und Baumaschinen stellen die etwa 100 Mitarbeiter hier immer mehr Komponenten für militärische Fahrzeuge her. "Dieses Jahr machen wir rund 15 Prozent unseres Umsatzes mit Aufträgen aus der Wehrtechnik", sagt Schlöder: "Das war in den Anfangsjahren deutlich weniger."

Henning Schlöder ist einer der drei Geschäftsführer der Firma SD-Blech in Zemmer.
Henning Schlöder ist einer der drei Geschäftsführer der Firma SD-Blech in Zemmer.

Krise: Manche Branchen schwächeln

Die zusätzlichen Aufträge kommen für die Firma gerade recht. Denn in der aktuellen Wirtschaftskrise schwächeln viele Branchen. Manche Unternehmen bestellen weniger bei dem Metallbauer in Zemmer.

Rüstung hingegen ist ein Markt, der wächst. "Die Bauteile, die wir für die Wehrtechnik anfertigen, helfen uns, die wegbrechenden Umsätze auszugleichen", sagt Schlöder.

Vom Azubi bis zum leitenden Mitarbeiter weiß jeder Bescheid über die Aufträge für die Rüstungsindustrie.
Vom Azubi bis zum leitenden Mitarbeiter weiß jeder Bescheid über die Aufträge für die Rüstungsindustrie. Weil sie Arbeitsplätze sichern, gibt es eine hohe Akzeptanz, sagt Geschäftsführer Henning Schlöder.

Und SD-Blech ist nicht die einzige Firma, die auf die Branche setzt. Seit die Bundesregierung angekündigt hat, dass sie mehr als 100 Milliarden Euro in die Verteidigung investieren will, sind die Auftragsbücher der Rüstungskonzerne gut gefüllt - und damit auch die Bücher der Zulieferer.

Militär ist interessant für Metallbauer

Auch in der Region Trier gibt es weitere Firmen, die für die Rüstungsindustrie arbeiten. Das bestätigt die Handwerkskammer in Trier: "Aus unseren Kontakten können wir schon entnehmen, dass die Nachfrage durch das Militär für einige Betriebe ein interessantes Geschäftsfeld darstellt".

Gemeint sind nicht nur Metallbauer, denn investiert wird ja nicht nur in Wehrtechnik, sondern auch in die Kasernen der Bundeswehr. "Und wenn Gebäude modernisiert werden, können etwa Fensterbauer, Maler, Fliesen- und Bodenleger oder Schreiner beauftragt werden", heißt es bei der Handwerkskammer.

Eifel/Mosel/Hunsrück

Neues Angebot des SWR Studios Trier Nachrichten aus der Region Trier jetzt auf WhatsApp lesen

Das SWR Studio Trier ist jetzt auch auf dem Messenger-Dienst WhatsApp aktiv. Dort finden Sie regionale Nachrichten von Mosel und Saar, aus der Eifel, Hunsrück und Hochwald.

Von einer Trendwende will man dort allerdings nicht sprechen. Die sieht auch Henning Schlöder nicht. Denn längst nicht jeder Betrieb, der sich für eine Zusammenarbeit mit der Rüstungsindustrie interessiert, kommt zum Zug, sagt der Geschäftsführer: "Früher mussten sich die Kunden in der Branche ihre Lieferanten suchen gehen. Heute werden sie täglich von Firmen kontaktiert, die für sie arbeiten wollen."

Firma arbeitet schon länger für Rüstungsindustrie

Was sich für SD-Blech auszahlt: Die Firma pflegt schon länger Kontakte in die Branche. "Wir haben schon für die Rüstungsindustrie gearbeitet, bevor es diesen Boom gab", sagt Schlöder - wenn auch nicht in diesem großen Umfang.

Zudem kann nicht jeder Betrieb das, was der Metallbauer aus Zemmer anbietet. Das Unternehmen hat sich auf das Schweißen spezialisiert. Mitarbeiter wie der Ingenieur Jonas Pohr wurden für komplexe Arbeiten und im Umgang mit Robotern und modernster Technik geschult.

"Die Anlagen, die wir hier haben, gibt es nicht in jedem Betrieb", sagt Pohr: "Und wir haben auch das Know-How, um sie zu bedienen."

Jonas Pohr arbeitet als Schweißbauingenieur bei SD-Blech in Zemmer.
Jonas Pohr arbeitet als Schweißbauingenieur bei SD-Blech in Zemmer. Teile für die Wehrtechnik herzustellen, ist für ihn Routine.

Rüstung gibt Sicherheit für Firma

Letztlich seien die Produkte für die Rüstungsindustrie mit diesen Mitteln nicht schwieriger herzustellen als etwa Bauteile für Straßenbaumaschinen oder Ernte-Traktoren, sagt Pohr. Für ihn sind es Produkte wie alle anderen auch.

Für seine Firma allerdings sind die Teile eine Chance, sich in der Wirtschaftskrise am Markt zu behaupten, sagt Henning Schlöder: "Es gibt uns und unseren Mitarbeitern eine gewisse Sicherheit in dieser unsicheren Zeit."

Engelsbrand, Enzkreis

Unternehmen wollen für Luft- und Raumfahrt produzieren Neue Chancen für Autozulieferer in der Region Nordschwarzwald in der Luftfahrt?

Der Automobilbranche geht es schlecht - wie auch vielen Zulieferbetrieben in der Region. Einige suchen sich jetzt neue Geschäftsfelder, etwa in der Luft- und Raumfahrttechnik.

SWR4 Konfetti-Radio SWR4

Ulm

Auswirkungen am Beispiel der Region Ulm Vier Jahre Krieg in der Ukraine: Wirtschaft ächzt, Rüstungsindustrie boomt

Auch wenn der Krieg in der Ukraine weit weg ist, er hat direkte Auswirkungen auf das Leben in der Region Ulm: Das Rüstungsunternehmen HENSOLDT wächst, die Wirtschaft leidet und die Bundeswehr denkt neu.

Friedrichshafen

"Zeitenwende hat Branche erreicht" Rüstungsindustrie boomt: Neuer Großauftrag für Motorenhersteller vom Bodensee

Die NATO-Staaten rüsten auf - und das bedeutet Aufträge für Rolls-Royce Power Systems in Friedrichshafen. Der Motorenhersteller soll weitere 350 Antriebe für Panzer liefern.

Kaiserslautern

Halle soll ausgebaut werden 400 neue Arbeitsplätze: Rüstungsunternehmen General Dynamics hat in Kaiserslautern große Pläne

Das Rüstungsunternehmen General Dynamics will in Kaiserslautern und Sembach deutlich wachsen. Nach eigenen Angaben sollen mehr als 20 Millionen Euro investiert werden.

SWR4 am Dienstag SWR4