Das St. Joseph-Krankenhaus in Prüm im Eifelkreis Bitburg-Prüm hat Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Das teilte eine Kölner Rechtsanwaltskanzlei mit, die die Klinik vertritt. Ziel sei es, das Krankenhaus in Zukunft strukturell neu aufzustellen.
Krankenhaus schreibt rote Zahlen
"Das Krankenhaus kann sich in seiner jetzigen Form auf Dauer nicht mehr refinanzieren", sagt der zuständige Insolvenzanwalt André Dobiey. Ein Blick in die Jahresabschlüsse der vergangenen Jahre zeigt, dass das Krankenhaus seit 2021 jedes Jahr einen Verlust von mehreren Hunderttausend Euro macht.
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Vor allem die immer höheren Ausgaben für Personal, Energie und andere Leistungen hätten das Krankenhaus in der Vergangenheit zunehmend belastet.
Finanzielle Unterstützung für Klinik
Laut Insolvenzanwalt bekommt das St. Joseph-Krankenhaus von den Krankenkassen sogenannte Sicherstellungszuschläge, also eine finanzielle Hilfe, damit das Krankenhaus halbwegs seine Kosten decken kann. Allerdings müsse die Klinik in Vorkasse treten. Das Krankenhaus erhalte diese Ausgleichszahlungen immer erst im Folgejahr.
Dem Krankenhaus wäre ansonsten zum Jahresende das Geld ausgegangen.
Auch der katholische Träger unterstützt das Krankenhaus dem Anwalt zufolge seit Jahren finanziell. Dieser habe jetzt aber signalisiert, dass er das auf Dauer nicht mehr machen kann. Daher hätten die Geschäftsführer des Krankenhauses beschlossen, Insolvenz in Eigenverwaltung zu beantragen. "Dem Krankenhaus wäre ansonsten zum Jahresende das Geld ausgegangen", sagt Insolvenzanwalt Dobiey.
Mitarbeiter bekommen weiterhin Gehalt
Trotz der Insolvenz seien die Gehälter für die mehr als 450 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gesichert. Bis Ende Januar sollen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihren Lohn durch das Insolvenzgeld von der Agentur für Arbeit bekommen. Ab Februar werde das Prümer Krankenhaus das Gehalt wieder vollständig übernehmen. Laufende Verträge mit externen Dienstleistern würden weiterhin erfüllt werden. "Diese Übergangszeit verschafft uns einen Puffer", so Dobiey weiter.
Für Patientinnen und Patienten soll es keine Einschränkungen geben. Der Krankenhausbetrieb laufe trotz des Insolvenzverfahrens uneingeschränkt weiter. Auch das vom Prümer Krankenhaus betriebene medizinische Versorgungszentrum soll für die Menschen wie gewohnt geöffnet bleiben.
Gespräche mit Politik geplant
"In der kommenden Woche werden Gespräche mit politischen Vertretern stattfinden, um das weitere Vorgehen im Insolvenzverfahren zu sprechen", sagt der Anwalt. Unter anderem ist ein Runder Tisch in Mainz mit allem Beteiligten geplant. Dazu hatte das rheinland-pfälzische Gesundheitsministerium eingeladen.
"Ohne externe Unterstützung wird das Krankenhaus sich nicht mehr refinanzieren können", betont Dobiey. Ziel der Gespräche sei es, eine schnelle Lösung für die Klinik zu erarbeiten.
Prümer Krankenhaus bleibt
Wie das St. Joseph-Krankenhaus künftig wieder kostendeckend arbeiten kann, das soll in diesen Gesprächen geklärt werden. "Es ist möglich, dass das Krankenhaus in Zukunft mit anderen Kliniken kooperiert, ein anderer Träger das Krankenhaus übernimmt, ein Investor einsteigt oder dass ein anderer Standort in Prüm für das Haus gesucht wird", sagt Dobiey.
Das Krankenhaus darf per Gesetz nicht geschlossen werden.
Es sei aber nicht angedacht, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter freigestellt oder entlassen werden. Abteilungen im Krankenhaus sollen ebenfalls nicht schließen. Die Klinik komplett dicht zu machen, sei keine Option. "Das Krankenhaus ist wichtig für die Daseinsvorsorge. Es darf per Gesetz nicht geschlossen werden", so der Anwalt weiter.
Politik: Krankenhaus für Eifel wichtig
Politische Akteure aus der Eifel hatten betont, wie wichtig das Prümer Krankenhaus für die Eifel ist. "Wir werden uns mit aller Kraft dafür einsetzen, dass der Betrieb erhalten bleibt und die Menschen in unserer Region weiterhin auf eine wohnortnahe stationäre Versorgung vertrauen können", so der Landrat des Eifelkreises Bitburg-Prüm, Andreas Kruppert (CDU).
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Ähnlich sieht es auch der rheinland-pfälzische Gesundheitsminister Clemens Hoch (SPD): "In der aktuellen Situation ist das Krankenhaus in Prüm relevant für die Sicherstellung der gesundheitlichen Versorgung im Eifelkreis", sagt der SPD-Politiker.