Der Kreistag Mayen-Koblenz hat in einer nicht-öffentlichen Sitzung am Montag dafür gestimmt, der Gesellschafterversammlung des Gemeinschafsklinikums Mittelrhein (GKM) vorzuschlagen, ein Schließungskonzept für den Standort Boppard zu erstellen - sollte sich der Rhein-Hunsrück-Kreis in Zukunft nicht an der Finanzierung beteiligen. Das teilte Landrat Marko Boos (SPD) im Gespräch mit dem SWR mit. Der Kreis habe sich diese Entscheidung nicht leicht gemacht.
"Heute haben wir beschlossen, dass wir die Verluste des Standortes 2026/27 nochmal zu 30 Prozent auffangen würden, wenn der Rhein-Hunsrück-Kreis ab 2026 70 Prozent geben würde - das ist ein riesen Zeichen für Boppard, dass wir es eigentlich weiterführen wollen, aber leider haben wir die Info bekommen, dass der Rhein-Hunsrück-Kreis dies abgelehnt hat", so Boos.
Rhein-Hunsrück-Kreis weist Kritik zurück
Der Landrat des Rhein-Hunsrück-Kreises, Volker Boch (parteilos), sagte dem SWR dazu am Dienstagmorgen, es handele sich in seinen Augen nicht um ein Angebot, sondern um eine Forderung. Der geforderte Betrag sei zudem ungedeckelt - das heißt, es ist keine bestimmte Summe festgelegt. Das stelle für den Kreistag ein zu hohes Risiko dar, das sei indiskutabel, sagte Boch. Trotzdem sieht der Landrat nach eigenen Angaben noch eine Chance für den Standort.
"Es gibt funktionsfähige Abteilungen, die wirtschaftlich funktionieren und einen sehr guten Ruf haben - über die Kreisgrenzen hinaus", sagte Boch. Auf diese Abteilungen solle die Geschäftsführung des GKM setzen und für sie einen tragfähigen Weg entwickeln. Das sei aber bislang nicht passiert. Das GKM habe es außerdem versäumt, verbindlich Gespräche mit potentiellen Trägern zu führen.
Er sei trotzdem für einen weiteren Austausch bereit, so Boch. Gesundheitsminister Clemens Hoch (SPD) hat alle Beteiligten für Mittwoch zu einem Gespräch eingeladen.
Verhärtete Fronten zwischen Gesellschaftern und Rhein-Hunsrück-Kreis
Bislang scheinen die Fronten zwischen der Stadt Koblenz und dem Kreis Mayen-Koblenz als Hauptgesellschafter des GKM auf der einen Seite und dem Rhein-Hunsrück-Kreis auf der anderen Seite aber ziemlich verhärtet. Jeder sieht, die jeweils andere Seite am Zug, das Krankenhaus zu retten.
Schon vergangene Woche hatte der Koblenzer Oberbürgermeister David Langner (SPD) darüber informiert, dass der Koblenzer Stadtrat für die Schließung des Standortes Boppard gestimmt habe. Denn der Rhein-Hunsrück-Kreis hat bislang keine Zusagen gemacht, das Krankenhaus auch über 2025 hinaus mit zu finanzieren.
Rhein-Hunsrück-Kreis soll auch weiterhin für Verluste aufkommen
David Langner war im Gespräch mit dem SWR zuletzt überzeugt, dass eine Schließung des Standorts nur dann vermieden werden könne, wenn der Rhein-Hunsrück-Kreis auch künftig für die Verluste des Krankenhauses aufkomme: "Ich als Oberbürgermeister muss schauen, dass ich die Menschen in dieser Stadt gesundheitlich gut versorge. Ich kann den Menschen in Koblenz nicht erklären, warum ich Geld nach Boppard gebe in ein Krankenhaus und dafür andere Dinge in Koblenz nicht machen kann." Ähnlich argumentiert auch der Mayen-Koblenzer Landrat Boos. Der Ball liege jetzt beim Rhein-Hunsrück-Kreis.
Frist bis zum 10. November 2025 Krankenhaus Boppard: GKM setzt Rhein-Hunsrück-Kreis ein Ultimatum
Es geht wieder ums Geld: Das Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein fordert vom Rhein-Hunsrück-Kreis, in den nächsten beiden Jahren den Großteil des Defizits zu bezahlen. Der lehnt das ab.
Kreis: GKM-Gesellschafter "entziehen sich ihrer Verantwortung"
Der Rhein-Hunsrück-Kreis sieht das anders. Er habe sich 2024 zusammen mit der Stadt Boppard und der Stiftung Heilig Geist dazu bereit erklärt, die Verluste des Krankenhauses bis Ende 2025 zu übernehmen. Diese Unterstützung habe immer einen klaren zeitlichen Rahmen gehabt - und der gehe jetzt zu Ende, so Landrat Boch.
Mit dem Vorschlag, dass der Rhein-Hunsrück-Kreis auch in Zukunft für einen Großteil der Verluste aufkommen soll, entziehe sich das "GKM seiner eigenen Verantwortung als Träger und Betreiber des Krankenhauses Boppard". Die GKM-Gesellschafter könnten die Verantwortung nicht einfach an den Rhein-Hunsrück-Kreis und die Stadt Boppard verlagern, teilte der Kreis mit.