Klimaliste, ÖDP und Co.

Landtagswahl 2026: So viel Macht haben Klein- und Kleinstparteien

Sie haben wenige Mitglieder und sitzen nicht in Parlamenten, ignorieren sollte man sie trotzdem nicht. Warum das so ist und was Kleinparteien erreichen können, erklären wir hier.

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Stand

Wie bei der vergangenen Landtagswahl vor fünf Jahren treten auch dieses Mal 21 Parteien in Baden-Württemberg an: große, kleinere und Kleinst-Parteien. Vor allem von Letzteren wird oft wenig Notiz genommen. Gebündelt sichtbar werden sie allerdings in Umfragen oder an Wahlabenden in Hochrechnungen. Dort werden die Ergebnisse aller Parteien, die unter der Fünf-Prozent-Hürde landen und es nicht ins Parlament schaffen, unter "Sonstige" zusammengefasst. Ihr Ergebnis kann Auswirkungen auf die Bildung einer neuen Regierung haben, je nachdem wie viel Prozent sie am Ende alle zusammen haben.

Was sind Klein- und Kleinstparteien?
Warum Ein-Themen-Parteien größere Parteien Prozente kosten können
Wie "Sonstige" die Regierungsbildung beeinflussen können
Staatliche Zuschüsse: Warum sich der Kampf um jede Stimme lohnt

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Was sind Klein- und Kleinstparteien?

Auf den Wahlzetteln zur Landtagswahl am 8. März 2026 stehen zuerst die fünf aktuell im Landtag vertretenen Parteien, danach folgen unter anderem die Linke, das Bündnis Sahra Wagenknecht - Vernunft und Gerechtigkeit (BSW) oder die Tierschutzpartei, die Partei für Verjüngungsforschung und die Partei der Humanisten.

"Die kleineren Parteien haben durchaus Chancen ins Parlament einzuziehen", sagt der Politikwissenschaftler Frank Brettschneider von der Universität Hohenheim. Für ihn sind Kleinparteien diejenigen, die mindestens drei Prozent der Stimmen geholt haben. "Die Kleinstparteien dagegen haben keine Chance, in den Landtag einzuziehen. Ihre Namen kennt man oft auch gar nicht", so Brettschneider. Vor allem die Kleinstparteien treten häufig nur mit Landeslisten, in einzelnen Wahlkreisen oder als Einzelbewerber an.

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Am 8. März stellen sich in Baden-Württemberg 21 Parteien dem Votum der Bürgerinnen und Bürger. Viele der kleineren Parteien setzen sich häufig für ein konkretes Thema ein.

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Ein-Themen-Parteien können größere Parteien Prozente kosten

Auch wenn Kleinstparteien nicht im Landtag vertreten sind, unterschätzen sollte man sie nicht. Es gibt einige populäre wie VOLT zum Beispiel: Volt bezeichnet sich selbst als paneuropäisch und konnte bei der Europawahl, aber auch bei der Kommunalwahl in Baden-Württemberg 2024 Erfolge erzielen. Bekannter sind etwa die ÖDP, die PARTEI oder die Tierschutzpartei.

Ein-Themen-Parteien könnten an größere Parteien ein Signal senden, etwas in ihrer Politik zu ändern, beispielsweise mehr für den Klimaschutz zu tun, sagt der Politikwissenschaftler. "Die Klimaliste hat den Grünen am Anfang ganz schön wehgetan." Auch wenn Kleinstparteien nur "einen Prozentpunkt abknabbern", so Brettschneider, könnte die Reaktion einer etablierten Partei sein: "Wenn wir nicht wollen, dass die Klimaliste größer wird, müssen wir handeln und dann braucht es die Kleinstpartei dann ja vielleicht gar nicht mehr."

Brettschneider hält fest: Kleinstparteien könnten für größere Parteien ein "Hinweis" sein, in einem bestimmten Bereich ihrer Politik zu handeln und so Unzufriedene miteinzubinden. Politisch blieben Parteien, die vor allem auf ein Thema setzten, allerdings irrelevant - "zumindest in den Parlamenten", so Brettschneider.

Wie "Sonstige" die Regierungsbildung beeinflussen können

Die Parteien, die bei einer Wahl weniger als fünf Prozent der Stimmen geholt haben, stehen in Grafiken unter "Sonstige". Dort werden ihre Ergebnisse zu einer Prozentzahl addiert. Diese Zahl könnte Einfluss darauf haben, wie viel Prozent der Stimmen eine künftige Regierung für eine Mehrheit der Sitze im Landtag braucht.

Brettschneider nennt ein Beispiel: "Kämen die Sonstigen auf zehn Prozent, dann hätten wir nur 90 Prozent der abgegebenen Stimmen, die nachher relevant sind für die Sitzverteilung im Landtag. Dann muss eine künftige Regierung also nicht 50 Prozent der Stimmen haben, um eine Mehrheit zu erlangen, sondern 45 Prozent würden schon reichen."

Je nach Konstellation, könnte mit 45 Prozent sogar schon ein Zweierbündnis gebildet werden. Bei der Bundestagswahl 2025 haben sogar nur etwas mehr als 43 Prozent gereicht, um im Parlament die Mehrheit der Sitze zu erlangen.

Allerdings bedeuten die Prozente der Sonstigen auch: Je höher ihr Wahlergebnis ist, desto mehr Wahlberechtigte und deren Interessen werden später im Parlament nicht vertreten.

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Staatliche Zuschüsse: Der Kampf um jede Stimme lohnt sich

Auch wenn der Einzug in den Landtag nicht gelingt, der Kampf um jede Stimme könnte sich trotzdem lohnen. Schafft es eine Partei bei Landtagswahlen mindestens 1 Prozent der Stimmen zu holen, gibt es vom Staat Zuschüsse. Bei Europa- und Bundestagswahlen liegt die Hürde bei 0,5-Prozent.

Damit sie sich finanzieren können, erhalten die Parteien für die ersten vier Millionen Stimmen pro Jahr 1,21 Euro pro Stimme und 0,99 Euro für jede weitere Stimme. "Da gibt es einen Sockel bis zu vier Millionen Stimmen, was drüber hinaus geht, hat ein geringeres Gewicht", sagt Brettschneider. Erreicht haben das bei der letzten Landtagswahl 2021 in Baden-Württemberg zum Beispiel die Linkspartei, Die PARTEI, die FREIEN WÄHLER und dieBasis. Weitere Einnahmen für die Parteien sind Mitgliedsbeiträge und Spenden.

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SWR

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