Ihr Interesse an männlichen Ritualen wurde bereits in ihrer Kindheit in der argentinischen Provinz geweckt: Die 1973 geborene Schriftstellerin Selva Almada, die heute in Buenos Aires lebt, beobachtete neugierig die Angelausflüge ihres Vaters mit dessen Freunden. Diese frühe Faszination hat sie in ihrem Roman „Kein Fluss“ literarisch verarbeitet.
Drei Männer. Ein Boot. Und ein riesiger Rochen
Für die Mitfünfziger Enero und El Negro und den Teenager Tilo ist es nur ein spaßiges Wochenend-Abenteuer auf der Nachbarinsel: Sie erschießen einen alten Rochen und hängen ihn wie eine Trophäe an einen Baum, um ihn später, als er zu stinken beginnt, wieder in den Fluss zu werfen.
Dies ruft die einheimischen, naturverbundenen Dorfbewohner auf den Plan. Die Gewalt, die von Anfang an subtil zwischen Dorfbewohnern und Fremden spürbar ist, sammelt sich an und steigert sich – bis zum finalen Ausbruch. Zugleich wird die Handlung durch Rückblenden unterbrochen, in denen erzählt wird, dass Tilos Vater vor Jahren in eben dem Fluss, aus dem die Männer den Rochen gezogen haben, ertrunken ist. Danach haben die Freunde seinen Sohn unter ihre Fittiche genommen.
Ein zerstörerisches Verhältnis zwischen Mensch und Natur, zwischen Mann und Frau
In lakonischer wie kondensierter und bildreicher Sprache beschreibt Almada zwei Welten, die aufeinanderprallen, gibt der Natur eine fast mystische Stimme und wechselt zwischen Gegenwart und Vergangenheit. So entstehen eine vielschichtige, beunruhigende Stimmung und das Bild einer Welt, in der männliche Riten und das Patriarchat im Mittelpunkt stehen, aber auch Frauen eine geheime Macht besitzen.
Während der Fluss ein Sehnsuchts- und Erinnerungsort für die drei Freunde ist, ist der Wald der Insel ein vertrauter Ort der Einheimischen, der sie beschützt und der abweisend gegenüber den Fremden ist. Zugleich spielt der Tod eine große Rolle, sowohl in den Träumen und Gedanken der drei Männer an den ertrunkenen Freund und Vater, aber auch im Leben einer Dorfbewohnerin.
Hörspielregisseur Ulrich Lampen hat den Roman als Spiel innerer und äußerer Stimmen inszeniert.
Nach dem gleichnamigen Roman von Selva Almada
Aus dem Spanischen von Christian Hansen
Mit: Julian Anatol Schneider, Aljoscha Stadelmann, Sebastian Urzendowsky, Astrid Meyerfeldt u. v. a.
Musik: Steffen Schleiermacher
Hörspielbearbeitung und Regie: Ulrich Lampen
SWR 2024
ARD Sounds Große Geschichten - ARD Literatur-Hörspiele
Eintauchen in packende Stories! Weltliteratur, belletristische Highlights, wegweisende Gegenwartsromane und Klassiker von morgen.