Comedian Abdelkarim über Glück und die Magie von Humor
SWR1: Ich finde, das neue Jahr braucht mehr Comedy. Gehst Du da mit?
Abdelkarim: Ja, unbedingt! Ich muss ja meine Miete zahlen.
SWR1: Erstmal herzlichen Glückwunsch zum Mainzer Kleinkunstpreis. Der Ritterschlag in der Comedy und Kleinkunstszene. Wie fühlt sich das an?
Abdelkarim: Wow! Ich kenne den Kleinkunstpreis und das war echt eine große Ehre.
SWR1: Was bedeutet für Dich persönlich Glück?
Abdelkarim: Ich bin der letzte Bahn-Fan Deutschlands! Glück bedeutet für mich, dass der Zug kommt, wie angekündigt und dass auf dem Weg zum Ziel nicht zu viel passiert. Das sind ganz bescheidene Ansprüche an Glück im Moment.
Glück bedeutet für mich, dass der Zug kommt, wie angekündigt.
SWR1: Also Glück, das sind eher die kleinen Momente im Alltag?
Abedelkarim: Auf jeden Fall. Dann hat man viel mehr Chancen, dass das Glück einen trifft. Diese großen Sachen, die kommen ja eher selten im Leben. Das wäre dann ein bisschen eine vertane Chance, wenn man so auf Glück hofft.
Das Schöne an Humor ist auf jeden Fall erst einmal, dass Leute viel lieber zuhören.
Aber die kleinen Momente im Leben, wo man den Zug wider Erwarten doch erwischt oder wo der Tee besser schmeckt als gedacht. Das sind die ganz kleinen Momente, wo man denkt: Jetzt habe ich aber Gänsehaut.
Abdelkarim will mit Gelassenheit und Humor zu Lösungen finden
SWR1: Wie wichtig sind Humor und Lachen für Dich, um schwierige Zeiten zu überstehen und eine positive Einstellung zu behalten?
Abdelkarim: Sehr wichtig. Erst recht bei schwierigen Themen. Das Schöne an Humor ist auf jeden Fall erst einmal, dass dir die Leute viel lieber zuhören. Also, wenn man da mit erhobenem Zeigefinger herumläuft und sagt: So, ich habe die Lösung! Ihr habt alle keine Ahnung! Hört zu! Ich weiß, wie es geht, und ihr seid doch alle dumm.
Das weiß ich von mir selber, wenn Leute mir ihre Meinung geigen und dann dabei Humor anwenden, dass ich dann viel lieber zuhöre. Das geht eigentlich den allermeisten Menschen so. Entspannt darüber reden, dann entstehen sogar die besten Lösungen.
SWR1: Dein aktuelles Programm heißt "Plan Z. Jetzt will er es wissen". Das klingt nach einer gewissen Hartnäckigkeit. Müssen wir Lebensträume, die nicht wahr werden wollen, irgendwann loslassen oder geht es drum, immer weiterzumachen?
Abdelkarim: Wahrscheinlich eine Mischung aus beidem. Also vielleicht sollte man Träume doch irgendwann loslassen – aber nicht zu früh, nicht zu schnell. Wenn Plan B scheitert, läuft sich Plan Z erst richtig warm. Das ist mein Motto: Warum kleine Pläne, wenn man auch mit großen scheitern kann?
SWR1: Zum Beispiel?
Abdelkarim: Ich habe früher zu früh losgelassen, wahrscheinlich. Zum Beispiel: Sixpack, drei Tage vor dem Urlaub. Warum nicht dranbleiben? Da gibt es bestimmt irgendwelche Übungen, die das irgendwie hinkriegen können. Dann gibt es noch den Weltfrieden, das werde ich leider nicht hinkriegen. Aber auch daran glaube ich noch.