Frankreichs Superstar in einem Fantasy-Märchen

Sehenswertes Weihnachtskino für Erwachsene: „Herz aus Eis“ mit Marion Cotillard

In einem verlassen wirkenden Filmstudio zieht die rätselhafte Hauptdarstellerin Cristina die 16-jährige Ausreißerin Jeanne sofort in ihren Bann. Inspiriert von Hans Christian Andersens Märchen „Die Schneekönigin“ erzählt die französische Regisseurin Lucile Hadžihalilović ein poetisches Kinoerlebnis.

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Von Autor/in Rüdiger Suchsland

Unterschlupf in leerstehendem Filmset

Es beginnt mit einer Reise durch eine winterliche Berglandschaft. Jeanne, großartig gespielt von der Debütantin Clara Pacini, findet auf ihrer Reise zunächst keinen Ort, wo sie bleiben kann. Tatsächlich ist sie aus einem Heim ausgerissen.

Man weiß zunächst nicht viel über sie, nur, dass sie das Kino liebt. So ist es ein glücklicher Zufall, dass sie in einem leerstehenden Gebäude Unterschlupf findet, dass sich als Filmset entpuppt.

„Herz aus Eis“ von Lucile Hadžihalilović
An einem Filmset zieht die rätselhafte Hauptdarstellerin Cristina (Marion Cotillard) Jeanne (Clara Pacini) in ihren Bann. Es entwickelt sich eine intensive Faszination, während die Grenzen zwischen Realität und Film verschwimmen.

Man dreht eine Verfilmung von Andersen „Schneekönigin“. Jeanne lernt die Hauptdarstellerin Christina kennen, eine kapriziöse Film-Diva, die mit sich und ihrem Altern kämpft. In sie bringt Weltstar Marion Cotillard ihr eigenes Image produktiv mit ein.

Märchen und Horrorfilm für Erwachsene

Dieser Film ist kein realistischer Film. Es gibt nicht für alles eine Erklärung. Dieser Film ist ein Märchen, er ist ein Horrorfilm, für Erwachsene wie für etwas größere Kinder.

„Herz aus Eis“ von Lucile Hadžihalilović
„Seine Darstellung ist subtil als auch komplex, und seine Kreativität und sein Engagement sind der Traum eines jeden Regisseurs“, sagt Lucile Hadžihalilović über August Diehl, der die Figur Max spielt.

Er ist eine Hommage an das Kino, aber auch an die Phantasie. Es ist Kino, das alle unsere Sinne berührt, und die Zuschauer vor produktive Rätsel stellt, vor Erfahrungen, die neu sind.

Tribut an eine nahe Vergangenheit

Regisseurin Lucile Hadzihalilovic lässt ihren Film in einer nahen Vergangenheit spielen. Es gibt noch Telefonzellen statt Smartphones, Röhrenfernseher statt Internet und Kinofilme werden auf 35mm-Zelluloid gedreht.

Der Film entführt uns mit seiner Hauptfigur, dem Mädchen Jeanne, durch eine magische Schneelandschaft hin zu einem seltsamen Filmset, auf dem eine geheimnisvolle Schauspielerin ihren eigenen Willen dominant durchsetzt.

David Lynchs „Mullholland Drive" lässt grüßen

Der Film erinnert an David Lynchs „Mullholland Drive“ – nicht zufällig auch ein Werk das vom Verhältnis des Kinos zur übrigen Realität erzählt, und das die Grenzen zwischen beidem eher auflösen und unsichtbar machte möchte, als aufklären. Das passt auch zu dieser Regisseurin, die eine ähnlich eigenwillige, prägnante Filmsprache hat wie Lynch.

Wie schon in ihren vorherigen drei Spielfimen geht es auch in „Herz aus Eis“ um Klaustrophobie und Trauer, um weibliche Kindheit und Erfahrungen von Sadismus.

Die Form ist zugleich strahlend schön und unheimlich, labyrinthisch, bizarr und surreal. Ein unbedingt sehenswerter Film, Weihnachtskino für Erwachsene.

Trailer „Herz aus Eis“ ab 18.12. im Kino

Herz aus Eis (offizieller dt. Trailer) | mit Marion Cotillard, August Diehl & Gaspar Noé

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