Unterschlupf in leerstehendem Filmset
Es beginnt mit einer Reise durch eine winterliche Berglandschaft. Jeanne, großartig gespielt von der Debütantin Clara Pacini, findet auf ihrer Reise zunächst keinen Ort, wo sie bleiben kann. Tatsächlich ist sie aus einem Heim ausgerissen.
Man weiß zunächst nicht viel über sie, nur, dass sie das Kino liebt. So ist es ein glücklicher Zufall, dass sie in einem leerstehenden Gebäude Unterschlupf findet, dass sich als Filmset entpuppt.
Man dreht eine Verfilmung von Andersen „Schneekönigin“. Jeanne lernt die Hauptdarstellerin Christina kennen, eine kapriziöse Film-Diva, die mit sich und ihrem Altern kämpft. In sie bringt Weltstar Marion Cotillard ihr eigenes Image produktiv mit ein.
Märchen und Horrorfilm für Erwachsene
Dieser Film ist kein realistischer Film. Es gibt nicht für alles eine Erklärung. Dieser Film ist ein Märchen, er ist ein Horrorfilm, für Erwachsene wie für etwas größere Kinder.
Er ist eine Hommage an das Kino, aber auch an die Phantasie. Es ist Kino, das alle unsere Sinne berührt, und die Zuschauer vor produktive Rätsel stellt, vor Erfahrungen, die neu sind.
Tribut an eine nahe Vergangenheit
Regisseurin Lucile Hadzihalilovic lässt ihren Film in einer nahen Vergangenheit spielen. Es gibt noch Telefonzellen statt Smartphones, Röhrenfernseher statt Internet und Kinofilme werden auf 35mm-Zelluloid gedreht.
Der Film entführt uns mit seiner Hauptfigur, dem Mädchen Jeanne, durch eine magische Schneelandschaft hin zu einem seltsamen Filmset, auf dem eine geheimnisvolle Schauspielerin ihren eigenen Willen dominant durchsetzt.
David Lynchs „Mullholland Drive" lässt grüßen
Der Film erinnert an David Lynchs „Mullholland Drive“ – nicht zufällig auch ein Werk das vom Verhältnis des Kinos zur übrigen Realität erzählt, und das die Grenzen zwischen beidem eher auflösen und unsichtbar machte möchte, als aufklären. Das passt auch zu dieser Regisseurin, die eine ähnlich eigenwillige, prägnante Filmsprache hat wie Lynch.
Wie schon in ihren vorherigen drei Spielfimen geht es auch in „Herz aus Eis“ um Klaustrophobie und Trauer, um weibliche Kindheit und Erfahrungen von Sadismus.
Die Form ist zugleich strahlend schön und unheimlich, labyrinthisch, bizarr und surreal. Ein unbedingt sehenswerter Film, Weihnachtskino für Erwachsene.
Trailer „Herz aus Eis“ ab 18.12. im Kino
Eva Victor erzählt zart und nuanciert Grandioses Filmdebüt: „Sorry, Baby“ erzählt von der Schockstarre nach einer Vergewaltigung
„Sorry, Baby“ handelt davon, wie ein sicher geglaubtes Weltbild zerbricht. In ihrem Debütfilm verarbeitet Eva Victor ein eigenes Erlebnis und spielt die Hauptrolle Agnes in ihren unterschiedlichen Phasen der Erstarrung.