Am Anfang des Films steht ein Banküberfall, der, angelehnt an die Eröffnung des Batman-Films „The Dark Knight“, größtmöglich in Szene gesetzt wird. Zu einem dröhnenden Sound ballert sich eine Gruppe Vermummter durch eine riesige Schalterhalle mit viel Marmor. Ein kleines Mädchen im Schottenrock tritt ihnen entgegen.
„Mission Impossible“ lässt grüßen
Im Stil der „Mission Impossible“-Filme reißt sich das Mädchen die Gesichtsmaske ab. Dahinter steckt ein ausgewachsener Mann und exzellenter Kämpfer. Mit dieser Eröffnung ist der Ton für die Neuauflage der „Nackten Kanone“ gesetzt.
Es geht sehr viel martialischer zu als in der alten Filmreihe mit Leslie Nielsen, in der dieser als Frank Drebin den vielleicht trotteligsten Ermittler der Filmgeschichte spielte. Wo sich das Original parodistisch auf Polizeifilme der 70er bezog, orientiert sich die Neuauflage an Filmen der 90er- und 2000er-Jahre.
Das große Geschäft mit der Nostalgie „Die nackte Kanone“ kehrt zurück – Warum es so viele Remakes von Blockbustern gibt
„Die nackte Kanone“ kehrt zurück. Es gibt immer neue Sequels und Prequels berühmter Filmstoffe. Bei Fans wecken sie nostalgische Gefühle. Für Filmkonzerne ein gutes Geschäft.
Liam Neeson ist sich für keinen Lacher zu schade
Die Actionszenen sind aufwändig inszeniert. Die Hauptrolle des tollpatschigen Ermittlers und Polizistensohns Frank Drebin Junior spielt Liam Neeson. Dabei kann der 73-jährige seine jahrzehntelange Erfahrung als Actionstar einbringen. Gleichzeitig ist er sich für keinen Lacher zu schade: Ob er nun im Röckchen kämpft, eine auf ihn gerichtete Pistole entschärft, indem er sie zerkaut oder sich unbeholfen der Femme fatale, gespielt von Pamela Anderson, annähert.
Das Erfolgsrezept der „nackten Kanone“ ist nicht kopierbar
Regisseur Akiva Schaffer gibt sich gemeinsam mit seinen Drehbuchautoren Doug Mand und Dan Gregor sichtlich Mühe, den Geist des Originals einzufangen. Was aber gar nicht so einfach ist.
Das Erfolgsrezept der ursprünglichen „nackte Kanone“-Schöpfer David und Jerry Zucker sowie Jim Abrahams war ein hochtouriger Humormix aus Genre-Parodien mit Slapstick, Situationskomik und Wortwitz. Dazu der Kontrast, dass die absurdesten Dialoge todernst inszeniert wurden, während im Bildhintergrund allerlei sinnfrei Spaßiges passierte.
Die Neuauflage bleibt hinter dem Original zurück
Auch die Macher der Neuauflage nutzen all diese Elemente beflissen. Und doch springt der Funke nicht so recht über. Denn die Einzelteile fügen sich nicht zu einem Ganzen. Nur wenige Szenen erreichen die maximale Chaos-Eskalationsstufe. Wie zum Beispiel die, als Frank Drebin Junior ein neues E-Auto ausprobiert und aus Versehen nicht nur die Ladesäule aus der Verankerung reißt, sondern auch gleich die Fassade der Polizeistation, so dass Gefangene ausbrechen können.
Der Schurke der Tech-Branche liegt im Trend
Das unheilbringende Fahrzeug stammt übrigens vom Bösewicht des Films, einem Tech-Milliardär. Dieser hat nicht nur das selbstfahrende E-Auto erfunden, sondern auch ein Gadget zur Manipulation der Menschheit in seinen Besitz gebracht. Viel mehr muss man zum Plot nicht wissen. Mit dem Superschurken aus der Tech-Branche liegt der Film voll im Zeitgeist. Davon abgesehen scheut er sich aber vor Anspielungen auf die US-amerikanische Realität.
Liam Neeson in der Hauptrolle macht seine Sache nicht schlecht: die Chemie mit Pamela Anderson funktioniert. Sein Timing stimmt, und er verzichtet auf jeden aufgesetzten Klamauk. Und doch gelingt es ihm nicht, aus dem Schatten des Übervaters Leslie Nielson herauszutreten. Auch dieser legte die Rolle seriös an, war durch seine Mimik aber trotzdem so umwerfend komisch, dass er damit noch den albernsten Scherz adelte.
Es reicht nur zum vergnügten Schmunzeln
Die Neuauflage der „nackten Kanone“ ist kein Film zum Schlapplachen, eher einer zum vergnügten Schmunzeln. In Zeiten, in denen die politische Realität jede Satire an Aberwitz übertrifft, bräuchte ein Film wie dieser mehr humoristische Durchschlagskraft. Und auch mehr Mut, nicht ewig weiter auf die Stoffe der 90er zurückzugreifen, sondern Eigenes zu wagen.
Trailer „Die nackte Kanone“, ab 31.7. im KIno
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