Inspiriert von der Realität: Der Fernsehfilm „Die Nichte des Polizisten“
„Die Nichte des Polizisten“ ist inspiriert von der Realität: Im Jahr 2007 wird die Polizistin Michèle Kiesewetter ermordet, mutmaßlich vom NSU. Der Fall konnte allerdings nie aufgeklärt werden. Dem Filmteam sei schnell klar gewesen, dass sie kein Biopic drehen konnten, da die Geschichte zu viele Fragezeichen aufgewiesen habe, erzählt Dustin Loose in SWR Kultur.
Daher entschieden sie, sich ein gutes Stück weit von der Realität zu entfernen, aber dennoch die Probleme aufzugreifen: Die Hauptfigur, die ehrgeizige Polizistin Rebecca, gerät zwischen Fronten aus organisierter Kriminilität, Rechtsnationalismus und Machtmissbrauch.
In das Drehbuch von Gabriela Sperl, Nicole Armbruster und Rolf Basedow sind jahrelange Recherchen eingeflossen - auch deren Arbeit wird im April mit einem Grimme-Preis ausgezeichnet. Trotz des schweren Themas habe die Arbeit an den Film sein Vertrauen in den Rechtsstaat gestärkt, sagt Regisseur Dustin Loose.
Es geht darum, dass Gerechtigkeit demokratiestiftend ist und uns gesellschaftlich zusammenhält.
Der größte Steuerskandal der Menschheit
Ähnlich ging es ihm auch bei der Arbeit an der achtteiligen Serie „Die Affäre Cum-Ex“, die er für das ZDF realisiert hat. Auch hier konnten in der Realität noch längst nicht alle Steuerlöcher gestopft werden.
Hoffnung geben Dustin Loose dann aber Menschen wie die ehemalige Oberstaatsanwältin Anne Brorhilker, die in Köln im Cum-Ex-Skandal ermittelt hat. Denn sie nähmen ihre Aufgabe, den Rechtsstaat zu schützen, sehr ernst.
Da gibt es Menschen, die mit ganzer Seele versuchen, uns als Gesellschaft zu verteidigen vor denen, die uns schaden wollen.
„Die Affäre Cum-Ex“ ist eine internationale Produktion, die gemeinsam mit acht Rundfunkanstalten entstanden ist, darunter auch Danmarks Radio. Die dänischen Kolleginnen und Kollegen kämen aus einer sehr lebendigen Filmszene und hätten ihren cinematographischen Ansatz eingebracht, erzählt Dustin Loose.
Kulturelle Unterschiede seien auch in der Serie sichtbar: Wenn bei Sitzungen in Frankfurt die Fetzen flögen, säßen die dänischen Protagonisten beim gemeinsamen Frühstück und überlegten, was sie besser machen könnten und wo die Fehler liegen.
Die Arbeit mit Schauspielerinnen und Schauspielerin ist die zentrale Aufgabe für Dustin Loose als Regisseur. Egal, ob mit arrivierten Schauspielern wie Justus von Dohnányi oder mit jungen Schauspielerinnen wie Magdalena Laubisch, die in „Die Nichte des Polizisten“ ihre erste große Hauptrolle übernommen hat.
Immer wieder fasziniere ihn die Neugier und Unbefangenheit, mit der die Schauspielerinnen und Schauspieler an ein Projekt herangingen, so Loose. Experimentierfreude und Offenheit erlebe er bei allen, wenn sie merken, dass sie gesehen würden und gemeinsam an einer Vision gearbeitet werde.
Gelernt bei Rimini Protokoll und Christoph Schlingensief
Dustin Loose hat als Jugendlicher mit der Schauspielerei begonnen, beim Jungen Theater Bonn. Diese Bühne, die für Kinder und Jugendliche inszeniert, besetzt ihre Rollen nicht mit Erwachsenen, sondern mit Darstellerinnen und Darstellern, die im gleichen Alter sind wie ihre Figuren.
Dustin Loose war fünfzehn, als er zum Jungen Theater stieß. Dort arbeitete er auch mit dem Theaterkollektiv Rimini Protokoll zusammen.Bald wollte er jedoch mehr Fäden in der Hand halten und wurde Regieassistent. Er konnte zusehen, wie Christoph Schlingensief in den chaotischsten Proben den Überblick behielt.
Schließlich drehte er mit Gleichgesinnten seinen ersten Kurz- und dann einen Langfilm, der sogar ins Kino kam - da schrieb er gerade Abitur. Bis heute profitiere er von den Dingen, die er damals erfahren habe, sagt Loose: Liebe, Aufmerksamkeit und Genauigkeit bei der Arbeit. Sein Credo:
Wie schaffe ich eine Situation, die den Beteiligten die Angst nimmt und ihnen erlaubt, Dinge zu tun von denen sie noch gar nicht glauben, dass sie dazu in der Lage sind?
Ausgezeichnet Grimme-Preis für „Die Nichte des Polizisten“
Der Polizeithriller von Dustin Loose um eine junge Polizistin wird ausgezeichnet