„Unspoken“ beschäftigt sich mit den Themen Gleichberechtigung, Gender und Feminismus. Der Titel „Anonymous“ beispielsweise bezieht sich auf den Satz von Virginia Woolf „For most of history, Anonymous was a woman”. Dieses Zitat lässt Campiche von vielen Frauen aus verschiedenen Ländern sprechen und vereint die Stimmen zu einem Chor. Julie Campiche hat mit „Unspoken“ ein einzigartiges feministisches Manifest geschaffen, das aufhorchen lässt und die Frau ins Zentrum der Aufmerksamkeit rückt, schwärmt unsere Jazzkritikerin Marlene Küster.
„Andréa Bescond“ aus dem Album „Unspoken“ von Julie Campiche
Album Tipp Jazz „Táctil“ des spanischen Jazzmusikers Marco Mezquida
Die neue Produktion des menorquinischen Pianisten gleicht einem Statement. „Táctil“ erteilt der digitalen, technischen Soundqualität eine Absage und konzentriert sich ganz auf eine Musik, die durch „echte“ Berührung entsteht – durch die Finger, die über das Klavier gleiten oder durch die Hand, die an den Cellosaiten zupft. Mit Perkussionist Aleix Tobías und Cellist Martín Meléndez greift Marco Mezquida auf eine bewährte Zusammenarbeit zurück. Alle 14 Stücke des neuen Albums setzen das Berühren auf unterschiedliche Weise mit anderen Klängen und Dynamiken und gekonnter Improvisation in Szene. Dabei geht es mal fröhlich, mal leise zu und es gibt wie mit den Stücken „Fraternité“ oder „Worlds Hope“ auch politische Botschaften. Für Jazzkritiker Johannes Kaiser „ein Hörerlebnis, das in seiner besonderen Form den Jazz bereichert“.
Album-Tipp Jazz „Vital Spark – Music of Kenny Wheeler“ von Dave Holland, Norma Winstone & London Vocal Project
Der britisch-kanadische Trompeter Kenny Wheeler zählte zu den prägenden Stimmen des europäischen Jazz. Zum einen als Instrumentalist, der die virtuosen wie die lyrischen Töne beherrschte. Zum anderen als Komponist schillernder Klangfarben. Drei alte Wegbegleiter des 2014 verstorbenen Ausnahmemusikers haben kürzlich „Vital Spark“ veröffentlicht – ein Album mit Stücken und Gedichtvertonungen aus seinem Nachlass.
Die Sängerin Norma Winstone, der Bassist Dave Holland und der Chorleiter Pete Churchill mit seinem London Vocal Project haben dieses ungewöhnliche Archivprojekt verwirklicht. „Vital Spark” ist ein Album, das das berührende Wechselspiel zwischen Jazzensemble, Solostimme und Chor wunderbar transparent eingefangen hat – meint unser Jazzkritiker Nilkas Wandt.
Album-Tipp Jazz „Ten One Two“ – Shake Stew Ensemble
Die österreichische Formation trat erstmals 2016 beim Jazzfestival in Saalfelden im Salzburger Land auf und hat sich seither zu einer der spannendsten Bands in der Jazzszene entwickelt. Den rhythmisch dichten Sound verdankt „Shake Stew“ einer ungewöhnlichen Basis-Besetzung: zwei Schlagzeuger, zwei Bassisten und mehrere Bläser. Egal wo das Ensemble auftritt, ob im Jazzclub „Porgy & Bess“ in Wien oder im „Savoy Theater“ in Helsinki, setzt es sein Publikum unter Strom. Zum 10-jährigen Jubiläum hat „Shake Stew“ beim Label „Traumton Records“ unter dem Titel „Ten One Two“ ein Doppelalbum herausgebracht, das vom ersten bis zum letzten Takt einfach nur hinreißend ist, schwärmt unser Jazzkritiker Georg Waßmuth: „Mal zieht das Ensemble die Regler bis zum Anschlag hoch, dann fliegt es kontemplativ auf einem rosaroten Klangteppich davon.“