„Es ist ein einziges Warten und Bangen, ob die Menschen, die zu mir gehören, überhaupt noch am Leben sind“, sagt Mehrdad Zaeri. Seit der Internetblockade hat er keinen direkten Kontakt mehr zu Familie und Freunden im Iran.
Nachrichten über Umwege
Informationen erreichen ihn nur noch bruchstückhaft. „Manchmal geht es über fünf Ecken“, sagt Zaeri. Einzelne Lebenszeichen kommen über Exil-Iranerinnen und Exil-Iraner, über Bekannte mit Satelliten-Internet oder heimlich verschickte Videos.
Besonders erschüttert hat ihn eine letzte Nachricht einer befreundeten Journalistin aus Teheran. Indirekt wird darin deutlich: Die aktuellen Proteste seien kein politisches Projekt mehr, sondern ein Kampf ums nackte Überleben.
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An Kunst ist kaum zu denken
Auch die Kulturszene sei nahezu zum Stillstand gekommen. „Wenn eine Gesellschaft ums Überleben kämpft, bleibt keine Energie für Kunst“, sagt Zaeri. Angst, Armut und Repression zerstören kreative Räume.
Hoffnung gebe es dennoch, nach 40 Jahren Diktatur. Aber sie sei müde geworden. „Die Menschen im Iran entscheiden, wann es endet“, sagt er. Für die Exilgemeinschaft bleibt primär eines: aufmerksam bleiben und nicht wegsehen.
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