Gingko, Kamelien, Bambus

„Phyto-Travellers“ – Geschichte des kolonialen Pflanzenraubs im ZKM Karlsruhe

Pflanzen, die aus den ehemaligen Kolonien in Südamerika und Asien geraubt und im wahrsten Sinne des Wortes nach Europa „verpflanzt“ wurden: Die Künstlerin Eva-Maria Lopez hat 25 von ihnen im Kubus des ZKM in Form eines Schiffsrumpfs angeordnet. Oft wurden ihre indigenen Namen ebenso ausgelöscht wie das Wissen um ihre Heilkraft oder ihre Verwendungsmöglichkeiten in der Küche.

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Stand

Von Autor/in Marie-Dominique Wetzel

Pflanzen aus dem Garten der Künstlerin

Eva-Maria Lopez geht mit dem Gartenschlauch behutsam von Pflanze zu Pflanze: dicht gedrängt stehen große Kübel mit Gingko, Kamelien, Bambus und 22 anderen Pflanzenarten. Die Künstlerin kennt sie alle ganz genau, denn viele stammen aus ihrem eigenen Garten, der Rest ist die Leihgabe einer Karlsruher Baumschule.

Die 60 Pflanzenkübel stehen auf hölzernen Europaletten, die Eva-Maria Lopez in der Form eines Schiffbauchs angeordnet hat: das Schiff von Christoph Columbus.

Eva-Maria Lopez, Phyto-Travellers, 2025
Das Schiff von Christoph Columbus steht sinnbildlich für den Beginn des kolonialen Pflanzenraubs.

Kolonialer Pflanzenraub beginnt mit Columbus

Das Schiff steht sinnbildlich für den Beginn des kolonialen Pflanzenraubs. Wobei viele Pflanzensamen auch als blinde Passagiere an den Schiffsrümpfen oder in den Wasserfässern an Bord mitreisten.

Aber die einstigen Kolonialherren und Forschungsreisenden aus Europa suchten in den fremden Ländern durchaus systematisch nach Pflanzen, die sie in die ferne Heimat mitnehmen konnten.

Eva-Maria Lopez, Phyto-Travellers, 2025
Eva-Maria Lopez beschäftigt sich mit der kulturellen Aneignung und Domestizierung von Pflanzen aus anderen Weltregionen.

Die indigenen Pflanzennamen systematisch ausgelöscht

Eva-Maria Lopez beschäftigt sich schon seit vielen Jahren mit dem Thema Pflanzen-Migration. Bei ihren Nachforschungen stieß die Künstlerin auch darauf, dass die ursprünglichen Namen der Pflanzen, also die Namen, die die indigenen Bevölkerungen den Pflanzen gegeben hatten, systematisch ausgelöscht wurden.

Die europäischen Wissenschaftler taten so, als hätten sie diese Pflanzen „entdeckt“ und benannten sie nach sich selbst. Eva-Maria Lopez hat einige der alten Namen recherchiert.

Das war gar nicht so einfach und ist ihr nur mit Hilfe eines guten, internationalen Botaniker-Netzwerks gelungen. Die Original-Namen hat die Künstlerin mit großen, weißen Lettern an die Glasscheiben des ZKM-Kubus geschrieben.

Eva-Maria Lopez, Phyto-Travellers, 2025
Die Künstlerin hat die Original-Namen der Pflanzen mit großen, weißen Lettern an die Glasscheiben des ZKM-Kubus geschrieben.

Wissen um Heilkraft oder Verwendung der Pflanzen ging verloren

Mit den alten Namen ging oft auch das Wissen um ihre Heilkraft oder ihre Verwendung in der Küche verloren. Und natürlich finden die geraubten Pflanzen in unseren Breiten auch keine idealen Bedingungen vor und mickern oft nur vor sich hin. 

Eva-Maria Lopez, die nach ihrem Studium an der Kunstakademie Karlsruhe zuerst hauptsächlich mit Fotografie gearbeitet hat, ist froh, dass sie jetzt mit ihren künstlerischen Installationen und Projekten ihr botanisches Wissen immer mehr einbringen kann.

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