Die Story hinter dem Roman „Mein innerer Schwarzwald“

Zwischen Schwarzwald und Steppe: Das Erbe der Banater Schwaben

In ihrem Roman „Mein innerer Schwarzwald“ begibt sich Sigrid Katharina Eismann auf eine biografisch-literarische Spurensuche. Ihre Vorfahren wurden im 18 Jahrhundert ins rumänische Banat vertrieben. Wer sind diese Banater Schwaben und wo leben sie heute?

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Von Autor/in David Kirchgeßner

Mein innerer Schwarzwald – einmal ins rumänische Banat und zurück

Es ist eine kaum bekannte Geschichte: Ende des 18. Jahrhunderts wagten Salpetersieder und Freibauern im Hotzenwald, der damals zum Habsburgerreich gehörte, den Aufstand gegen die Obrigkeit. Zur Strafe wurden einige Rädelsführer hingerichtet – andere mit ihren Familien verbannt.

Salpetersieder
Salpeterer bei der Arbeit. Sie sammelten und beschafften Kalksalpeter – einen Grundstoff für Schießpulver.

Zusammengepfercht wie Vieh wurden sie auf flachen Einwegbooten, genannt Ulmer Schachteln, die Donau hinabgeschickt, in ein Gebiet, das damals als unwirtliches, sumpfiges Niemandsland galt. „Salpetern“ wurde zum Synonym für rebellisches Verhalten und die Salpeterer zusammen mit anderen deutschprachigen Siedlergruppen zu den sogenannten Banater Schwaben.

Autorin Sigrid Katharina Eismann ist selbst in Temeswar (rumänisch: Timișoara) im Banat als Banater Schwäbin aufgewachsen. Als sie erfährt, dass die Wurzeln ihrer Familie auf die Salpeterer zurückgehen sollen, macht sie sich im Hotzenwald auf die Suche.

In Ihrem Roman „Mein innerer Schwarzwald“ verknüpft sie die Geschichte der Aufständischen mit ihrer eigenen Jugend. Eine Collage von Episoden, die von der Sehnsucht nach Freiheit erzählen, von Heimat, Familie und Entwurzelung.

Denkmal am Ulmer Donauufer an die Donauschwaben. Von hier aus zogen Siedler im 18. Jahrhundert auf der Donau in den Südosten Europas, von wo sie nach dem zweiten Weltkrieg wieder vertrieben wurden.
Eine Gedenktafel am Ulmer Donauufererinnert an die Donauschwaben. Von hier aus zogen Siedler im 18. Jahrhundert auf der Donau in den Südosten Europas, von wo sie nach dem Zweiten Weltkrieg wieder vertrieben wurden.

Der große Bruch: Weltkrieg und Vertreibung

Denn nach Jahren des Aufbaus in der neuen Heimat blieb die Geschichte der Salpeterer-Nachfahren und Donauschwaben bewegt. Besonders nach dem Zweiten Weltkrieg ist sie von Leid geprägt. Mit dem Frontwechsel Rumäniens am 23. August 1944 begann für die deutsche Minderheit, zu der auch die Banater Schwaben gehörten, eine Zeit der existenziellen Angst.

Zehntausende flohen vor der Roten Armee nach Westen. Wer blieb, wurde oft kollektiv für die Taten des NS-Regimes haftbar gemacht. Im Januar 1945 folgten Deportationen zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion. 1951 wurden zudem Tausende Banater Schwaben in die wasserlose Bărăgan-Steppe innerhalb Rumäniens verschleppt.

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Überleben in der Ceaușescu-Diktatur

Sigrid Katharina Eismann selbst erinnert sich an eine Jugend in den 1970er- und 1980er-Jahren im Schatten der Diktatur Nicolae Ceauşescus, der Rumänien von 1965 bis 1989 beherrschte. Ein Leben geprägt von einem tiefen Zwiespalt und dauerndem Hoffen auf eine Ausreise nach Deutschland.

Während das Regime die Freiheit der Rumäniendeutschen faktisch an die Bundesrepublik Deutschland verkaufte – ein Freikauf gegen Devisen –, hofften viele Familien auf die Ausreise. Auch die von Sigrid Katharina Eismann. Sie beschreibt diesen Zustand als eine Mischung aus Mut und Verzweiflung. In einem Akt des Widerstands schrieb sie sogar einen Brief an den Diktator selbst:

„Es ist ja eine verrückte Idee, den Protestbrief einem Diktator zu übergeben“, erinnert sich Sigrid Katharina Eismann. „Das macht man nicht unter normalen Umständen, aber es zeigt auch die verzweifelte Lage, dass Mut und Verzweiflung zusammen ein kreatives Paar sind und besser als jede Lethargie.“ 1981, mit 16 Jahren, emigrierte sie schließlich mit ihrer Familie nach Deutschland.

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Die Region Banat und Timişoara waren ungarisch, osmanisch, österreichisch, rumänisch. Jede dieser Herrschafts-Phasen hat Spuren hinterlassen. Die Stadt ist multiethnisch und multikulturell.

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Historisches Erbe

Heute lebt die überwiegende Mehrheit der Banater Schwaben in Deutschland. Doch wer die historische Region Banat besucht, merkt schnell: Das Erbe der deutschen Siedler ist nach wie vor präsent – allen voran in Temeswar. Die Stadt gilt als multikulturelles Vorzeigemodell, war 2023 europäische Kulturhauptstadt.

Hier gibt es bis heute angesehene deutsche Schulen wie das Nikolaus-Lenau-Lyzeum, ein eigenes Deutsches Staatstheater und soziale Einrichtungen wie deutschsprachige Altersheime. Gepflegt werden die Traditionen zum Beispiel bei den jährlichen Heimattagen der Banater Schwaben.

Mitglieder der Landsmannschaft Donauschwaben während eines Straßenumzugs anlässlich der Heimattage 2008 in Ulm
Mitglieder der Landsmannschaft Donauschwaben während eines Straßenumzugs anlässlich der Heimattage 2008 in Ulm.

Brauchtumspflege und Jugend

Auch in Deutschland wird das kulturelle Erbe der Banater Schwaben von Landsmannschaften und Vereinen weiter gepflegt. Die traditionelle Kirchweih, gefeiert in prachtvollen Trachten mit Blasmusik ist das vielleicht wichtigste und auffälligste Fest.

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Jugendliche bringen sich in Tanzgruppen ein, organisieren Fahrten zu den Heimattagen in Temeswar oder Brauchtumsseminare, um die Geschichte ihrer Großeltern und Urgroßeltern zu dokumentieren.

Und ein Stück weit trägt auch Sigrid Katharina Eismanns Buch „Mein innerer Schwarzwald“ dazu bei, die Geschichte der Banater Schwaben und der rebellischen Salpeterer weiter präsent zu halten.

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