Ausbrüche und Parallelwelten

Peter Stamms neuer Erzählband "Auf ganz dünnem Eis": "Ich habe meine Figuren nicht im Griff"

Der Schweizer Peter Stamm beherrscht das Genre der Erzählung in Perfektion. Auch in seinem neuen Band „Auf ganz dünnem Eis“ flackern seine Geschichten zwischen Realismus und Unheimlichkeit.

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Von Autor/in Christoph Schröder

Peter Stamm ist ein Star der Gegenwartsliteratur. Sein Debütroman „Agnes“ war für einige Jahre Schullektüre in Baden-Württemberg. In Weinfelden in der Schweiz gibt es sogar bereits einen Peter-Stamm-Weg. In bester Regelmäßigkeit veröffentlicht Stamm Romane und Erzählungsbände. In seinem neuen Buch „Auf ganz dünnem Eis“ sind neun Erzählungen versammelt.

Menschliche Abgründe

An der Leseoberfläche beinahe einladend, führen dieses Erzählungen in menschliche Abgründe, Versuchungen, Fluchtsehnsüchte hinein. In der Titelgeschichte verschwimmt die Lebensrealität einer wenig erfolgreichen Schauspielerin zunehmend mit deren Rollen. In einer anderen baut ein junger Mann sich im Keller seines Elternhauses eine Weltraumsimulation zusammen und probt dort über Monate unter Realbedingungen einen Marsflug.

Mach das jetzt bitte nicht!"

Ja, sagt Peter Stamm, oft seien seine Figuren ihm selbst unheimlich. Und manchmal denke er während des Schreibens: „Nein, mach das jetzt bitte nicht."

Er traue sich heute, im Alter von 62 Jahren, möglicherweise kühnere Konstruktionen zu als in seinen Anfangszeiten. Sein Erzählen, so Stamm, sei möglicherweise eine Spur disparater, weniger gradlinig geworden. Für seine zahlreichen Leserinnen und Leser ein dunkles Vergnügen.

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Christoph Schröder