Als Packerin beim Quelle-Versand

„Das gute Leben“ in Nürnberg? - Nadine Schneider erzählt von Rumäniendeutschen

Anni ist gestorben. Nun muss Enkelin Christina das Haus in Nürnberg ausräumen. Dabei erinnert sie sich an die rumäniendeutsche Großmutter, die in den 60ern nach Deutschland kam.

Teilen

Stand

Die Rumäniendeutsche Anni stammt aus dem Banat. In den 1960er Jahren kommt sie nach Deutschland, siedelt sich in Nürnberg an und beginnt, beim Quelle-Versand zu arbeiten.

„Quelle hat damals in einem Umkreis von bis zu 200 Kilometern um Nürnberg herum Frauen angeworben und mit Quelle-Bussen zur Arbeit gefahren“, erzählt die Autorin Nadine Schneider auf SWR Kultur.

Auch Anni gehört zu diesen Packerinnen am Band. Von ihr erzählt Schneider in ihrem neuen Roman „Das gute Leben“.

Die Enkelin als Ich-Erzählerin

An Anni dachte Nadine Schneider zuerst. Doch der Roman besitzt auch eine Gegenwartsebene: „Plötzlich war da eine Figur, die auf ein Haus zugeht, das sie geerbt hat und in das sie jetzt zurückkehrt. Und dann war mir klar: Okay, da kommt jetzt eine gegenwärtigere Figur in die Geschichte.“

Diese Figur ist Annis Enkelin. Sie ist in etwa so alt wie die Autorin selbst und avancierte bald schon zur Ich-Erzählerin des Romans.

„Ich möchte meinen Blick weiten.“

Nadine Schneider stammt selbst aus einer rumäniendeutschen Familie. 1990 wurde sie in Nürnberg geboren. Heute lebt sie wieder in der Region.

Schon in ihren beiden vorherigen Romanen „Drei Kilometer“ und „Wohin ich immer gehe“ befasste sie sich mit Fluchtgeschichten. Mit ihrem dritten Roman „Das gute Leben“ ist sie in der Gegenwart angekommen.

„Es interessiert mich, meinen Blick immer mehr zu weiten“, sagt sie auf SWR Kultur. „Dazu gehört es auch, mal eine Geschichte aus der Perspektive von mehreren Figuren zu schreiben.“

Schwarzwald

Literatur Mein innerer Schwarzwald – einmal ins rumänische Banat und zurück

Sigrid Katharina Eismanns Familiengeschichte führt von den rebellischen Salpeterern im 18. Jahrhundert im Hotzenwald über das Rumänien der 1980er Jahre bis in die Gegenwart.

SWR Kultur SWR

András Viskys erschütternder Lagerroman Vom Leben in einem Erdloch

András Visky erzählt in seinem autobiografischen Roman von einer Familie, die im kommunistischen Rumänien in die Steppe deportiert wird und in Erdlöchern hausen muss.

lesenswert Magazin SWR Kultur

Komische Paare in den Karpaten Wo Männer noch mit der Sense herumlaufen: Neuer Roman von Dana Grigorcea „Tanzende Frau, blauer Hahn“

Wer spricht hier eigentlich? – Dana Grigorcea spielt in „Tanzende Frau, blauer Hahn“ virtuos mit der Erzählperspektive

lesenswert Magazin SWR Kultur

Erstmals publiziert am
Stand
Gespräch mit
Nadine Schneider
Das Gespräch führte
Katharina Borchardt