Ein gutes Lesejahr
Ein weiteres Jahr geht zu Ende und egal, ob man viel liest oder kaum liest: die meisten werden um diese Zeit über ihr Lesepensum sagen, es hätte größer sein können.
Während Literaturredaktionen Ihnen mit Listen der wichtigsten Bücher des vergangenen Jahres zeigen, was Sie alles nicht gelesen haben, und Bookfluencer Sie mit beeindruckenden Seitenzahlen gelesener Exemplare unter Druck setzen, gilt hier: achteinhalb praktische Tipps, die helfen, Ende 2026 selbst sagen zu können – das war ein gutes Lesejahr!
- Morgens statt abends
- Feste Lesezeiten
- Auch mal hören
- Zwischendurch zahlt sich aus
- Lesen, was andere lesen
- Nicht nur Gedrucktes
- Auswechseln! Abbrechen! Abwechseln!
- Eine Liste fürs Jahr
Tipp 1: Morgens statt abends
Das Lesen fällt für die meisten in die Kategorie Freizeitbeschäftigung. Doch gerade abends, erschöpft von Arbeit, Kinderbetreuung, Bekannte treffen, fehlt bekanntlich die Energie, nochmal ein Buch aufzuschlagen.
Dabei kann helfen, das Lesen (wie beispielsweise den Sport) in den Morgen zu verlegen. Die erste Stunde des Tages mit Kaffee im Bett und einem Buch verbringen, ist nicht nur ein ruhiges Morgenritual. Man kann auch schwerlich abgelenkt werden, wenn andere noch schlafen.
Tipp 2: Feste Lesezeiten
Da Lesen eine Tätigkeit ist, die sich überall vornehmen lässt, fällt es manchmal schwer, ihr den gleichen Raum zu geben wie andere Hobbys. Das Vereinstreffen, der Sprachkurs oder Yoga haben feste Termine? Warum nicht auch die Stunden fürs Lesen? Manche Vielleser blocken sich sogar eigens Termine im Kalender, um ihr anvisiertes Lesepensum zu erfüllen.
Dabei lohnt es schon, sich einmal in der Woche zwei Stunden vorzunehmen, am besten in einem Café, das länger offen hat. Wer es unter der Woche nicht schafft: Am Wochenende lässt sich das auch mit Tipp eins kombinieren, beispielsweise für den Samstagvormittag.
Tipp 3: Auch mal hören
Das Hörbuch wird immer beliebter, die Audiotheken von ARD und SWR bieten zahlreiche Hörbücher an, und auch große Audioanbieter haben ihr Sortiment erweitert. Verlage bringen mittlerweile Neuerscheinungen direkt mit Hörbuch auf den Markt.
Hörbücher SWR Kultur Hörbuch
SWR Kultur Hörbuch präsentiert bemerkenswerte neue Erzählwerke genauso wie die großen Romane der Weltliteratur. Jeden Monat gibt es auf SWR.de und in der ARD Audiothek eine neue Lesung.
Während sich kurze Romane in wenigen Spaziergängen durchhören lassen, empfiehlt es sich, Sachbücher kapitelweise zwischendurch zu hören.
Bei dickeren Büchern bietet es sich zudem an, wenn es der Geldbeutel hergibt, sowohl Print- als auch die Hörversion zu erstehen: So kann man, wenn etwas anderes ansteht, auch mal ein Kapitel anhören – und das nächste wieder in Ruhe lesen.
Tipp 4: Zwischendurch zahlt sich aus
Vielleser schwören darauf, dass das Zwischendurchlesen ihnen ermöglicht, so viele Bücher durchzuarbeiten: In der U-Bahn, im Wartezimmer, auf dem Spielplatz, zehn Seiten hier, acht Seiten dort, zwanzig Seiten hier – wer das täglich macht, schafft einen 250-Seiter pro Woche wie von selbst.
Je nach Lesetyp ist diese Methode aber nicht für alle Bücher gleich gut geeignet: Gewisse Romane mit formalem Anspruch wird man so nicht durchdringen können. Leichtere Romane und Sachbücher mit vielen Unterkapiteln kann man so hingegen zügig lesen.
Tipp 5: Lesen, was andere lesen
Ehrlich gesagt: Ganz ohne Druck wird es nicht gehen, wenn man seine Leseliste verlängern will. Manche suchen sich dafür Leseclubs, die dazu anhalten, Bücher für die Treffen vorzubereiten.
Wer es in niedrigschwelliger Form angehen will, kann den gesunden Wetteifer im engen Umfeld suchen. Beispielsweise, indem man sich das gleiche Buch wie der Freund oder die Schwester zur Hand nimmt.
Während die andere Person idealerweise schon zu dreistelligen Seitenzahlen vorangeschritten ist, ist man angehalten zügig hinterher zu lesen. Wichtig: Unbedingt davon erzählen, sodass man ein Gespräch über das Buch schuldig ist.
Tipp 6: Nicht nur Gedrucktes
Ja, natürlich ist das Lesen auf Papier die ideale Weise, sich in eine geschriebene Welt zu begeben. Manche Vielleser mahnen, man müsse unbedingt das Handy ausschalten oder es in ein anderes Zimmer legen.
Kein schlechter Tipp natürlich. Da wir uns aber heutzutage längst daran gewöhnt haben, digital zu lesen (seien es Nachrichten der Welt oder die von Freunden), kann man sich selbst auch austricksen, indem man genau dort liest, wo man sich ohnehin aufhält: auf dem Bildschirm. Dafür wichtig: Eine ordentliche PDF, Flugmodus an.
Wessen Smartphone groß genug ist, kann sich auch so ein paar Seiten zu Gemüte führen (siehe Tipp vier). Und für diejenigen, die sich damit anfreunden können, sei der E-Reader angeraten, der übrigens qua Handlichkeit fast ähnliche Dopaminausschüttungen auslöst wie das Handy.
Tipp 7: Auswechseln! Abbrechen! Abwechseln!
Die Lesemotivation hochzuhalten ist nicht immer einfach. Nicht alle Bücher sind gleich gut geschrieben, vor allem aber sind sie auch nicht gleich gut gesetzt.
Wer schonmal versucht hat, achthundert Seiten in einer Taschenbuchausgabe aus den 1980er-Jahren zu lesen, wird sie wahrscheinlich nicht beendet haben. Einen Klassiker sollte man sich daher getrost nochmal in schöner Ausgabe besorgen – denn großartige Sätze brauchen einen großzügigen Satz.
Wenn ein Buch nach den ersten fünfzig Seiten nicht gefällt, ist es zudem vollkommen in Ordnung, es einfach wegzulegen. Man muss nicht den ganzen Kanon kennen, und auch nicht alle aktuellen Bücher gelesen haben, um mitreden zu können. Man sollte das lesen, was einen interessiert, was einem gefällt, was einen in positiver Weise herausfordert.
Sinnvoll ist dabei auch, Genres, Gattungen, Themen und Längen abzuwechseln. Man zeichnet sich nicht als Leserin dadurch aus, dass man nur eine Sorte Buch liest. Ein Theaterstück und ein Young-Adult-Roman zwischen dem Literaturklassiker und der Biografie hält einen bei Leselaune.
Tipp 8½: Eine Liste fürs Jahr
Monate, Seitenzahlen, zu Ende gelesen, abgebrochen, ein paar Notizen zur Leseerfahrung: Für sich Literaturredaktion zu spielen und zum Jahresende eine Leseliste zu überblicken, ist nicht nur eine Form der Wertschätzung – es hilft auch, sich im kommenden Jahr anzuspornen, sie ein wenig länger werden zu lassen.
Und für die, die es nicht ganz schaffen, wie erhofft: Sich mit Büchern zu umgeben, ist dem Lesen schonmal näher dran, als keine Bücher zu kaufen. Das japanische Wort fürs Bücherhorten, Tsundoku, hat sich zuletzt als Bonmot für diese etwas schambehaftete Tätigkeit verbreitet.
Ein halber Extra-Tipp also: Nicht lesen, sondern durchblättern. Das macht es wahrscheinlicher, sich das Buch doch noch aus dem Schrank zu holen. Wenn nicht im neuen, dann vielleicht im nächsten Jahr.