„Redleaf“ ist der Strand, an den sich Hilary Geddes gerne flüchtete, und die Musik des Albums klingt genauso: Die Melodien erinnern an Meer, Steppe, Himmelsspektakel. Die Gitarre hat eindeutig die Führung, gibt aber auch genügend Raum für die Interpretationen und Improvisationen der anderen drei Musiker. Hilary Geddes lässt in ihrem Spiel immer wieder Bluesklänge aufblitzen. Auch dadurch bekommt das Album eine besondere Note und wird von Musikredakteur Niklas Wandt unbedingt zum Hören empfohlen.
Album Tipp Jazz Highlife, Afrobeat und Jazzfunk - „Chasing Shadows" von der britischen Band Nubiyan Twist
In den letzten Jahren haben eine Reihe Bands aus Großbritannien für Furore weit über die Jazzszene hinaus gesorgt - darunter auch Nubiyan Twist. Basis ihrer Musik ist ein zugänglicher, groove-basierter Sound, der sich aus einem reichen Fundus der Stile speist - neben Jazz, Fusion und Hiphop verarbeiten sie vor allem die Musiken der afrikanischen und afrokaribischen Diaspora.
Album Tipp Jazz Westlicher Jazz mit ostasiatischer Prägung
Wenn die Guzheng einsetzt ist klar, hier geht es um Ostasien. Die Wölbbrettzither kommt aus China und wird auf dem Album „Waypeople“ meisterhaft gespielt von Jia Ling. Bandleader Jake Baxendale hat sie zu seinem Jazz-Sextett dazugeholt, um die Vertonungen von Laotse-Texten auch musikalisch eine asiatische Prägung zu geben. Die Stücke des Albums sind stilistisch sehr breit angelegt und reichen von der Pop-Ballade bis zum introvertierten Lied. Für Jia Ling war Improvisation eine völlig neue, aber sehr bereichernde Erfahrung. Sollte es Auftritte in China geben, plant sie schon, die philosophischen Texte aus dem Daudejing in Originalmandarin zu performen.
Album Tipp Jazz „Táctil“ des spanischen Jazzmusikers Marco Mezquida
Die neue Produktion des menorquinischen Pianisten gleicht einem Statement. „Táctil“ erteilt der digitalen, technischen Soundqualität eine Absage und konzentriert sich ganz auf eine Musik, die durch „echte“ Berührung entsteht – durch die Finger, die über das Klavier gleiten oder durch die Hand, die an den Cellosaiten zupft. Mit Perkussionist Aleix Tobías und Cellist Martín Meléndez greift Marco Mezquida auf eine bewährte Zusammenarbeit zurück. Alle 14 Stücke des neuen Albums setzen das Berühren auf unterschiedliche Weise mit anderen Klängen und Dynamiken und gekonnter Improvisation in Szene. Dabei geht es mal fröhlich, mal leise zu und es gibt wie mit den Stücken „Fraternité“ oder „Worlds Hope“ auch politische Botschaften. Für Jazzkritiker Johannes Kaiser „ein Hörerlebnis, das in seiner besonderen Form den Jazz bereichert“.