Basis ihrer Musik ist ein zugänglicher, groove-basierter Sound, der sich aus einem reichen Fundus der Stile speist - neben Jazz, Fusion und Hiphop verarbeiten sie vor allem die Musiken der afrikanischen und afrokaribischen Diaspora, etwa jamaikanischen Reggae und Dub, nigerianischen Afrobeat und ghanaischen Highlife.
Die elf Stücke auf „Chasing Shadows“ sind bemerkenswert vielgestaltig und gelebte Musikpraxis der multikulturellen, postkolonialen Gesellschaft in Großbritannien. „Allein schon soundtechnisch macht es große Freude, dieses Album zu hören - so knackig und taktil, so warm sind die Performances der Band und ihrer vielen illustren Gäste eingefangen", ",meint unser Jazzkritiker Niklas Wandt.
Nubiyan Twist: Chasing Shadows
Album Tipp Jazz Westlicher Jazz mit ostasiatischer Prägung
Wenn die Guzheng einsetzt ist klar, hier geht es um Ostasien. Die Wölbbrettzither kommt aus China und wird auf dem Album „Waypeople“ meisterhaft gespielt von Jia Ling. Bandleader Jake Baxendale hat sie zu seinem Jazz-Sextett dazugeholt, um die Vertonungen von Laotse-Texten auch musikalisch eine asiatische Prägung zu geben. Die Stücke des Albums sind stilistisch sehr breit angelegt und reichen von der Pop-Ballade bis zum introvertierten Lied. Für Jia Ling war Improvisation eine völlig neue, aber sehr bereichernde Erfahrung. Sollte es Auftritte in China geben, plant sie schon, die philosophischen Texte aus dem Daudejing in Originalmandarin zu performen.
Album Tipp Jazz „Táctil“ des spanischen Jazzmusikers Marco Mezquida
Die neue Produktion des menorquinischen Pianisten gleicht einem Statement. „Táctil“ erteilt der digitalen, technischen Soundqualität eine Absage und konzentriert sich ganz auf eine Musik, die durch „echte“ Berührung entsteht – durch die Finger, die über das Klavier gleiten oder durch die Hand, die an den Cellosaiten zupft. Mit Perkussionist Aleix Tobías und Cellist Martín Meléndez greift Marco Mezquida auf eine bewährte Zusammenarbeit zurück. Alle 14 Stücke des neuen Albums setzen das Berühren auf unterschiedliche Weise mit anderen Klängen und Dynamiken und gekonnter Improvisation in Szene. Dabei geht es mal fröhlich, mal leise zu und es gibt wie mit den Stücken „Fraternité“ oder „Worlds Hope“ auch politische Botschaften. Für Jazzkritiker Johannes Kaiser „ein Hörerlebnis, das in seiner besonderen Form den Jazz bereichert“.
Album-Tipp Jazz „Vital Spark – Music of Kenny Wheeler“ von Dave Holland, Norma Winstone & London Vocal Project
Der britisch-kanadische Trompeter Kenny Wheeler zählte zu den prägenden Stimmen des europäischen Jazz. Zum einen als Instrumentalist, der die virtuosen wie die lyrischen Töne beherrschte. Zum anderen als Komponist schillernder Klangfarben. Drei alte Wegbegleiter des 2014 verstorbenen Ausnahmemusikers haben kürzlich „Vital Spark“ veröffentlicht – ein Album mit Stücken und Gedichtvertonungen aus seinem Nachlass.
Die Sängerin Norma Winstone, der Bassist Dave Holland und der Chorleiter Pete Churchill mit seinem London Vocal Project haben dieses ungewöhnliche Archivprojekt verwirklicht. „Vital Spark” ist ein Album, das das berührende Wechselspiel zwischen Jazzensemble, Solostimme und Chor wunderbar transparent eingefangen hat – meint unser Jazzkritiker Nilkas Wandt.