Eine Komponistin zwischen Konsonanz und Chaos
Seit 1981 zeichnet der SWR gemeinsam mit dem Land Rheinland-Pfalz hochkarätige Musikerinnen und Musiker mit dem SWR Jazzpreis aus. Es ist eine der ältesten und einer der renommiertesten nationalen Auszeichnungen seiner Art in Deutschland.
Der Preis ist mit 15.000 Euro dotiert und geht in diesem Jahr an die russische Komponistin und Pianistin Olga Reznichenko. Die Mischung aus Kontrasten und Reibungen macht ihren Sound einzigartig.
„Ich tendiere dazu, Konsonanzen und Dissonanzen zu kombinieren“, erklärt die 34-Jährige. Sie liebt komplexe Rhythmen und ein globales Chaos, in dem alle Elemente miteinander verschmelzen.
Das Klavier als Schlaginstrument
Das Klavier gehört für Olga Reznichenko zu den vielseitigsten Instrumenten überhaupt. Sie betrachtet es auch als Perkussionsinstrument, ähnlich wie einer ihrer großen Vorbilder, Sergej Prokofjew. „Man kann einfach draufhauen oder spielen, und da wird ein Ton kommen“, beschreibt sie begeistert.
Doch Reznichenko bleibt nicht nur beim klassischen Klavier. Manchmal tauscht sie es gegen eine Keytar, eine Mischung aus Synthesizer und Gitarre, die ihr auf der Bühne mehr Bewegungsfreiheit gibt. Mit ihrer Band „Space Schädel“ improvisiert sie frei und experimentiert mit neuen Klängen.
Ein rebellischer Weg zum Jazz
Olga Reznichenko wurde 1989 im südrussischen Taganrog geboren. Ihre Mutter, selbst Musikerin, sorgte für eine klassische Klavierausbildung. Doch kam sie im postsowjetischen Russland mit Jazzaufnahmen in Berührung und wurde zur Anhängerin dieser Musik.
Ihre Eltern verboten es ihr allerdings, Unterricht zu nehmen: „Meine Mama hatte Angst: ‚Ja, Olga, du wirst doch Alkoholikerin und nur in Restaurants spielen.‘“
Jazz als Musik der Freiheit
Doch Reznichenko ließ sich nicht aufhalten. Heimlich schrieb sie sich in Rostow für Jazzklavierunterricht ein und übte, während ihre Eltern glaubten, sie sei bei Freunden. Jazz ist für Olga Reznichenko deshalb Musik der Freiheit, der Rebellion und etwas, das ganz unbedingt zu ihr gehört.
Später zog sie nach Deutschland, wo sie in Leipzig bei Größen wie Michael Wollny und Richie Beirach studierte. Mit ihrem Trio – Lorenz Heigenhuber am Kontrabass und Maximilian Stadtfeld am Schlagzeug – spielt sie heute vor allem Eigenkompositionen.
Für die Zukunft des Jazz wünscht Reznichenko sich, dass diese Musik Menschen zusammenbringt, fordert und Hörgewohnheiten infrage stellt: „Ich bin überzeugt, dass auch dann, wenn Menschen nicht mögen, was sie hören, das immer Raum für Diskussion öffnet“, sagt sie.
SWR Jazzpreis in den letzten Jahren
Ein Musiker, der immer „all in“ spielt Vibrafonist Christopher Dell ist SWR Jazzpreisträger 2025
Vibrafonist Christopher Dell ist SWR Jazzpreisträger 2025. Als Professor für Architekturtheorie verbindet er beide Disziplinen in vielen seiner Arbeiten.