„Vom Glück, im Chor zu singen.“

Jeder und jede kann mitmachen: Warum Chöre uns so glücklich machen

„Es spielt keine Rolle, wer man ist, wo man herkommt, ob man reich ist oder arm“ - im Chor kann theoretisch jeder singen, der sich bestimmte Regeln hält. Was besonders glücklich daran macht und warum ein Chor auch ein Schutzraum sein kann, erzählt Autor Stefan Moster.

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Singen im Chor verbindet die Menschen, setzt Glückshormone frei und kann gesellschaftliche Impulse geben. Der Schriftsteller Stefan Moster hat sich in seinem Buch „Vom Glück, im Chor zu singen.“ mit diesem besonderen Phänomen auseinandergesetzt.

Chor als Gemeinschaft ohne Voraussetzungen

Für Stefan Moster liegt ein zentraler Aspekt des Glücksgefühls im Chor in der Gemeinschaft, die voraussetzungslos sei: „Man muss nicht verwandt sein, nicht befreundet sein, es muss kein Begehren geben, die anderen müssen einem nicht mal sympathisch sein“, erklärt er.

Daneben könne man die Sinnerfahrung machen, sich in eine Gemeinschaft hinein zu begeben und Teil von etwas zu sein, dass am Ende vielleicht sogar beklatscht wird und andere begeistert.

Singen als natürliches Antidepressivum

Im Chor mache man Erfahrungen mit Mehrstimmigkeit, was immer einen positiven Effekt auf den Menschen habe. „Es passieren Dinge im Herz und im Kopf“, sagt Moster, „die tatsächlich wirken wie ein Antidepressivum.“

Man könne den Chor auch als ein „kleines gutes Gesellschaftsmodell“ sehen, das unserer oft chaotischen Welt entgegensteht. Man einigt sich darauf, zusammen zu singen, akzeptiert die Leitung durch eine Chorleiterin und folgt den Noten.

Dabei spiele es keine Rolle, wer man ist, wo man herkommt oder welche Gesinnung man hat. Solch eine Konstellation sei selten, findet Moster. Deshalb könne man die Erfahrung des Chorsingens durchaus auf größere gesellschaftliche Zusammenhänge hochrechnen.

Chöre als Schutzraum

Diese Offenheit mache Chöre auch in schwierigen gesellschaftlichen Kontexten zu Schutzräumen. Besonders beeindruckend sei die queere Chorszene, die selbst in Ländern, in denen Homosexualität kriminalisiert wird, existiert.

Hier bieten Chöre einen Raum, in dem sich Menschen sicher fühlen und gleichzeitig ihre Stimme erheben können, sei es zum Protest oder, um sich selbst zu spüren.

Pop oder Hochkultur: Was zählt, ist das gemeinsame Singen

„Die Glücksgefühle kann man von den Beatles bekommen und auch von Bach“, sagt Moster. Während einige Sängerinnen und Sänger die Herausforderung großer hochkultureller Werke suchen, geht es anderen mehr um die Freude am gemeinsamen Singen.

Ein allgemeiner Trend hin zu mehr Pop im Chor sei schwer zu belegen, so Moster. Allerdings gebe es immer mehr Pop-Chöre, die Menschen anziehen, die sich vielleicht weniger für klassische Musik interessieren.

Ein Buch für alle, die den Wert des Singens erkennen wollen

Mit seinem Buch möchte Stefan Moster nicht nur aktive Chorsängerinnen und Chorsänger ansprechen, sondern auch Menschen, die bisher noch nicht den Schritt in einen Chor gewagt haben. „Es geht darum, wichtige Dinge, die wir als Menschen machen, in ihrem Wert zu zeigen“, erklärt Moster.

Viele Chorsängerinnen hätten ihm nach der Veröffentlichung gesagt, dass sie seine Beschreibungen genauso empfinden, aber selbst nicht in Worte fassen könnten. Genau diesen Beitrag möchte Moster mit seinem Buch leisten.

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Erstmals publiziert am
Stand
Das Interview führte
Malte Hemmerich
Malte Hemmerich, Team SWR Kultur
Interview mit
Stefan Moster
Onlinefassung
Janine Putzek