Album zur Mozartwoche 2026
Mozarts Violinkonzert G-Dur gespielt vom Mozarteumorchester Salzburg lebt von der Aura des Authentischen! Der Orchesterdirektor, Siegwald Bütow, zitiert gern den Werbespruch: „Wir sind das Original“. Nicht zu Unrecht, denn schließlich reicht die Traditionslinie zurück bis zum Jahr 1841, als Constanze Nissen, Mozarts Witwe, das Mozarteum mit begründet hatte.
Pünktlich zur Eröffnung der Salzburger Mozartwoche 2026 präsentiert das Mozarteumorchester jetzt Mozarts fünf gesichert authentische Violinkonzerte. In einer Aufnahme, bei der sich der neue Chefdirigent des Orchesters, Roberto Gonzáles-Monjas, 37, in seiner zweiten Saison noch einmal solistisch präsentiert.
Doku des Mozarteumorchesters zur Aufnahme des neuen Albums
Barockgeige statt Mozart-Original-Instrument
Gonzáles-Monjas hatte seine Karriere als Konzertmeister unter Antonio Pappano und als Solist begonnen. Er leitet das Orchester von der Geige aus – so, wie es zur Mozartzeit üblich war. Allerdings benutzt er hier nicht die Mittenwalder Original-Geige Mozarts, die vom Mozarteum aufbewahrt und ausgestellt wird. Gonzáles spielt auf seiner eigenen Guarneri.
Einen nobles Klangprofil hat diese Violine. Sie klingt glänzend, gesanglich und kraftvoll. In der Mittellage ist sie satt, im Diskant brillant. Sie wurde vom Cremonenser Geigenbauer Giuseppe Giovanni Guarneri gebaut um 1710. Roberto Gonzáles-Monjas spielt sie, als Leihgabe der Rychenberg-Stiftung Winterthur, schon seit etlichen Jahren.
Keine unnötigen Experimente
Selbst die sparsam dosierte Ornamentik hat González-Monjas perfekt auf den Punkt platziert. Das zeugt von profunder Kenntnis der historischen Aufführungspraxis. Trotzdem handelt es sich um hier eine eher klassische Interpretation, die vor allem der unverwüstlich ewigen Schönheit dieser Musik huldigt, mit der der junge Wolfgang Amadeus Mozart eine neue Ausdrucksdichte entwickelte, die den Anfang seines Abschieds aus Salzburg ankündigt.
Das charismatische G-Dur-Konzert ist unter den Violinkonzerten das wohl meistgeübte, auch meistgeliebte. Kaum eines seiner Konzerte sonst ist so populär. Das gilt auch für die anderen vier, insbesondere das A-Dur-Konzert. Da liegt die Frage nahe: Wozu schon wieder eine Neu-Aufnahme?
„Ein echter Meilenstein“
Es gibt eine Überfülle von Lesarten der Mozartschen Violinkonzerte, darunter etliche Aufnahmen, die für sich ebenfalls Authentizität in Anspruch nehmen können. Zuletzt hat Renaud Capuçon vor zwei Jahren eine preiswürdige Gesamteinspielung herausgebracht, er dirigiert ebenfalls von der Solo-Violine aus.
Und dann gibt es auch noch eine Gesamtaufnahme mit Mozarts eigner Violine. Christoph Koncz, Stimmführer der Wiener Philharmoniker, spielte sie 2020 für die Sony ein. Warum hat Roberto González-Monjas auf das Privileg verzichtet, diese heiligen Reliquie des Mozarteums zu benutzen? Er sagt: Das Instrument noch einmal wieder zu beleben, hätte zu viel Aufwand verlangt, versicherungstechnisch und musikalisch. Ihm sei es vor allem anderen wichtig gewesen, diese Konzerte mit seiner „eignen Stimme“ und damit der eigenen Violine zu gestalten.
Letztlich zählt in der Musik der lebendige Klang und da liegt ganz offenbar die Guarneri vorn. Insofern war die pragmatische Entscheidung von Roberto González-Monjas die einzig richtige. Für das Mozarteumorchester ist diese Gesamtaufnahme mit ihm jedenfalls ein echter Meilenstein.
Energieschub dank Gonzáles-Monjas
Sie schließt eine Serie von sechs CDs ab, die mit Mozarts Salzburger Serenaden KV 239 und KV 203 begann und, unter diversen Gast-Dirigenten, demonstrieren sollte, welche Bandbreite dieses Orchester abdecken kann, von Richard Strauss bis Hans Werner Henze.
Nicht jedes dieser Projekte hat den hohen Anspruch so perfekt eingelöst, wie das jetzt González-Monjas mit den Violinkonzerten gelingt. Dieser smarte neue Chefdirigent ist ein Glück: Er hat dem Mozarteumorchester in kürzester Zeit einen kräftigen Energieschub verpasst. González-Monjas wird am 23. Januar die Salzburger Mozartwoche eröffnen, wenn dieses Album auf den Markt kommt: Da musiziert er mit seinem Orchester die Premiere der „Zauberflöte“.
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