Die Pfalz wird diese Woche wieder zur SWR Kultur Jungen Opernstars-Hochburg: Mit dabei ist zum ersten Mal auch Operncoach John Norris, der unter anderem an der Semperoper coacht. Er trainiert die angehenden sechs Jungen Opernstars vor ihrem Auftritt beim Wettbewerbskonzert am Samstag, wenn sie um den hochdotierten Emmerich Smola Förderpreis wetteifern.
Bühnenangst: Ein ständiger Begleiter?
„Am ersten Tag haben wir Bewegungs-, Atem- und Bewusstseinsübungen gemacht, damit der Körper freier wird und die Sänger ein besseres Präsenzgefühl entwickeln“, erklärt Norris. Der erste Eindruck auf der Bühne sei entscheidend. Selbst die besten Talente könnten sich immer weiterentwickeln.
In unserem Beruf gibt immer etwas zu verbessern: ein neues Stück, ein neuer Raum, eine neue Zeit.
Auch erfahrene Sängerinnen und Sänger kämpfen mit Bühnenangst, wie Norris betont: „Es gibt verschiedene Level. Manche sind nur nervös, andere haben echte Angst.“ Übungen wie Atemtechniken und Bewegungsarbeit können helfen, diese Ängste zu überwinden.
„Es ist keine Wunderlösung“, räumt Norris ein, „aber sie lenken den Fokus weg von der Angst und hin zur Musik.“ Der Schlüssel liege darin, sich auf den Moment zu konzentrieren und die Verbindung zum eigenen Körper zu stärken.
Das Geheimnis der emotionalen Tiefe
Ein zentraler Aspekt von Norris’ Arbeit sei das Finden sogenannter „Trägerpunkte“. Diese helfen den Sängerinnen und Sängern, emotionale Tiefe in ihre Darbietung zu bringen, wenn sie allein auf einer Bühne stehen. „Da muss ich Impulse und Inspiration in mir selbst finden, um in Text und Musik reinzukommen“, erklärt der Operncoach.
Dabei geht es nicht nur um rein äußerliche Darstellung. Ein Körpergefühl könne genauso stark sein wie ein Gedanke. Für eine traurige Arie brauche ein begabter Sänger keinen echten Liebeskummer gehabt zu haben: „Die Stimme trägt dieses Gefühl“, zitiert er Christa Ludwig, eine der größten Opernsängerinnen des 20. Jahrhunderts.
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„Du darfst die Töne nicht verfolgen“
Eine der häufigsten Lektionen, die Norris seinen Schülern vermittelt, lautet: „Du darfst die Töne nicht verfolgen.“ Wenn man sich zu sehr auf den nächsten Ton konzentriert, verliere man den Kontakt zum eigenen Körper. „Stattdessen sollte man sich mit dem Text und der musikalischen Absicht verbinden“, erklärt er.
Die Arbeit eines Operncoaches sei dabei immer ein Balanceakt zwischen Anleitung und Freiraum. Bei einem kurzen Coaching wie hier in Kaiserslautern gehe es darum, Kleinigkeiten zu verbessern, ohne die Sänger zu verunsichern. „Am Ende ist es das Beste, wenn sie ganz bei sich bleiben.“
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