Es war richtig, dass ich gehen musste.
Das sagt Karl-Theodor zu Guttenberg im Rückblick auf seine politische Karriere. Er war CSU-Generalsekretär, wurde mit 37 Jahren Wirtschaftsminister und war der jüngste Verteidigungsminister in der bundesdeutschen Geschichte. Der politische Hoffnungsträger stürzte über eine Plagiatsaffäre. Nach seinem Rücktritt 2011 ließ er nach eigener Aussage in den USA seine Depressionen behandeln.
Ich hatte [...] mehr und mehr das Gefühl bekommen, dass ich eigentlich fehl am Platze bin. Und dass ich den Härten dieses Geschäftes körperlich und in Teilen wahrscheinlich auch seelisch nicht so gewachsen bin, wie andere. [...] Und bei mir hat das zunehmend Schaden angerichtet.
Rückblickend denkt er, er hätte früher die Reißleine ziehen und auf die Menschen hören sollen, die es wirklich gut mit ihm meinen.
Guttenberg privat: David Bowie und ein besonderes Bild
Gern erinnert sich Karl-Theodor zu Guttenberg an zwei Begegnungen mit dem Musiker David Bowie, während der Zeit, in der er in New York gelebt hat. Mit ihm unterhielt er sich über den Afghanistan-Einsatz oder Philosophie.
Er war einer der bescheidensten, zurückgenommensten und sicher klügsten Künstler, denen ich begegnen durfte. [...] Wir hatten da zwei ganz wunderbare, lange Gespräche, in denen ich viel lernen durfte.
An einen weiteren besonderen Moment erinnert er sich noch genau: Sein Vater hielt jahrelang ein Bild aus dem 19. Jahrhundert in Ehren, als Erinnerung daran, wie er mit Niederlagen umgehen könne.
Als ich den bittersten Moment meines Lebens hatte und gerade meinen Rücktritt eingereicht hatte, kam ich in mein Haus zurück und sehe ein Paket auf der Eingangskommode liegen, mach das Paket auf und dann ist dieses Bild darin. [...] Das hat mich extrem angerührt.
Jetzt, sagt zu Guttenberg, halte er das Bild in Ehren – bis es irgendwann bei einer seiner Töchter hängen wird.
Wehrpflicht: Wie die Bundeswehr attraktiver machen?
In seiner Zeit als Verteidigungsminister setzte Karl-Theodor zu Guttenberg die Wehrpflicht aus – aufgrund finanzieller Zwänge: Die Wehrpflicht sei nicht mehr finanzierbar gewesen und habe auch rechtlich auf der Kippe gestanden.
Die Aufgabe Deutschland zu schützen wegzudeligieren, bringe das Land nicht weiter und mache Deutschland angreifbar. Weder die Demokratie noch die Freiheit sei ein Selbstläufer.
Wir sind manchmal in einer verhuschten Denkweise; sagen: Es wird im Zweifel alles gut. [...] Der Schrecken und die Möglichkeit, dass etwas Fürchterliches mit uns passiert wird nicht geringer, wenn man es totschweigt und sich herauszieht.
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"Zur Sache! Baden-Württemberg" war an einem Gymnasium in Karlsruhe. Rund 140 Jugendliche konnten Politikern ihre Fragen zur Landtagswahl 2026 stellen - direkt und auf Augenhöhe
Seiner Meinung nach muss die Bundeswehr für junge Menschen wieder attraktiver gemacht werden. Zu Guttenberg denkt dabei an ein Modell wie beispielsweise in Israel: Dort bilde die Armee die besten Tech-Leute aus. Nach ihrer Dienstzeit könnten sie sich kaum vor Jobangeboten retten.
Ich glaube, es ist auch richtig, darüber nachzudenken, ob eine allgemeine Dienstpflicht nicht Sinn macht. Es gibt so viele Felder, in denen man der Gesellschaft etwas zurückgeben kann.
Glauben | ARD-Reihe „Besondere Zeiten“ (1/6) Sehnsucht nach Frieden – Wehrdienst oder Verweigerung?
Wie will die nächste Generation den Frieden erhalten? Die Wehrdienstdebatte ist mit voller Wucht bei den jungen Menschen angekommen. Doch wie werden sie sich entscheiden?
Vorwürfe gegen Katharina Reiche: Konferenz in Tirol
Die aktuellen Vorwürfe gegen seine Lebenspartnerin, Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche, weist zu Guttenberg in SWR1 Leute zurück. Reiche steht in der Kritik, weil sie mit zu Guttenberg im vergangenen Jahr die Konferenz "Moving MountAIns" in Tirol besucht hat, ein mehrtägiges Treffen mit zahlreichen internationalen Gästen aus Politik und Wirtschaft, organisiert von zu Guttenberg und dessen Freund, Österreichs Ex-Kanzler, Sebastian Kurz.
Grüne kritisieren Wirtschaftsministerin Was ist dran an den Vorwürfen gegen Reiche?
Ein Geheimtreffen in Tirol und umstrittene Fördergelder: Die Vorwürfe gegen Wirtschaftsministerin Reiche sorgen seit Monaten für Kritik. Nun hat die CDU-Politikerin im Wirtschaftsausschuss ausgesagt.
Das Wirtschaftsministerium sagt, Reiche habe nicht in ihrer Funktion als Bundesministerin an dem Treffen teilgenommen. In einer Broschüre des Treffens wird sie jedoch als Wirtschaftsministerin vorgestellt. Diese Broschüre sei aber lediglich zur internen Verwendung gewesen, Reiche habe keinen offiziellen Teil gehabt.
Wir äußern uns nicht zu unserem Privatleben und sie war als meine Lebenspartnerin dort und damit hat sich's. [...] Es gab keinen offiziellen Teil und es gab auch keine Ankündigung.
Die Forderung nach Transparenz im Politik-Alltag findet er nach eigener Aussage zwar richtig. Gleichzeitig müsse es "geschützte Räume" geben, um in Gesprächen in die Tiefe gehen zu können. Es würde heute schnell skandalisiert und stigmatisiert, so zu Guttenberg.