Immer mehr Narren sowie Besucherinnen und Besucher setzen inzwischen auf eigene Becher an Fastnacht. Bei den Umzügen und Veranstaltungen im Land sind sie längst in allen Farben und Varianten zu sehen: rot, gelb oder klassisch silbern glänzend, mit Vereinslogo oder dem eigenen Namen eingraviert, bedruckt oder beklebt. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.
Die einen befestigen ihren Becher mit einem Karabinerhaken an Gürteln oder Taschen, die anderen tragen ihren Alubecher an einem Schlüsselband wie eine Medaille um den Hals. Die Gründe dafür sind vielfältig.
Alubecher: praktisch, nachhaltig, sicher
"Ich bin halt nicht gebunden, irgendwo drin zu bleiben, sondern ich kann mein Getränk auch mit mir nach draußen mitnehmen", erklärt einer der Becherbesitzer. Eine andere freut sich darüber, dass dadurch vor allem Müll reduziert wird. Bei dem Gedanken an improvisierte Spülgelegenheiten, wie man sie von Weihnachtsmärkten kennt, dürfte sicherlich auch die Hygiene eine Rolle spielen. Doch für einige sind die Becher neben all den praktischen Aspekten vor allem eines: ein Schutz vor K.-o.-Tropfen.
Becher mit Deckel gegen K.-o.-Tropfen
Denn viele der Becher sind inzwischen mit einem Plastikdeckel ausgestattet, der mit einer kleinen Metallkette am Henkel befestigt ist, damit er nicht verloren geht. Während bei einigen Modellen der Deckel zum Trinken angehoben werden muss, verfügen andere über einen kleinen, wiederverschließbaren Auslass - ähnlich wie bei To-go-Bechern für Kaffee.
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Gemeinsam ist allen Varianten: Sie erschweren es, Feiernden unbemerkt etwas ins Getränk zu mischen. "Ich habe einmal K.-o.-Tropfen abgekriegt – nie wieder", erzählt einer der Feiernden und drückt entschieden den schwarzen Deckel auf seinen Becher. Und durch den Deckel bleibt mehr Getränk im Becher, wenn mal ausgelassener getanzt oder jemand angerempelt wird. "Außerdem muss man kein Pfand bezahlen", freut sich eine andere Besucherin.
Fastnacht mit eigenen Bechern: Umsatzeinbußen beim Veranstalter?
Auf vielen Veranstaltungen müssen die Besucherinnen und Besucher für Flaschen, Plastikbecher, Gläser und manchmal sogar für Einwegbecher zwei oder drei Euro Pfand drauflegen. Damit wollen die Veranstalter verhindern, dass Flaschen, Gläser und Becher geklaut, zerschlagen oder einfach achtlos in die Natur geworfen werden.
"Die meisten Leute sind schon inzwischen auch so, dass sie das Pfand wieder zurückgeben", erzählt Belinda Doehring, die beim Dämmerungsumzug der Gayser-Gilde für ihren Verein hinter der Theke steht. "Das macht für uns ganz ganz wenig Unterschied, ob sie einen Becher oder Pfand haben." Ihrer Schätzung zufolge kommen inzwischen bis zu 70 Prozent der Leute mit einem eigenen Becher.
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Bechergröße sorgt für Herausforderungen bei Veranstaltern
Die Veranstalter sehen im Becher-Trend durchaus auch Vorteile: Sie müssen weniger Becher anschaffen, haben weniger Müll und sparen sich das Spülen. Doch trotz aller Begeisterung zeigt sich ein Problem - die Größe der Becher.
"Wenn du im Verkauf für 0,2 Liter das Schorle anbietest und die Leute kommen mit ihren 0,4-Liter-Bechern, hast du natürlich einen Ausschankverlust. Logisch", so Patrick Fleig aus dem Vorstandsteam der Gayser-Gilde. Während manche Veranstalter die Getränke erst in eigene Becher einfüllen und dann umschütten, scheinen andere den Verlust bisher in Kauf zu nehmen.
Becher im Häs? Zünfte entscheiden individuell
Vor allem in Narrenvereinen sind die Becher inzwischen weit verbreitet. Doch wohin damit während des Umzugs? Ob der Becher mit dem Karabinerhaken kurzerhand an die Hexenschürze, den Süßigkeitenbeutel oder -korb oder an einen Gürtel eingehängt werden darf und so Teil des Häs - also des traditionellen Narrenkostüms - wird, entscheiden die Zünfte selbst.
Viele Gruppen haben allerdings eine sogenannte Häsordnung, in der bestimmte Regeln festgelegt sind. Diese verbieten dann beispielsweise, Becher, Buttons oder andere Dinge am Häs zu befestigen. Wenn dann auch noch der eigene Name in den Becher eingraviert ist, läuft der Narr Gefahr, sein höchstes Gut zu verlieren: seine Anonymität.