Fasnet-Trend eigener Becher

K.-o.-Tropfen an der Fastnacht: Becher mit Deckel zum eigenen Schutz

Sie sind bunt, oft mit Logo oder Namen versehen und haben sich längst in der Fastnacht etabliert: Alubecher mit Karabinerhaken. Ein Wendepunkt im Kampf gegen K.-o.-Tropfen und Müll?

Teilen

Stand

Von Autor/in Samantha Happ

Immer mehr Narren sowie Besucherinnen und Besucher setzen inzwischen auf eigene Becher an Fastnacht. Bei den Umzügen und Veranstaltungen im Land sind sie längst in allen Farben und Varianten zu sehen: rot, gelb oder klassisch silbern glänzend, mit Vereinslogo oder dem eigenen Namen eingraviert, bedruckt oder beklebt. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Die einen befestigen ihren Becher mit einem Karabinerhaken an Gürteln oder Taschen, die anderen tragen ihren Alubecher an einem Schlüsselband wie eine Medaille um den Hals. Die Gründe dafür sind vielfältig.

Eine Garde-Gruppe stößt auf einer Party mit roten Alubechern an.
Eine Garde-Gruppe stößt beim Feiern mit ihren eigens designten Alubechern an. David Kölsch

Alubecher: praktisch, nachhaltig, sicher

"Ich bin halt nicht gebunden, irgendwo drin zu bleiben, sondern ich kann mein Getränk auch mit mir nach draußen mitnehmen", erklärt einer der Becherbesitzer. Eine andere freut sich darüber, dass dadurch vor allem Müll reduziert wird. Bei dem Gedanken an improvisierte Spülgelegenheiten, wie man sie von Weihnachtsmärkten kennt, dürfte sicherlich auch die Hygiene eine Rolle spielen. Doch für einige sind die Becher neben all den praktischen Aspekten vor allem eines: ein Schutz vor K.-o.-Tropfen.

Becher mit Deckel gegen K.-o.-Tropfen

Denn viele der Becher sind inzwischen mit einem Plastikdeckel ausgestattet, der mit einer kleinen Metallkette am Henkel befestigt ist, damit er nicht verloren geht. Während bei einigen Modellen der Deckel zum Trinken angehoben werden muss, verfügen andere über einen kleinen, wiederverschließbaren Auslass - ähnlich wie bei To-go-Bechern für Kaffee.

Kreis Waldshut

"Narri Narro ohne K.O." Mehr Sicherheit an der Fastnacht: Waldshut-Tiengen stärkt Prävention

Nach Verdachtsfällen auf K.-o.-Tropfen im vergangenen Jahr verstärkt die Stadt Waldshut-Tiengen zur Fastnacht den Jugendschutz und setzt auf Info-Stände und Prävention.

Gemeinsam ist allen Varianten: Sie erschweren es, Feiernden unbemerkt etwas ins Getränk zu mischen. "Ich habe einmal K.-o.-Tropfen abgekriegt – nie wieder", erzählt einer der Feiernden und drückt entschieden den schwarzen Deckel auf seinen Becher. Und durch den Deckel bleibt mehr Getränk im Becher, wenn mal ausgelassener getanzt oder jemand angerempelt wird. "Außerdem muss man kein Pfand bezahlen", freut sich eine andere Besucherin.

Fastnacht mit eigenen Bechern: Umsatzeinbußen beim Veranstalter?

Auf vielen Veranstaltungen müssen die Besucherinnen und Besucher für Flaschen, Plastikbecher, Gläser und manchmal sogar für Einwegbecher zwei oder drei Euro Pfand drauflegen. Damit wollen die Veranstalter verhindern, dass Flaschen, Gläser und Becher geklaut, zerschlagen oder einfach achtlos in die Natur geworfen werden.

"Die meisten Leute sind schon inzwischen auch so, dass sie das Pfand wieder zurückgeben", erzählt Belinda Doehring, die beim Dämmerungsumzug der Gayser-Gilde für ihren Verein hinter der Theke steht. "Das macht für uns ganz ganz wenig Unterschied, ob sie einen Becher oder Pfand haben." Ihrer Schätzung zufolge kommen inzwischen bis zu 70 Prozent der Leute mit einem eigenen Becher.

Stuttgart

Statt drei nun zwölf Verdachtsfälle K.o.-Tropfen? Besucher von Motorsport-Event in Stuttgart klagen über Unwohlsein

Drei Personen fühlten sich in der Nacht auf Sonntag so schlecht, dass sie ärztliche Hilfe benötigten. Nun prüfen die Ermittler sogar in zwölf Fällen, ob K.o.-Tropfen der Grund waren.

Bechergröße sorgt für Herausforderungen bei Veranstaltern

Die Veranstalter sehen im Becher-Trend durchaus auch Vorteile: Sie müssen weniger Becher anschaffen, haben weniger Müll und sparen sich das Spülen. Doch trotz aller Begeisterung zeigt sich ein Problem - die Größe der Becher.

"Wenn du im Verkauf für 0,2 Liter das Schorle anbietest und die Leute kommen mit ihren 0,4-Liter-Bechern, hast du natürlich einen Ausschankverlust. Logisch", so Patrick Fleig aus dem Vorstandsteam der Gayser-Gilde. Während manche Veranstalter die Getränke erst in eigene Becher einfüllen und dann umschütten, scheinen andere den Verlust bisher in Kauf zu nehmen.

Becher im Häs? Zünfte entscheiden individuell

Vor allem in Narrenvereinen sind die Becher inzwischen weit verbreitet. Doch wohin damit während des Umzugs? Ob der Becher mit dem Karabinerhaken kurzerhand an die Hexenschürze, den Süßigkeitenbeutel oder -korb oder an einen Gürtel eingehängt werden darf und so Teil des Häs - also des traditionellen Narrenkostüms - wird, entscheiden die Zünfte selbst.

Ein Hästräger läuft einen Fastnachtsumzug. An seinem Gürtel hängt ein Alubecher.
Bei dieser Zunft ist es wohl erlaubt: Ein Hästräger läuft bei einem Fastnachtsumzug mit. An seinem Gürtel hängt ein Alubecher. David Kölsch

Viele Gruppen haben allerdings eine sogenannte Häsordnung, in der bestimmte Regeln festgelegt sind. Diese verbieten dann beispielsweise, Becher, Buttons oder andere Dinge am Häs zu befestigen. Wenn dann auch noch der eigene Name in den Becher eingraviert ist, läuft der Narr Gefahr, sein höchstes Gut zu verlieren: seine Anonymität.

Tuttlingen

Schild auf Damentoilette bei Narrenzunft Nachricht von K.o.-Tropfen auf Toilettenpapier geht viral: Wieso die Angst unbegründet ist

Über soziale Medien verbreiten sich Warnungen vor einer angeblich neuen Gefahr durch K.o.-Tropfen. Auch Narrenzünfte warnen. Die Angst ist unbegründet, sagen Experten.

Landau

Nach Übergriffen im Landauer Nachtleben Gleichstellungsbeauftragte verteilen in Landau Armbänder gegen K.o.-Tropfen

In der Südpfalz wollen die Gleichstellungsbeauftragten auch im kommenden Jahr über die Gefahren durch K.o-Tropfen informieren. Bei einem Streifzug durch das Landauer Nachtleben haben sie schnell gemerkt, dass sie mit dem Thema einen Nerv getroffen haben.

SWR4 am Mittwoch SWR4

Heilbronn

Bundeskabinett will Kinder und Jugendliche schützen K.o.-Tropfen und Lachgas: Viele Fälle bleiben womöglich unentdeckt

Lachgas als Partydroge und K.o.-Tropfen als gefährliche Waffe - die Bundesregierung will beides verbieten. Auch im Raum Heilbronn sind die Risiken bekannt.

SWR4 am Wochenende SWR4

Stuttgart

Was tun bei Übergriffen im Festzelt? Verdacht auf K.-o.-Tropfen auf dem Cannstatter Wasen - diese Hilfen gibt es im Notfall

Die Polizei hatte am ersten Wasen-Wochenende einiges zu tun: Mitunter gab es Verdacht auf K.-o.-Tropfen. Übergriffe sind auf Volksfesten ein Thema. Welche Hilfsangebote gibt es?

Landau

Prozess vor dem Landgericht Landau Hat ein Mann in der Südpfalz seine Ehefrau mit K.o.-Tropfen betäubt und missbraucht?

Eine Frau wirft ihrem Ex-Mann vor, sie während ihrer Ehe mit Drogen und Alkohol ruhig gestellt und missbraucht zu haben. Zu Prozessbeginn am Landgericht Landau hat der Beschuldigte alle Vorwürfe vehement abgestritten.

SWR4 am Nachmittag SWR4

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Samantha Happ
SWR Redakteurin und Reporterin Samantha Happ

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!