Polizeikosten bei Fußball-Hochrisikospielen

Hagel trifft sich mit Profivereinen: Was sind die Konsequenzen der Ausschreitungen in Mannheim?

Müssen Fußballvereine künftig die Kosten der Polizeieinsätze bei Hochrisikospielen tragen? Nach den Ausschreitungen in Mannheim spricht Innenminister Hagel über mögliche Folgen.

Teilen

Stand

Von Autor/in Hannes Köhle

Der baden-württembergische Innenminister Manuel Hagel (CDU) trifft sich am Donnerstag mit Vertretern der Fußballvereine aus dem Land. Zu Gast sind sieben Vereine von der Bundesliga bis zur Dritten Liga. Grund des Treffens: Nach Ausschreitungen beim Hochrisiko-DFB-Pokalspiel Waldhof Mannheim gegen den 1. FC Kaiserslautern wächst der Druck, die Sicherheitskonzepte in den Stadien anzupassen.

Was ist beim DFB-Pokalspiel in Mannheim passiert?
Worum soll es beim Treffen gehen?
Welche Konsequenzen werden gefordert?
Was macht das Land für die Sicherheit in den Stadien?
Was sagen die Vereine?
Wie ist die aktuelle Sicherheitslage in den Stadien im Land?

Was ist beim DFB-Pokalspiel in Mannheim passiert?

Bei dem Hochrisikospiel warfen Fans beider Lager Böller auf das Spielfeld, vereinzelt wurden auch Raketen auf die Haupttribüne und Einsatzkräfte geschossen. Daraufhin stürmten einige Fans den Platz. Die Polizei stellte sich den Fans entgegen, teilweise beritten und mit Hunden. Die Bilanz: Bei dem Spiel wurden 35 Polizistinnen und Polizisten leicht verletzt, zudem mussten 85 weitere Personen medizinisch versorgt werden. Insgesamt waren 1.400 Polizistinnen und Polizisten im Einsatz. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) schätzt die Einsatzkosten auf eine Million Euro. Fanvertreter vom SV Waldhof kritisieren die Reaktion der Polizei als "eine Nummer zu heftig".

Worum soll es beim Treffen gehen?

Nach den Ausschreitungen beim DFB-Pokalspiel Ende August hat Hagel gefordert, dass es "kein schlichtes Weiter so" geben dürfe. Hagel will nun mit den Vereinen darüber sprechen, wie bei Hochrisikospielen die Sicherheitskonzepte in Zukunft angepasst werden müssen. Konkret geht es auch um die Frage, wie Pyrotechnik in das Stadion kommen konnte. "Wenn es zu solchen krassen Szenen kommt, dann ist es ja ganz offensichtlich, dass das Sicherheitskonzept des Vereins nicht aufgegangen ist", sagte Hagel.

Katharina Fuß aus unserer Redaktion Landespolitik hat das Treffen am Donnerstag im Innenministerium verfolgt:

Welche Konsequenzen werden gefordert?

Der Landesrechnungshof, die GdP und Oppositionspartei SPD im Landtag fordern, dass bei Hochrisikospielen die Vereine für die Polizeieinsätze zahlen müssen. Bislang stellt jedoch nur das Bundesland Bremen den Vereinen eine Rechnung. Dagegen hatte sich die Deutsche Fußball Liga (DFL) gewehrt, unterlag jedoch vor dem Bundesverfassungsgericht. Damit haben nun alle Länder die Möglichkeit, die Vereine für zusätzlich anfallende Kosten bei Hochrisikospielen zur Kasse zu bitten.

Der Fanverband "Unsere Kurve" kritisierte die Gerichtsentscheidung heftig. Künftig sollten dann auch Veranstalter von Volksfesten oder Silvesterpartys die Polizeieinsätze bezahlen, forderte ein Sprecher von "Unsere Kurve". Zudem ist der Begriff Hochrisikospiel nicht gesetzlich definiert, am Ende entscheidet die Polizei über die Einstufung.

Was macht das Land aktuell für die Sicherheit in Stadien?

Seit fast zehn Jahren gibt es in Baden-Württemberg die Stadionallianzen. Die Polizei im Land arbeitet dabei mit den Vereinen, Kommunen und Fanprojekten zusammen. Das Ziel: Risiken sollen früh erkannt und Konflikte entschärft werden. Dabei werden auch Einsatzkonzepte abgestimmt. Anfang August, vor den Ausschreitungen in Mannheim, zog Hagel eine positive Bilanz: "Der baden-württembergische Weg der Stadionallianzen wirkt und zeigt: Sicherheit und leidenschaftliche Fankultur schließen sich nicht aus." Nach dem Vorfall in Mannheim hat er seinen Ton geändert.

Was sagen die Vereine?

Die Vereine halten sich im Moment zurück. Der Karlsruher SC teilt auf SWR-Anfrage mit, dass er an einem transparenten und zielorientierten Austausch mit Politik, Polizei und anderen Clubs interessiert sei und dem Treffen positiv entgegenblicke. Geplant ist, dass sich die Vereine nach dem Treffen am Nachmittag ebenfalls vor der Presse äußern.

Wie ist die aktuelle Sicherheitslage in den Stadien im Land?

Das Innenministerium spricht von einem "historischen Tiefststand bei Gewalt und Verletzten" in den Stadien. Der Fußball sei noch nie so sicher gewesen. Die Stadionallianzen hätten laut Ministerium für eine "spürbare Entlastung der Polizei" gesorgt. So seien in der Saison 2025/2026 im Vergleich zur Saison davor weniger Polizeikräfte zum Einsatz gekommen und die Einsatzstunden zurückgegangen. So hätten circa 600.000 Euro an Einsatzkosten eingespart werden können.

Mannheim

BW-Innenminister: Keine Fußball-Fans, sondern "Kriminelle" Mannheim gegen Kaiserslautern: Wie Politik und Vereine auf die Ausschreitungen reagieren

Randale, Verletzte, Pyro - das ist die Bilanz des Pokalspiels Waldhof-Mannheim gegen den 1. FC Kaiserslautern. BW-Innenminister Hagel verurteilt die Vorfälle. Auch die Vereine reagieren.

Mannheim

Oberbürgermeister Specht: "Ich verurteile aufs Schärfste die rohe Gewalt im Stadion" Nach dem Pokalderby: So reagiert die Stadt Mannheim auf die Ausschreitungen

Dutzende Leichtverletzte beim Pokalspiel SV Waldhof Mannheim gegen den 1. FC-Kaiserslautern am Freitagabend. Oberbürgermeister Christian Specht reagiert auf die Ausschreitungen.

Millionenkosten für Polizeieinsätze Stadionallianzen helfen gegen Gewalt: Fußball-Clubs bekommen weiterhin keine Rechnung

BW ist Vorreiter bei den Stadionallianzen. Polizei und Vereine arbeiten eng zusammen. Doch das Land möchte die Clubs nicht an Mehrkosten für Hochrisikospiele beteiligen.

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Hannes Köhle
Hannes Köhle ist Teil des Teams von "Zur Sache! Baden-Württemberg".

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!