Land will für letztes Kita-Jahr zahlen

Grün-Schwarz will verpflichtendes letztes Kita-Jahr einführen

Die neue Landesregierung in Baden-Württemberg plant ein verpflichtendes letztes Kita-Jahr. Das Land will die Kosten übernehmen - zur Freude der Kommunen.

Teilen

Stand

Von Autor/in Petra Nicklis

Fast wie ein altes Ehepaar ergänzten sich der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Andreas Schwarz und der Generalsekretär der CDU, Tobias Vogt. In der SWR-Sendung "Zur Sache Baden-Württemberg" berichteten beide gemeinsam und übereinstimmend über ihre Vorhaben in der künftigen Landesregierung. Außer Einklang war nichts zu hören. Von den wohl nicht immer einfachen vier Sondierungsgespräche in den vergangenen fünf Wochen - kein Wort.

Land will für letztes Kitajahr zahlen - auch für die Kosten der Kommunen

Im Sondierungspapier hatten sich die beiden Parteien auf ein verpflichtendes letztes Kitajahr verständigt. Unklar war allerdings die Finanzierung. Der Grünen-Fraktionsvorsitzende Andreas Schwarz sagte in der Sendung, "wir haben uns vorgenommen, dass wir das letzte Kindergartenjahr gebührenfrei machen. Das würden wir aus der Landeskasse bezahlen."

Der Generalsekretär der CDU vervollständigte an anderer Stelle, dass man das letzte verpflichtende Kindergartenjahr "zur Schulpflicht" machen wolle. "Das bedeutet, es ist eine Landesaufgabe: Schulpflicht. Und somit wird es auch von uns bezahlt."

Moderatorin Alexandra Gondorf spricht in der Sendung "Zur Sache! Baden-Württemberg" mit Unternehmerin Isabel Grupp-Kofler, Ludwigsburgs Oberbürgermeister Matthias Knecht (parteilos), SWR-Landespolitik-Korrespondent Henning Otte, CDU-Generalsekretär Tobias Vogt sowie dem Grünen-Fraktionsvorsitzenden Andreas Schwarz (v.r.n.l.)
Moderatorin Alexandra Gondorf spricht in der Sendung "Zur Sache Baden-Württemberg" mit Ludwigsburgs Oberbürgermeister Matthias Knecht (parteilos) Unternehmerin Isabel Grupp-Kofler, SWR-Landespolitik-Korrespondent Henning Otte, CDU-Generalsekretär Tobias Vogt sowie dem Grünen-Fraktionsvorsitzenden Andreas Schwarz (v.r.n.l.)

Kommunen erleichtert

Hocherfreut zeigte sich der Oberbürgermeister von Ludwigsburg Matthias Knecht (parteilos) über diese Nachricht, dass das Land zahlen will. "Da sind wir sehr froh, dass das nicht auch zu Lasten der Kommunen, sondern des Landes geht", sagte er. Für seine Stadt Ludwigsburg würde das bedeuten, "4,56 Millionen Einsparungen, wenn das so kommt, pro Jahr."

Dabei kann jede Kommune in Baden-Württemberg selbst entscheiden, wie hoch die Kita-Gebühren sind, sprich, wie viel Geld sie von den Eltern verlangt. Es gibt lediglich die Empfehlung, 20 Prozent der Gesamtkosten in Rechnung zu stellen.

"Bildungspolitischer Mehrwert" kostet das Land einen dreistelligen Millionenbetrag

Schätzungen gehen davon aus, dass das letzte Kitajahr zwischen 200 und 250 Millionen Euro jährlich kosten könnte. Der Grünen-Fraktionsvorsitzende unterstrich den "bildungs- und sozialpolitischen Mehrwert" eines solchen verpflichtenden letzten Kitajahres. So könnten alle Kinder gefördert und gut auf die Schule vorbereitet werden. "Das soll vom Land bezahlt werden. Wir sind Anhänger des Konnexitätsprinzips (Anm. d. Red: Wer bestellt, zahlt.). Wir achten das, es ist eine Entlastung der Kommunen." Und auch eine der Eltern.

Bedingung ist, dass dieses Vorhaben es in den Koalitionsvertrag schafft. Die Verhandlungen dazu haben gerade erst begonnen.

Baden-Württemberg

Forderung im Wahlkampf Wird ein Kita-Jahr in Baden-Württemberg künftig kostenfrei?

Das letzte Jahr der Kita soll kostenfrei und verpflichtend sein. Das fordern Grüne, CDU und SPD. Mehrere tausend Kinder im Land besuchen vor der Schule wohl keinen Kindergarten.

SWR1 Baden-Württemberg SWR1 Baden-Württemberg

Eppingen

Was Menschen vor der Landtagswahl BW bewegt Steigen die Kita-Gebühren noch weiter? Eltern fragen sich, wer sich das noch leisten kann

In Baden-Württemberg müssen Eltern teilweise 800 Euro und mehr für einen Vollzeit-Krippenplatz zahlen. Wer soll sich das in Zukunft leisten können, fragt eine Familie aus Eppingen.

Übergang mit Hindernissen Der Übergang vom Kindergarten in die Grundschule leidet unter Personalmangel

Zu wenig Fachkräfte, zu wenig Zeit und immer mehr Kinder mit Problemen bei der emotionalen Entwicklung, so eine Umfrage unter Kitaleitungen. Das erschwere den Übergang zur Schule.

Fellbach

Sparen auf dem Rücken der Eltern? Kürzere Kita-Öffnungszeiten: Pläne in Fellbach sorgen für Ärger

Die Stadt Fellbach muss sparen. Dafür sollen unter anderem die Betreuungszeiten in Kitas reduziert werden. Dagegen wehren sich viele Eltern und sprechen von "Familienfeindlichkeit".

SWR Aktuell Baden-Württemberg SWR BW

Baden-Württemberg

Wegen Finanzproblemen und Personalnot in Kitas Kinder in BW wieder früher einschulen? Eltern und Lehrergewerkschaft sehen Debatte kritisch

Kommunale Finanznot macht erfinderisch. Und so findet der Vorschlag einer früheren Einschulung plötzlich Unterstützer - doch Fachverbände lehnen die Verschiebung ab.

Villingen-Schwenningen

Hunderte Kinder auf der Warteliste Streit mit der Stadt ums Geld: Kita in Villingen stellt Insolvenzantrag

Eine Kita in Villingen hat einen Insolvenzantrag gestellt. Hintergrund ist ein seit Jahren andauernder Konflikt mit der Stadt über die Finanzierung der Einrichtung.

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Petra Nicklis

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!