Die hausärztliche Versorgung in Baden-Württemberg könnte sich bis zum Jahr 2040 deutlich verschlechtern - falls nicht gegengesteuert wird. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Barmer Krankenkasse gemeinsam mit der Bertelsmann Stiftung. Demnach steigt das Risiko der Unterversorgung vor allem im ländlichen Raum.
Versorgungsquote droht von 97 auf 79 Prozent zu sinken
Ohne Gegenmaßnahmen seien in 14 Jahren etwa Menschen in Bad Säckingen (Kreis Waldshut), Rottweil, Sigmaringen und Waldshut-Tiengen unterversorgt, so die Autoren der Studie. Insgesamt könnte im Jahr 2040 etwa jeder Fünfte im Land mit Hausärzten unterversorgt sein - die Versorgungsquote sinke auf 79 Prozent. Im Moment sind der Studie zufolge 97 Prozent der Patientinnen und Patienten durch Hausärzte versorgt.
Die Entwicklung liegt laut Barmer Krankenkasse an den vielen Hausärztinnen und -ärzten, die in den nächsten Jahren in Rente gehen, und jungen Hausärzten, die durchschnittlich nicht mehr so viel arbeiten wie ihre Vorgänger. Hinzu kommt, dass in der älter werdenden Bevölkerung der Bedarf steigt - laut der Studie bis 2040 voraussichtlich um 6,3 Prozent.
175 Hausärzte müssen laut der Studie aufs Land
Diese Entwicklung lässt sich den Forschenden zufolge aber verhindern. Dafür müssten bis 2040 "drei Prozent des hausärztlichen Nachwuchses gezielt für eine Niederlassung in künftig schlechter versorgte Regionen gewonnen werden", so die Barmer. Das wären in Baden-Württemberg rund 175 Hausärztinnen und -ärzte. "Diese Größenordnung scheint mir machbar", sagt Barmer-Landesgeschäftsführer Winfried Plötze. Krankenkassen und Kassenärztliche Vereinigung müssten gemeinsam dafür sorgen, dass sich Mediziner dort niederließen, wo sie gebraucht würden, so Plötze.
Dafür braucht es Anreizsysteme. Ein Programm für Landärzte gibt es bereits: Seit 2021 gibt es die sogenannte Landarztquote. Dabei werden jährlich 75 Medizinstudienplätze an Bewerber vergeben, die sich verpflichten, nach ihrer Ausbildung mindestens zehn Jahre als Hausarzt in einer unterversorgten Region zu arbeiten. Im Koalitionsvertrag hat die grün-schwarze Landesregierung vereinbart, diese Quote auch auf Kinderärzte ausweiten zu wollen.
Die Barmer schlägt zudem vor, die Allgemeinmediziner zu entlasten, indem Haus- und Fachärzte enger mit anderen Gesundheitsberufen zusammenarbeiten. Außerdem müsse der Verwaltungsaufwand durch Digitalisierung und Künstliche Intelligenz sinken.